Brauchtum

Geheimnisvolles Lichtmess

Anhand des Gemäldes „Darbringung im Tempel" führt der Theologe und Historiker Dr. Oliver Schütz zu den jüdischen Wurzeln eines alten Festtags, der im Volksmund als „Mariä Lichtmess" bekannt ist. Die Tafel aus der Werkstatt von Bartholomäus Zeitblom befindet sich in der Neithart-Kapelle des Ulmer Münsters; ursprünglich war sie Teil des Hauptaltars in St. Michael zu den Wengen Ulm. Foto: drs/Jerabek

Was hat es mit dem Fest „Mariä Lichtmess" auf sich? Ein Blick in die Geschichte eröffnet interessante Perspektiven auf einen alten Festtag.

Am 2. Februar wird jedes Jahr das Fest Mariä Lichtmess gefeiert. Die Redewendung „Lichtmess, bei Tag ess" spielt darauf an, dass Anfang Februar die Tage wieder länger geworden sind. Beim Abendvesper um 17 Uhr ist die Sonne dann noch nicht untergegangen. Vom kürzesten Tag im Jahr zur Wintersonnwende an Weihnachten bis Lichtmess werden die Tage um fast zwei Stunden länger. Doch der Begriff Lichtmess kommt nicht vom längeren Tageslicht.

Im Gottesdienst am Lichtmesstag werden Kerzen gesegnet. Auf Englisch heißt das Fest deswegen „Candlemas", auf Französisch „Chandeleur". Licht meint also die Kerzen, die in der heiligen Messe an diesem Tag geweiht werden. Dieser Brauch geht auf eine Lichterprozession zurück, die schon zu römischer Zeit an diesem Tag stattfand.

Darstellung des Herrn

Offiziell heißt das Lichtmessfest „Darstellung des Herrn". An diesem Tag wird aus dem Lukasevangelium vorgetragen, wie Maria ihren Sohn Jesus 40 Tage nach dessen Geburt in den Jerusalemer Tempel bringt. Damit entspricht sie einer Bestimmung im Alten Testament. Seit dem Auszug aus Ägypten unter Mose gehört der erstgeborene Sohn Gott. Die Eltern müssen ihr Kind deswegen im Tempel Gott vorstellen und gegen eine Opfergabe auslösen. Genau das macht Maria und trifft im Tempel auf den greisen Simeon und die Prophetin Hanna, die über das Kind weissagen, es sei der lange erwartete Retter.

Reinigung der Mutter

Maria nutzt die Gelegenheit, um auch das Reinigungsopfer darzubringen, das für eine Frau 40 Tage nach der Geburt eines Buben vorgeschrieben war. Sie bringt dazu zwei Tauben in den Tempel. Da Maria in dieser Erzählung also eine wichtige Rolle spielt, ist das Fest im Volksmund nach ihr benannt: Mariä Lichtmess. Es erinnert daran, dass Jesus Christus als Jude zum Volk Israel gehört, aus dem der Messias, der Retter kommt. Dieser ist, wie Simeon im Tempel verkündet, „ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für Gottes Volk Israel" (Lk 2,32). Der Gedanke, dass mit Jesus das Licht zur Erleuchtung der Welt kommt, ist die Verbindung zur Lichtsymbolik und zur Kerzenweihe am Fest Mariä Lichtmess.

Veranstaltung

Wer mehr zu den verschiedenen Aspekten und Hintergründen des Festes Mariä Lichtmess erfahren möchte, kann an einer Online-Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung Ulm-Alb-Donau teilnehmen. An Mariä Lichtmess, Montag, 2. Februar 2026 um 19 Uhr, hält der Theologe und Historiker Dr. Oliver Schütz eine Online-Präsentation zum Thema „Geheimnisvolles Lichtmess". Die Teilnahme ist kostenfrei, der Zugang findet sich unter www.keb-ulm.de

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