Frauen

„Gehen oder bleiben?“

Elisabeth Zoll, Autorin des Buches "Wir bleiben", Gerlinde Kretschmann und Journalistin Verena Neuhausen diskutieren zusammen mit dem Publikum ob und warum sie in der katholischen Kirche bleiben. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Angelika Witczak

Über Austritts- und Durchhalte-Gründe haben Gerlinde Kretschmann, Elisabeth Zoll und Verena Neuhausen mit dem Publikum diskutiert.

„In den Verein wollen Sie freiwillig wieder eintreten?“, habe ein Pfarrer vor einigen Jahren Gerlinde Kretschmann gefragt als diese wieder katholisch werden wollte. Lautes Gelächter erschallt im Haus der Katholischen Kirche als Kretschmann das bei der Diskussionsrunde „gehen oder bleiben“ am 20. Juni 2023 erzählt. Gerlinde Kretschmann und Elisabeth Zoll, die Herausgeberin des Buches „Wir bleiben – Warum sich Frauen aus der katholischen Kirche nicht vertreiben lassen“, werden von SWR- Journalistin Verena Neuhausen interviewt. Viele der Fragen kommen dabei aus dem Publikum. Kretschmann erzählt unter anderem von ihrem Leben, in dem sie immer wieder vor der Frage stand, ob sie zur katholischen Kirche gehören möchte oder nicht. Im Publikum sitzen etwa 40 Frauen und vier Männer. Die Stimmung ist locker und lädt zu Reaktionen und Diskussionen ein.

Warum in der Kirche bleiben?

Viel Zustimmung aus dem Publikum erfährt unter anderem die Aussage einer Teilnehmerin: „Unsere Kirche hungert sich aus, wenn nur Kleriker etwas zu sagen haben und das ausschließlich zölibatär lebende Männer sind.“ Darauf erwidert Zoll, dass die Kirche aus mündigen Christen bestehe und daher jeder in der Verantwortung sei. Genau diesen Grund hätten ihr auch viele ihrer Gesprächspartnerinnen genannt bei der Recherche für ihr Buch: „Ich will etwas verändern und das geht besser von innen!“ Andere Gründe seien die tiefe heimatliche Verbundenheit zur katholischen Kirche gewesen und dass der Glaube als Kompass erlebt werde. Für Kretschmann sind auch die eindrucksvollen Kirchengebäude und die besondere Stimmung ein Grund zu bleiben sowie die starke Gemeinschaft.

Warum nicht konvertieren?

Zoll macht zudem deutlich, dass eine Veränderung Geduld brauche – gerade, wenn sich die Kirche als ganze und nicht nur in Deutschland ändern soll. Nicht einmal ein Wechsel zur evangelischen oder altkatholischen Kirche sieht sie als Option. „Auch da treten Leute aus, obwohl Frauen und verheiratete Männer Pfarrer werden können.“ Weitere Gründe gegen eine Konversion kommen aus dem Publikum: „In der evangelischen Kirche fehlt mir das Sinnliche. Das ist wie Farbe gegen Schwarz-Weiß tauschen!“ oder „Ich verliere meine Gemeinde vor Ort, wenn ich altkatholisch werde.“

Wie stehen die Männer dazu?

Der Veranstalter, Roland Weeger vom Katholischen Bildungswerk Stuttgart, macht deutlich, dass Frauen zwar viel mehr Gründe hätten, ungeduldig zu sein, Männer aber diese Zerrissenheit ähnlich empfänden. Dies bestätigen die anderen Männer in der Runde.

Wie soll es weiter gehen?

Für die Zukunft nimmt sich Zoll vor, mit Kreativität und Geduld am Ball zu bleiben. Kretschmann hofft auf eine starke Gemeinschaft, denn „wir brauchen den Glauben und die christliche Botschaft gegen den Hass in der Welt“, sagt sie.

Zum Ende der Veranstaltung lädt die Moderatorin zum Austausch ein und erinnert daran, dass das Haus der Katholischen Kirche immer offen stehe für Gespräche und Diskussionen – auch ganz persönliche.

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