Persönliches

Gemeindepfarrer und Dekan mit Leib und Seele

Porträtfoto

Vor 50 Jahren zum Priester geweiht: Pfarrer i.R. und ehemaliger Dekan Heinz Leuze - Foto: Privat

Heinz Leuze erhielt vor 50 Jahren durch Weihbischof Anton Herre die Priesterweihe und verbringt seinen Ruhestand in Mengen.

Auf Augenhöhe mit den Mitchristinnen und Mitchristen zu sein, das war Heinz Leuze stets wichtig. Als er vor 50 Jahren zum Priester geweiht wurde, motivierte ihn die Aufbruchstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Dienst in der Kirche. Für die Menschen erreichbar zu sein, aus dem Leben heraus verständlich zu predigen und Gottesdienste so zu feiern, dass die Gläubigen etwas mitnehmen können, das lag und liegt dem inzwischen 75-Jährigen bis heute am Herzen.

Leuze hatte schon während des Studiums im Wilhelmsstift Freude an der Gestaltung der Liturgie. Als der neue Bischof Georg Moser ihn nach Vikarsjahren in Friedrichshafen 1975 als Kaplan nach Leutkirch schickte, betraute er ihn mit einer besonderen Aufgabe. Altbischof und Konzilsteilnehmer Carl Joseph Leiprecht benötigte einen Zeremoniar und Sekretär, der ihn zu Firmungen und Altarweihen begleitet und diese vorbereitet. Nachdem der junge Priester sechs Jahre lang an jeweils etwa 25 Sonntagen mit Leiprecht unterwegs gewesen war, saß er im Herbst 1981 stundenlang am Sterbebett des emeritierten Bischofs bis zu dessen Tod.

Im Dienst des Konzilbischofs

Ursprünglich hätte Bischof Leiprecht am 18. März 1972 - damals noch im Amt - Leuze und vier Kurskollegen die Priesterweihe spenden sollen. Nach einem Herzinfarkt war er jedoch noch nicht genesen. So übernahm Weihbischof Anton Herre die Weiheliturgie im Rottenburger Dom. Tags darauf besuchten die Neupriester zusammen mit ihren sieben Kurskollegen, die in Stuttgart die Weihe empfingen, den Bischof im dortigen Marienhospital. "Wir haben noch vor dem Empfang bei Oberbürgermeister Arnulf Klett über unseren Bischof die Arme ausgestreckt und ihm den Primiziantensegen erteilt", erinnert sich der Jubilar.

Seine erste Eucharistie feierte Leuze am 3. April 1972 in Mengen, wo er in sehr einfachen Verhältnissen aufgewachsen war. Nach der Erstkommunion kam er zu den Ministranten und in die Schwabenjugend, wie die KJG damals hieß. Pfarrer, Kaplan und Mesner wurden auf den fleißigen Jungen aufmerksam. Über das neu gegründete Knabenseminar in Leutkirch und das Konvikt in Rottweil führte sein Weg zum Theologiestudium nach Tübingen. Mit Latein habe er anfangs sehr zu kämpfen gehabt, gibt Leuze zu. Sein Eifer und die fromme Unterstützung seiner Mutter hätten dann aber doch zum Erfolg geführt.

Dekanenamt mit Verlängerung

1982 bekam Leuze die Pfarrstelle in Baindt und durfte tun, was er eigentlich wollte - mit Leib und Seele Gemeindepfarrer sein. Dass er an diesem Ort 30 Jahre wirken werde, ahnte er damals noch nicht. 1984 zusätzlich zum Dekan gewählt, besuchte Leuze in den folgenden sechs Jahren alle 40 Kirchengemeinden des damaligen Dekanats Ravensburg, hörte zu, wo der Schuh drückt, und vermittelte bei Konflikten. Am Ende der offiziell möglichen Amtszeit im Jahr 2001 bat ihn Bischof Gebhard Fürst trotzdem weiterzumachen. Ein potentieller Nachfolger war kurz vorher plötzlich gestorben. Der nächste erhielt einen Ruf ins Rottenburger Domkapitel, bevor er den Dekan ablösen konnte.

Schließlich stand die Gründung des Dekanats Allgäu-Oberschwaben, in dem die vier Sprengel im Landkreis Ravensburg aufgingen, in den Startlöchern. Und Leuze blieb im Amt, bis der heutige Weihbischof Matthäus Karrer 2008 Leiter des neuen Großdekanats wurde. 2004 erhielt der Baindter Pfarrer die Gemeinde in Baienfurt dazu. Sich als Seelsorger um Menschen zu kümmern und sich für sie verantwortlich zu fühlen, das pflegt Leuze auch nach seinem krankheitsbedingten Ruhestand im Jahr 2012 weiter. Von seinem Elternhaus in Mengen aus besucht er die Pfarrpensionäre im Altdekanat Ravensburg, organisiert Treffen und vertritt ihre Anliegen auf Diözesanebene.

Nicht alles falsch gemacht

Noch heute fragen ehemalige Gemeindemitglieder, ob der Pensionär den Gottesdienst zu ihrer Trauung feiert oder ihre Kinder tauft. "Da habe ich wohl nicht alles falsch gemacht", bemerkt Leuze bescheiden und mit einem verschmitzten Lächeln. Würde er sich nochmals für den Priesterberuf entscheiden, wenn er jung wäre? "Aus heutiger Sicht und wie man in der Kirche umgeht, würde ich es mir schon genau überlegen", äußert Leuze seine Zweifel. Und fügt dann schnell hinzu: "Aber ich bereue meinen Schritt damals auf keinen Fall."

Den Jubiläumsgottesdienst feiert die Mengener Kirchengemeinde mit Pfarrer i.R. Heinz Leuze am Sonntag, 3. Juli, um 10.30 Uhr auf dem Kirchplatz nach.

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