Neugierig beäugt ein älteres Ehepaar die beiden Glocken, die vor dem Eingang zur Kathedrale in Świdnica/Schweidnitz präsentiert werden – die eine auf einem großen Pkw-Anhänger, die andere in einem grünen Transporter. Das Paar erkundigt sich, was es mit diesen auf sich hat. Eigentlich macht es nur Urlaub in der polnischen Stadt und ist ungezielt an der Kathedrale vorbeigekommen, wie der Mann erzählt. Und nun seien sie „auf ein Stück Geschichte gestoßen“.
Denn die beiden Glocken kehren nach Jahrzehnten in die Orte Seitendorf/Gniewoszów und Tuntschendorf/Tłumaczów in der heutigen niederschlesischen Diözese Świdnica/Schweidnitz zurück. Möglich gemacht hat es das Projekt „Friedensglocken für Europa“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Die beiden Glocken, die im 17. Jahrhundert gegossen worden waren, gehörten zu den schätzungsweise an die 100.000 Glocken, die während des Zweiten Weltkriegs auf Befehl der Nationalsozialisten abgehängt werden mussten, um sie als Materialquelle der Rüstungsindustrie zur Verfügung zu stellen. Nach dem Krieg kehrten die Glocken, die nicht zerstört worden waren, in ihre Kirchengemeinden zurück. Für Glocken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten war dies damals allerdings aus politischen Gründen nicht möglich. Daher wurden sie als sogenannte Leihglocken Gemeinden in der jungen Bundesrepublik zugewiesen.










