Kirche

Gewitter hält die Zeit an

Graue Wolken über dem Turm der Kirche St. Martin.

Ein Blitz hat in die Biberacher Stadtkirche St. Martin eingeschlagen - Archivfoto: DRS/Waggershauser

Ein Blitzschlag verkokelt in der Biberacher Simultankirche St. Martin elektrische Steuerungen - auch die der Turmuhr.

Mitten in der Nacht von Freitag auf Samstag schlägt das Handy von Herbert Wohnhas Alarm. "Seine" Kirche im Stadtzentrum von Biberach, die von der evangelischen und der katholischen Gemeinde paritätisch genutzt wird, meldet automatisiert einen Notfall. Zu dieser Zeit tobt ein heftiges Gewitter über der Stadt. Der Mesner setzt sich sofort ins Auto. Eine Viertelstunde benötigt er von seinem Wohnort zum Arbeitsplatz. Kaum losgefahren klingelt das Mobiltelefon erneut. Pfarrer Stefan Ruf, der neben St. Martin wohnt, erzählt ihm von einem mächtigen Knall. Danach hätten die Glocken zu läuten begonnen. Hat der Blitz eingeschlagen?

Der Verdacht bestätigt sich. als die beiden das Gotteshaus betreten. Es riecht verschmort, doch Feuer ist keines zu sehen. Die Quelle des Gestanks finden sie schnell: Der elektrische Steuerungsschrank in der Nähe der katholischen Sakristei. Wohnhas schaltet die gesamte Elektrik ab und die hinzugerufene Feuerwehr überprüft noch in der Nacht das Dach des derzeit eingerüsteten Gebäudes auf Schäden oder etwaige Brandnester - zum Glück erfolglos. "Wir haben einen Saudusel gehabt", sagt der Mesner drei Tage später spürbar erleichtert. Wann der Blitz eingeschlug, lässt sich ziemlich exakt feststellen. Die Turmuhr blieb stehen und zeigt immer noch 0.23 Uhr an.

Ein Trauma aus dem 16. Jahrhundert

Am Samstagnachmittag schaltete ein Fachmann die elektrische Anlage versuchsweise wieder in Betrieb. "Da hat es nochmals geschmort", berichtet Wohnhas. Der Elektriker reduzierte daher alles aufs Nötigste. So konnten die Gottesdienste am Sonntag und auch das abendliche Konzert mit Posaunenquartett und Orgel stattfinden. Denn der Orgelmotor hatte nichts abbekommen. Die Höhe des Schadens lässt sich noch nicht beziffern. "Fachleute werden alles auf Herz und Nieren prüfen", versichert der Mesner. Und er vermutet, dass nicht nur Gottes Segen, sondern auch die Blitzableiter dieses Mal Schlimmeres verhinderten. Im Jahr 1584 beschädigte nämlich ein Blitz die Kirche schwer. Turmuhr und Orgel verbrannten.

Weitere Nachrichten

Auszeichnung
Nach Corona-Pause: Bischof Fürst überreichte vier verdienten Persönlichkeiten ihre päpstlichen Orden und Ehrenzeichen aus dem Jahr 2020.
Weiterlesen
KLjB
Der Diözesanverband der Katholischen Landjugendbewegung hat die langjährigen Vorsitzenden Selina Buck und Samuel Häußler verabschiedet.
Weiterlesen