Friedensglocken

Glocken erzeugen herzlichen Widerhall

Begegnung und Gespräche entstehen an den Glocken vor der Kathedrale in Świdnica/Schweidnitz.

Begegnungen und Gespräche entstehen an den Glocken vor der Kathedrale in Świdnica/Schweidnitz. Foto: DRS/Guzy

Zwei Glocken bringen die Menschen in Polen und Deutschland im Rahmen des Projekts „Friedensglocken für Europa“ zusammen.

Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die eine Delegation der Diözese Rottenburg-Stuttgart in den vergangenen Tagen erlebt hat, hallen noch lange nach. „Ich bin beeindruckt und bewegt, mit welcher Begeisterung wir empfangen worden sind“, fasst Bischof Dr. Klaus Krämer seine Eindrücke von einer mehrtägigen Polenreise (12. bis 15. September) zusammen. Anlass war die Rückkehr zweier Glocken in die niederschlesische Diözese Świdnica/Schweidnitz, mit der die Rottenburger Diözese ihr Projekt „Friedensglocken für Europa“ fortsetzte.

Die Rückkehr wurde zunächst mit einem zentralen Gottesdienst in der Kathedrale von Świdnica/Schweidnitz gefeiert. Die beiden Glocken aus dem 17. Jahrhundert waren vor der Kirche ausgestellt, die eine auf einem großen Pkw-Anhänger, die andere in einem grünen Transporter.

Glocken wecken Neugier

Die zwei Glocken gehörten zu den schätzungsweise an die 100.000 Glocken, die während des Zweiten Weltkriegs auf Befehl der Nationalsozialisten abgehängt werden mussten, um sie als Materialquelle der Rüstungsindustrie zur Verfügung zu stellen. Nach dem Krieg kehrten die Glocken, die nicht zerstört worden waren, in ihre Kirchengemeinden zurück. Für Glocken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten war dies damals allerdings aus politischen Gründen nicht möglich. Daher wurden sie als sogenannte Leihglocken Gemeinden in der jungen Bundesrepublik zugewiesen.

So hing eine der beiden Glocken, die an dem Samstag vor der Kathedrale in Świdnica/Schweidnitz die Neugier von Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern und zufällig an der Kirche vorbeikommenden Menschen weckten, in der Kapelle des Rottenburger Priesterseminars. Die andere Glocke läutete zunächst in einer Kirchengemeinde der Diözese Rottenburg-Stuttgart und kam dann ins Depot.

Während des Gottesdienstes dankte der polnische Bischof Marek Mendyk dafür, dass die Glocken in seine Diözese zurückgekommen sind. Die Glocken mögen zum Frieden rufen, sagte er mit Verweis auf die aktuell „unsicheren Zeiten“.

Gespräche und Begegenungen

Bischof Dr. Klaus Krämer stellte den Mitfeiernden das Projekt „Friedensglocken für Europa“ vor. In der Kathedrale waren nicht nur die Mitglieder der Rottenburger Delegation versammelt – darunter auch die erst im März dieses Jahres zu Diakonen geweihten Priesteramtskandidaten –, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter aus den Heimatgemeinden der Glocken Seitendorf/Gniewoszów und Tuntschendorf/Tłumaczów.

„Wir feiern heute einen großen Triumph des Friedens über Unrecht und Krieg“, sagte Bischof Krämer. Die Glocken brächten nun die Menschen in Polen und Deutschland nicht auseinander – sondern zusammen.

Am Ende des Gottesdienstes segneten Bischof Mendyk, Bischof Krämer und Weihbischof Dr. Gerhard Schneider die beiden Glocken. Bevor die Glocken in die jeweilige Heimatgemeinde transportiert wurden, wurden sie von den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern ausgiebig besichtigt und fotografiert. Die Mitglieder der Rottenburger Delegation führten an den Fahrzeugen erste Gespräche mit den Vertreterinnen und Vertretern der polnischen Gemeinden.

Gottesdienste in den Heimatorten

„Es ist eine große Freude“, sagte Agata Szubarczyk. „Wir waren positiv überrascht“, antwortete sie auf die Frage, wie die Nachricht von der Glockenrückkehr aufgenommen worden sei. Agata Szubarczyk gehört zur Pfarrei, die Gniewoszów umfasst.

Dorthin fuhr am nächsten Tag ein Teil der Rottenburger Delegation, ein anderer nach Tuntschendorf/Tłumaczów. An beiden Orten fanden zunächst festliche Gottesdienste statt. Engagierte aus der Ortsbevölkerung hatten dafür gesorgt, dass die Glocken würdig und prominent präsentiert werden können: Die zurückgekehrten Glocken hingen jeweils an speziellen, fachmännisch und liebevoll gefertigten Konstruktionen.

Erinnerung an historischen Briefwechsel

Dass die Glocke nun wieder in der Sankt-Michaels-Kirche erklingt, sei wirklich eine unglaubliche Geschichte mit einem wunderbaren Ende, sagte Weihbischof Schneider in seiner Predigt in Seitendorf/Gniewoszów. „Wir nennen diese Glocke Friedensglocke, weil sie ein Hoffnungszeichen ist, dass Friede und Versöhnung immer möglich sind“, erklärte der Weihbischof. Er erinnerte auch an den Briefwechsel der polnischen an die deutschen Bischöfe vor genau 60 Jahren. In diesem heißt es: „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“ Diese Worte bewegten den Weihbischof sehr. „Wie viel Kraft und Mut zur Versöhnung spricht aus den Worten des Briefs – in so wenigen Jahren nach Kriegsende“, betonte Weihbischof Schneider. Er hoffe und sei sich sicher, dass die Glocke ein echtes Zeichen der Hoffnung werde.

„Wir wollen ein Zeichen für die Versöhnung und die Freundschaft setzen, das uns aus unserem christlichen Glauben heraus verbindet“, sagte Bischof Krämer im Gottesdienst in der Peter-und-Paul-Kirche in Tuntschendorf/Tłumaczów. „Wir sind dankbar für Ihr Engagement“, richtete Josef Surówka aus der Mitte der Ortsbevölkerung einige Worte an die Rottenburger Delegation.

Kulinarische Herzlichkeit

In beiden Dörfern wurde diese nach dem Gottesdienst mit großer Gastfreundschaft empfangen, die sich auch kulinarisch ausdrückte: Es gab liebevoll zubereitete, regionaltypische Speisen wie schlesische Klöße.

Für alle aus der Delegation bleibt die erlebte Herzlichkeit ein unvergessliches Erlebnis – bei einigen schwingt dabei auch Persönliches mit. Dass er bei den Gottesdiensten in der Kathedrale in Świdnica/Schweidnitz und in Tuntschendorf/Tłumaczów als Diakon mitwirken durfte, habe ihn besonders gefreut, sagt Patrick Wende. Denn der 31-Jährige, der zu den erst im März dieses Jahres zu Diakonen geweihten, mitreisenden Rottenburger Priesteramtskandidaten gehört, hat polnische Wurzeln: Seine Eltern stammen aus der Gegend um Breslau/Wrocław.

Seitens der beiden Diözesen Świdnica/Schweidnitz und Rottenburg-Stuttgart wurde auch der Wunsch ausgesprochen, die im Zusammenhang mit dem Glocken-Projekt geknüpften Kontakte fortzuführen.

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