Gottesdienst

Gott feiern mitten im Leben

Im Vordergrund die Musikerin am E-Piano, im Hintergrund die Mitfeiernden um den Altar versammelt.

Janina Gnand (r.) begleitet die Mitfeiernden in Musbach am E-Piano - Foto: DRS/Waggershauser

Der etwas andere Gottesdienst lockt jeden ersten Sonntagabend im Monat Gläubige in Kapellen rund um Ebersbach-Musbach im Dekanat Saulgau.

Die Zutaten für den Mitten-im-Leben-Gottesdienst in der Seelsorgeeinheit Altshausen sind eigentlich ganz einfach: Zu Herzen gehende Musik und Bibelverse, Texte und Gebete, symbolische Gesten und Zeit, alles auf sich wirken zu lassen. Johanna ist mit ihren zehn Jahren die Jüngste, die sich am Sonntagabend durch den Dauerregen zur Nikolauskapelle in Musbach aufgemacht hat. Die anderen 14 Mitfeiernden - überwiegend Frauen - sind eher mittleren Alters oder bereits im Ruhestand. Wenn das Wetter besser sei und nicht so viele Veranstaltungen wie an diesem Tag parallel lägen, kämen mehr, sagt Wolfgang Sekul. Der theologisch Interessierte und vielfach ehrenamtlich Engagierte hat das Gottesdienstformat mit auf den Weg gebracht.

„Herr, lass Weihnachten werden“, singt Janina Gnand mit klarer Stimme am Beginn der Feier und begleitet sich dabei am E-Piano. „Ich kann bei ihrer Musik sofort abschalten und bin ganz da“, lobt Renate Gabriel die junge Organistin und Chorleiterin, die dem Kircheninstrument schon auch mal Popsongs entlockt. Über Wortgottesdienste in der Ebersbacher Pfarrkirche während Corona, die Sekul leitete und in denen Gnand orgelte, kam der Kontakt zustande. „Die Janina brauchen wir“, waren sich die Verantwortlichen für „Mitten im Leben“ einig. Auch das Gottesdienstformat selbst hat seinen Ursprung in der Coronapandemie. Da die Plätze in der Kirche an Heiligabend wegen der Abstandsregeln nicht reichten, initiierte die damalige Gemeindereferentin Anja Hermle einen zweiten Gottesdienst um 23 Uhr, den es als „Late Night“ bis heute gibt.

Kapellen als Gottesdienstorte entdeckt

„Macht so was öfter“, lautete das Feedback auf diese kreative Form. Gesagt, getan. Nach dem Start in der Ebersbacher Pfarrkirche entdeckte die monatliche Gottesdienstgemeinde an der Schnittstelle vom Sonntag zum Alltag die Kapellen für sich - im Sommer möglichst Open Air die in Laubbronnen, im Winter die in Musbach. „Der Heilige Nikolaus half Bedürftigen heimlich und selbstlos“, umschreibt Sekul den Musbacher Kapellenpatron am Tag nach seinem Fest. Das sei das, was Johannes im Sonntagsevangelium von den Leuten forderte, die sich von ihm taufen lassen wollten, fügt er hinzu. Texte und Gebete drehen sich an diesem Abend um Umkehr, Rücksicht nehmen, Gott loben - und um Hoffnung. Persönlich aufgeschriebene Fürbitten legen die Teilnehmenden in einen Krug auf dem Altar, um den sie sich dann zum Vaterunser versammeln.

Stefanie Laux liest abwechselnd mit Renate Gabriel die Texte und bereitet mit Wolfgang Sekul den Ablauf vor. Sie hole ihn immer wieder von seinen „theologischen Höhenflügen“ herunter, wie sie mit einem Augenzwinkern erzählt. An der kleinen Gemeinschaft schätzt sie vor allem die Verbundenheit untereinander. Wilfried Zorn aus Altshausen genießt die Pausen mit Musik und Stille. Seine Gedanken notiert er sich auf bereitgelegte Zettel. Die Überraschung des Abends kommt nicht vom Nikolaus, sondern von Johanna. „Gott im Himmel, Lob, Preis und Ehr - keine Kriege auf Erden mehr, dass es jedermann gut gefällt, zu leben auf dieser bunten Welt“, zitiert sie im Betlehem-Rap von Christian Rau die Weihnachtsengel. Den Teilnehmenden jedenfalls hat der bunte Gottesdienst gefallen, wie sie anschließend bei Tee und Lebkuchen immer wieder betonen.

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