A und Ω - Alpha und Omega: Der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets wurden den ganzen Gottesdienst über an die Altarwand projiziert. Damit wollte die Kirchengemeinde zeigen, was bzw. wen sie feiert: „Christus - gestern und heute; Anfang und Ende" - und eben nicht in erster Linie sich selbst. Wobei: Grund dazu hätte man ja: Man staune, „dass es hier in Westerheim nochmals anders zugeht als an anderen Orten", sagte Weihbischof Thomas Maria Renz in seiner Predigt. Wenn man sehe, wie die Kirchen vielerorts immer leerer würden und wie insgesamt der „Frühling" der Aufbruchzeit vor 50 Jahren einem eher herbstlichen Erleben der Kirche gewichen ist, sei es umso erstaunlicher, „dass Sie in Westerheim eine so lebendige Gemeinde haben", sagte Renz mit Blick auf die 45 Eintragungen in der „Liste der Gruppierungen", die sich auf der Webseite der Kirchengemeinde Christkönig in Westerheim befinden. Und hinter jedem Namen und jedem Begriff „stecken ja Menschen, und meistens nicht nur einer oder zwei". Dies zeige „die Fülle eines unglaublichen Engagements" und es gelte denen zu danken, die dies seit 50 Jahren und auch schon vorher ermöglicht und getragen haben.
Gotteslob und Gemeinschaft als A und O des Glaubens
Ein Dankgottesdienst zu Ehren Christi als A und Ω des Glaubens, zelebriert von Weihbischof Thomas Maria Renz, mit (von links) Pfarrer Karl Enderle und den früheren Pfarrern Marzell Gekle und Hermann Dörflinger, bildete den Höhepunkt des 50-Jahr-Jubiläums der Christkönigskirche in Westerheim. Foto: drs/Jerabek
Eines aber hat Bestand
Mit der Projektion des A und Ω erinnerte die Gemeinde an die Weihe der Kirche am 14. Dezember 1975, als Weihbischof Anton Herre mit seinem Bischofsstab diese Zeichen in ein Andreaskreuz zeichnete, das mit Sand auf den Boden gestreut war. „Kirche und Welt haben sich seither rasant verändert", sagte eine Sprecherin nun zu Beginn des Fest- und Dankgottesdienstes. „Eines aber hat Bestand: täglich kommen Menschen hierher, um Gott zu loben und ihr Leben an Christus auszurichten. Und das zählt!"
„Zehntausend Gründe" für Lob und Dank
Der Lobpreis für Christus, den König, Dankbarkeit und Freude - nicht nur mit Blick auf den dritten Adventssonntag: Gaudete - zogen sich denn auch wie ein roter Faden durch den Gottesdienst, bei dessen festlicher musikalischer Gestaltung sich Gemeindegesang mit der Chorgemeinschaft Eintracht Westerheim und einer Band abwechselten. Ein Höhepunkt dabei war sicher die weltweit beliebte Lobpreishymne „Zehntausend Gründe".
Apropos Band: „Vier Bands in einer Gemeinde, die gleichzeitig ein Konzert machen - wo gibt's denn sowas" fragte Weihbischof Renz zum Ende seiner Predigt, als er verschiedene Veranstaltungen im Jubiläumsjahr Revue pasieren ließ: In einem Benefizkonzert am 21. November waren alle vier Bands, die die Kirchengemeinde hervorgebracht hat, gemeinsam aufgetreten: Unter dem Motto „50 Jahre Kirche - Christkönig feiert Jesus“ brachten die Bands „Tarsus“, „Spotlight“, „Arise“ und „5alive“ ein Potpourri moderner Kirchenmusik zu Gehör. Der Erlös kam je zur Hälfte dem Verein Wezesha zur Förderung von Brunnen- und Schulprojekten in Tansania und der katholischen Jugendarbeit zugute.
Von klein auf dabei
Ein Beispiel für viele: Markus Kneer im Interview
Vielfältig war und ist Markus Kneer in der Kirchengemeinde Christkönig Westerheim engagiert: als Ministrant, Sänger, Bandleader ... Heute ist er außerdem Vorsitzender der Musikkapelle Westerheim. Anlässlich des Benefizkonzertes mit vier Bands im November stellte er sich den Fragen von Hansjörg Steidle.
Die Christkönigskirche ist in Dir tief verwurzelt: Warum?
Die Christkönigskirche ist für mich weit mehr als ein Gebäude – sie ist ein Teil meines Lebens und Glaubenswegs. Alle Sakramente, die meinen christlichen Lebensweg prägen, durfte ich hier empfangen: von der Taufe über die Beichte, Erstkommunion und Firmung bis hin zur Ehe. Jeder dieser Momente verbindet mich auf besondere Weise mit dieser Kirche und macht sie zu einem Ort, an dem meine persönliche Geschichte tief verwurzelt ist.
Du warst lange Ministrant, man sah Dich oft am Altar. Wie war das?
Besonders lebendig sind meine Erinnerungen an die Zeit als Ministrant. In diesen Jahren habe ich jeden Winkel dieser Kirche kennengelernt. Vom Kirchraum über die Sakristei bis hinunter in die hinterste Ecke des Kellers – irgendwann wusste ich genau, wo welches Licht angeht, welcher Schrank klemmt und wo sich im Notfall noch etwas Weihrauch versteckte.
Auch als Musikant und Sänger warst Du häufig in Christkönig anzutreffen?
Auch musikalisch hat mich die Christkönigskirche ein großes Stück meines Weges begleitet. Sie war Probenraum, Klangraum und Konzertraum. Mit der Kinderbibeltage-Band fing es an, später kamen Rorate-Frühschichten mit Orgel und Blockflöte dazu, Auftritte mit Spotlight und natürlich die Einsätze mit der Musikkapelle – ob an Fronleichnam, bei der Adventlichen Stunde oder zu anderen Anlässen. Viele meiner musikalischen Erlebnisse und Entwicklungen wären ohne diesen Raum nicht das geworden, was sie heute sind.
Du hast mit Deinem Team sehr viele Jugendgottesdienste organisiert?
Ja. Unvergessen bleibt auch die Zeit der Vorbereitung der Jugendgottesdienste. Die Christkönigskirche wurde zur Werkstatt, Ideenschmiede, Versuchslabor und manchmal sogar fast zur Übernachtungsstätte. Bis spät in die Nacht – und gelegentlich wirklich bis in die frühen Morgenstunden – wurde dekoriert, verkabelt, aufgebaut, getestet, wieder abgebaut und neu gedacht. Es war herzlich, kreativ und manchmal auch verrückt – und im Rückblick möchte ich keinen der Jugendgottesdienste missen.
Du kannst sicherlich mit Dankbarkeit auf Christkönig zurückblicken?
Ja, ich blicke in der Tat zum 50-jährigen Jubiläum der Christkönigskirche mit großer Dankbarkeit zurück. Sie ist ein Ort des Glaubens, des Wachsens und des Miteinanders – und ein Stück Heimat, da sie mein Leben geprägt hat. Was mich freut: dass sich unsere Gastpriester nach wie vor in Westerheim und unserer Kirche zu Hause fühlen und sie uns willkommen sind; dass wir durch sie Kontakt zur Weltkirche haben; dass wir immer noch offene Hände und Herzen für andere haben, noch immer unterstützen wir Menschen in Not in Deutschland und aller Welt; dass sich unsere Ministranten weiterhin selbst organisieren und zumindest bei Hochfesten äußerst stark vertreten sind; dass Fronleichnam weiterhin das große kirchliche Fest in unserer Gemeinde ist.
Mit der Gemeinde verbunden
Drei persönliche Worte gab Weihbischof Renz der Gemeinde mit auf den Weg: erstens „ein großes Kompliment und ein herzliches Vergelt's Gott" an alle, die sich „mit einem hohen Zeitaufwand, viel Herzblut und einer großen Begeisterung in der Kirche und für die Kirche engagieren"; zweitens „meine herzliche Bitte: Lassen Sie nicht nach! Es lohnt sich nach wie vor, dass wir den Glauben an den lebendigen Gott, der in Jesus Christus an Weihnachten Hand und Fuß bekommen hat, weitertragen"; und drittens „mein inniger Wunsch, dass wir das Heilige Jahr 2025, das zusammenfällt mit dem 50. Kirchengeburtstag in Christkönig, nicht verklingen lassen, sondern das Motto auch im nächsten Jahr weiter mit Leben füllen und Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung bleiben".
Zu den schönen kleinen Details des Jubiläumsgottesdienstes zählte, dass die ohnehin stattliche Ministrantenschar durch „Kollegen" verstärkt wurde, die vor 50 Jahren bei der Kirchenweihe dabei waren, und bei den Fürbitten eine Lektorin zum Zuge kam, die zu den ersten Brautpaaren in Christkönig gehörte. Konzelebranten der Heiligen Messe waren neben Ortspfarrer Karl Enderle auch die früheren Pfarrer Hermann Dörflinger und Marzell Gekle. Dörflinger erinnerte als damaliger Pfarrer in einem Grußwort an den großen Festtag vor 50 Jahren und an die Kirchweihliturgie, in der es heißt: „Gottes Haus ist hier und die Pforte des Himmels“. Dieser Satz habe ihn geprägt und komme ihm in Erinnerung, „immer wenn ich Gottesdienst feiern darf im Hause Gottes".
Weihwasserfläschchen zur Erinnerung
Die weiterhin bestehende Verbindung der früheren Pfarrer und heutigen Ruhestandsgeistlichen nach Westerheim, zu denen auch Pfarrer Reinhold Rampf gehört, würdigte die gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Juliane von Nathusius. Das ehrliche Dankeschön der Kirchengemeinde richtete sie auch an Pfarrer Enderle und an alle Mitwirkenden des Festgottesdienstes. Alle Mitfeiernden durften ein Weihwasserfläschchen zur Erinnerung - und zur häufigen Nutzung - mitnehmen. Die Gemeindemitglieder rief sie dazu auf, „diese Kirche weiterhin mit Leben zu füllen und unseren Glauben weiterzugeben an unsere Kinder und Kindeskinder und - das ist wichtig - ihn in unsere Gesellschaft zu tragen".

Kirche und Kommune gehören zusammen
Für politische Gemeinde Westerheim und den Gemeinderat überbrachte Bürgermeister Hartmut Walz Glück- und Segenswünsche: Kirchen wie die Christkönigskirche seien mehr als bloße Gebäude - „sie sind Herzstücke unserer Gemeinschaft", mithin „ein Stück unserer Identität", sagte Walz. Kirchen „geben uns Orientierung in Zeiten der Unsicherheit und sie geben uns Trost in Zeiten der Trauer. Sie bieten Raum für Stille, für Gebet, aber auch für Begegnungen, für Musik und das Miteinander, das uns als Gemeinde in Westerheim stark macht." Gerade in einer Zeit, „in der vieles schnelllebiger wird, in der Traditionen sich verändern und Werte hinterfragt werden, ist es von unschätzbarem Wert, Orte zu haben, die Bestand haben. Orte, die uns daran erinnern, was wirklich zählt: der Glaube, die Liebe zum Nächsten und die Verantwortung füreinander." Als Bürgermeister liege es ihm besonders am Herzen zu betonen: „Kirche und Kommune, Glaube und Gemeinwohl - sie gehören zusammen. Die Kirche ist nicht nur ein geistlicher Ort, sie ist auch ein sozialer Anker", sagte Walz.
Bewegende Geschichte zum Nachlesen und Erinnern
Vorgestellt wurde am Schluss des Jubiläumsgottesdienstes eine Schrift, die die „50 Jahre Christkönigskirche in Westerheim“ und die bewegende Geschichte der katholischen Kirchengemeinde lebendig werden lässt. Aufgezeigt wird, wie es überhaupt zum Bau des neuen Gotteshauses samt Pfarrhaus kam, wie die Kirche ihren Namen erhielt und wie sie finanziert wurde. Die vom Autor Hansjörg Steidle bescheiden „Rückblick" genannte Schrift ist eine lebendige Chronik, weil sie das vielfältige Gemeindeleben, den Werdegang zahlreicher Pfarrer und Ordensleute in und aus Westerheim sowie persönliche Erinnerungen von Bürgern an Christkönig widerspiegelt. Steidle hat nicht nur die Geschichte des Gotteshauses aufgearbeitet, sondern das Leben der Gemeinde und der Kommune als (früherer) Redakteur der Schwäbischen Zeitung auch fast 40 Jahre begleitet. Das über 100 Seiten zählende Werk mit „starker Empfehlung" der gewählten KGR-Vorsitzenden Juliane von Nathusius kann über das Pfarramt bezogen werden.







