Geschichte

Hartnäckig und selbstbewusst

Links der Blick ins innere der Kirche auf den Hochaltar, rechts sitzt der Autor am Tisch mit einem Stift in der Hanbd.

Der ehemalige Diözesanrat Hubert Schrack und die St. Josefskirche in Birkenhard - Fotos: Wolfram Krum (l.)/Gerold Schrack

Die Einwohner von Birkenhard kämpfen jahrhundertelang für ihr Josefskirchlein, für Gottesdienste und für ein Stück Unabhängigkeit.

Von der versorgten zur selbstsorgenden Kirchengemeinde - so lautete einer der pastoralen Leitsätze schon Ende des letzten Jahrhunderts. Damals war bereits absehbar, dass es immer weniger hauptamtliches Personal vor Ort geben würde. Kirche sei dort zukunftsfähig, wo sich viele am Gemeindeleben, an der Liturgie und auch an der Leitung beteiligten, hieß es ganz im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils. Für Birkenhard, heute eine Filiale der Kirchengemeinde Warthausen, galt dieser Grundsatz schon im 17. Jahrhundert. Hubert Schrack wohnt dort und vertrat das Dekanat Biberach von 1997 bis 2015 im Diözesanrat. Er erforschte nun die örtliche Geschichte.

Die Birkenharder - damals alle katholisch - hatten sich „mit festem Willen“ und „hartnäckig“ ins Zeug gelegt. „Ohne diesen Einsatz der Einwohner und der Gemeinde hätten wir heute keine Josefskirche“, ist Schrack überzeugt. Das Problem: Birkenhard war nie eine selbstständige Pfarrei und hatte somit keinen eigenen Pfarrer. Eine Kapelle ist in der mittelalterlichen Siedlung jedoch bereits im 11. Jahrhundert nachgewiesen. Die Familie Schad, die das Schloss Warthausen 1529 von den Habsburgern erhalten hatte, erweiterte die Birkenharder Kapelle von 1620 bis 1624 auf die heutige Größe. Zwei Jahrzehnte später brannte sie im 30jährigen Krieg nieder.

Wer zahlt den Wiederaufbau?

„Nun begann 1665 eine spannende Zeit“, berichtet Schrack. Sowohl von der Pfarrpflege der reformatorisch geprägten Stadt Biberach, die einst Priester für Gottesdienste nach Birkenhard entsandt hatte, als auch vom Warthausener Patronatsherrn, der Universität Freiburg, forderten die Dorfbewohner den Wiederaufbau der Kapelle. „Unser Ansuchen hat aber so viel gefruchtet, als hätten wir harte Felsen in Wachs umzuwandeln uns vermessen“, dokumentieren Briefe den Misserfolg. Doch die Birkenharder gaben nicht auf und rebellierten mit markigen Bibelzitaten. Schließlich ließ die Witwe Maria Francisca Schad die ausgebrannte Kirche 1696 wieder aufbauen.

Durch eine Stiftung bekamen die Birkenharder eine wöchentliche Heilige Messe, die der Pfarrer von Warthausen halten musste, der sie jedoch am liebsten eingestellt hätte. Die Birkenharder wussten dies zu verhindern. Durch weitere Jahrtagsmessen bekamen sie immer mehr Gottesdienste. Schließlich beantragten sie - wiederum erfolglos - einen eigenen Pfarrer. Als das Kirchlein 1817 erneut baufällig war, gehörte die Region bereits zum Königreich Württemberg. Mit Briefen an den König, Verträgen und zweckgebundenen Spenden kämpften der Bürgermeister und die Dorfbewohner für ihre Kirche und deren Eigenständigkeit, wie es Schrack detailreich beschreibt. Erst 1907 erkannte das Rottenburger Ordinariat Birkenhard dann als Filialkirchengemeinde an.

Ansporn in schwierigen Situationen

Seine Forschungen sollen „für die zukünftigen Einwohner Ansporn sein, auch in schwierigen Situationen nicht zu resignieren“, sagt Schrack. Was Hartnäckigkeit und fester Wille heute konkret bewirken, darüber möchte der 77-Jährige nicht spekulieren. Dass sich Birkenhard und die Seelsorgeeinheit Biberach-Umland durch Bedrängen der Diözese Vorteile bei der Verteilung pastoralen Personals verschaffen, ist eher unwahrscheinlich. Aber unabhängig von dieser „Versorgung“: Wenn Christ:innen und Zivilgesellschaft zusammenstehen und sich für das körperliche wie das seelische Wohl der Menschen vor Ort weiterhin gemeinsam engagieren, dann hat die Kirche in Birkenhard sicher eine Zukunft.

Hinweis

Die St. Josefskirche in Birkenhard wurde 1995/96 aufwändig renoviert und mit einem ökumenischen Gemeindefest wieder eröffnet. Hubert Schrack hat seine Nachforschungen schriftlich zusammengefasst.

Das Buch „Kirchengeschichte von Birkenhard vom 11. bis 20. Jahrhundert“ umfasst 140 Seiten und etwa 120 Fotos, darunter auch alte Urkunden und Grafiken. Es ist, solange der Vorrat reicht, für 20 Euro im Pfarrbüro Warthausen erhältlich.

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