Pastoral

Heil werden an Leib und Seele

Es ist mehr und umfassender als gesund zu sein: heil an Leib und Seele. Deshalb ist der Arzt Dr. Horst Walter Priester geworden. Foto: Schwenk

Als Arzt und Priester kennt Dr. Horst Walter die vielfältigen Dimensionen von „heil werden". Der Welttag der Kranken am 11. Februar gibt Anstöße.

Theologie war eigentlich nicht in seinem Denkspektrum. Dennoch ist er heute Pfarrer, leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Unterm Hohenrechberg. Dr. Horst Walter hatte zuvor einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Und das „Dr“ vor seinem Namen stammt aus dieser Zeit. Horst Walter ist Arzt und hat acht Jahre lang in diesem Beruf gearbeitet.

Von sich selbst sagt er, dass er ein eher entscheidungsschwacher Mensch ist. Doch als er sich entschlossen hatte, ein zweites Mal zu studieren und sich auf die Theologie einzulassen, da spürte er, dass er das Richtige für sich getan hat. „Ich bin angekommen“, war ihm bereits nach den ersten paar Wochen als Student im Wilhelmsstift in Tübingen klar.

Es ist schon ein besonderer Weg, den Horst Walter gegangen ist: Nach dem Abitur in seinem Geburtsort Walldürn im Neckar-Odenwald-Kreis und seiner Zivildienstzeit in der Altenpflege war ihm eigentlich nur klar, dass „ich etwas mit Menschen machen will“. Medizin. Ja, das konnte er sich vorstellen. Von der Zentralen Verteilungsstelle nach Gießen geschickt, absolvierte er dort sein Studium. Währenddessen erkrankte seiner Mutter schwer an Krebs. „Ich musste gemeinsam mit meiner Schwester überlegen, wie wir unsere Mutter pflegen können“, berichtet Horst Walter. Er pausierte während des Studiums für ein Jahr und war ganz für seine Mutter da. In dieser Zeit stieß er immer wieder an die Grenzsituationen des Lebens, wo er sich auch öfter fragen musste, wie denn alles weitergehen könnte. Seine Mutter verstarb mit jungen 56 Jahren. Horst Walter nahm sein Studium der Medizin wieder auf – mit der Erfahrung, dass der Medizin Grenzen gesetzt sind, die nicht beeinflussbar sind.

Vom Pilgerarzt zum Seelsorger

Als Arzt im Praktikum wechselte er nach Heidelberg, später ans Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim. Dort kam für ihn auch erstmals die Theologie ins Spiel, denn aus Walldürn stammend, wo die Wallfahrt zum Blutwunder eine große Tradition hatte, ließ ihn zum „Pilgerarzt“ werden. Bis zu fünfmal im Jahr reiste er mit Kranken nach Lourdes. „Eigentlich wollte ich mir nur mal ansehen, was die Menschen dort so faszinierend finden.“ Doch: Auch für ihn selbst tat sich in Lourdes eine andere Welt auf, eine Welt, an der Menschen an Leib und Seele „heil werden“. So drückt es Pfarrer Dr. Horst Walter immer wieder aus. Es gibt etwas, was Menschen an Körper und Seele heilen kann. Er spürt in Lourdes ein Gefühl des Aufgehobenseins, eine fast mystische Erfahrung, oder anders gesagt: „wie wenn sich ein Puzzle zusammenfügt“.

Die Lourdes-Erfahrung war für ihn überwältigend. Jedes Jahr, manchmal auch mehrfach ging und geht er dorthin. Der Gedanke ließ den praktizierenden Arzt in den Bereichen Urologie und Chirurgie nicht mehr los, tiefer in die Materie einzusteigen. Im September 2005, im Alter von 36 Jahren, nahm er das Studium der Theologie in Tübingen und Innsbruck auf. „Es hat sich von Anfang an stimmig angefühlt“, beschreibt Horst Walter.

Seine Entscheidung hat er nie bereut, wenn er auch ab und an den Arztberuf vermisst. Es überwiegt das Gefühl, etwas gefunden zu haben, das größer ist, umfassender, das Menschen ganz „heil werden“ lassen kann. Deshalb ist er Pfarrer.

Welttag der Kranken

Der Welttag der Kranken wurde 1993 von Papst Johannes Paul II. eingeführt, um das Volk Gottes, die katholischen Gesundheitseinrichtungen und die Zivilgesellschaft für die Notwendigkeit zu sensibilisieren, den Kranken und denen, die sie pflegen, Aufmerksamkeit zu schenken. Er wird jährlich am 11. Februar, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes, begangen - heuer zum 30. Mal. In diesem Jahr steht er unter dem Motto: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lk 6,36) Steht denen bei, die auf einem Weg der Nächstenliebe leiden."

Papst Franziskus ruft in seiner Botschaft zum Welttag der Kranken zu beständiger menschlicher Nähe mit Patientinnen und Patienten auf und dankt dem Gesundheitspersonal für seine Arbeit. „Patienten sind immer wichtiger als ihre Krankheiten", schreibt der Papst, daher könne keine Therapie „davon absehen, dem Patienten zuzuhören, seiner Geschichte, seinen Ängsten und Sorgen". Auch dann, wenn es nicht möglich sei zu heilen, „ist es immer möglich zu pflegen, es ist immer möglich zu trösten, es ist immer möglich, den Patienten eine Nähe spüren zu lassen, die das Interesse an der Person noch vor ihrer Pathologie zeigt".

Ein besonderes Augenmerk richtet der Papst auch auf die Krankenpastoral: „Wenn die schlimmste Benachteiligung der Armen - und die Kranken sind arm an Gesundheit - der Mangel an geistlicher Zuwendung ist, können wir nicht umhin, ihnen die Nähe Gottes, seinen Segen, sein Wort, die Feier der Sakramente und das Angebot eines Weges
des Wachstums und der Reifung im Glauben anzubieten", schreibt Franziskus und erinnert daran, „dass die Nähe zu den Kranken und ihre seelsorgerische Betreuung nicht nur die Aufgabe einiger besonders beauftragter Seelsorger ist; der Krankenbesuch ist eine Aufforderung Christi an alle seine Jünger. Wie viele kranke und alte Menschen leben zu Hause und warten auf Besuch! Der Dienst des Trostes ist die Aufgabe eines jeden Getauften, eingedenk der Worte Jesu: »Ich war krank und ihr habt mich besucht« (Mt 25,36)."