Alles raus - das war das Motto vieler Kirchenrenovierungen ab den 1960er Jahren. Vor allem die Altäre, Kanzeln und Chorstühle aus der Zeit des Historismus waren aus der Mode gekommen. Dieser Stil um 1900 herum imitierte und interpretierte die Romanik, die Gotik und den Barock neu. Auch die Einrichtung der Ravensburger Liebfrauenkirche fiel dem Zeitgeschmack zum Opfer. Darunter sechs Figuren, die außen in den Nischen der neugotischen Säulen an der Westfassade standen. Und wohin damit? "Ich habe die unten im Keller des ehemaligen Kaplaneihauses in der Herrenstraße 1 unter einer Plane gefunden", berichtet Pfarrer Harald Kiebler.
Seit Freitag blicken die sechs Heiligen wieder auf die Menschen, die vom Frauentor Richtung Kirchstraße oder umgekehrt vorbeigehen. Restaurator Patrick Jürgens aus Sigmarszell und der Weitnauer Steinmetzmeister Daniel Kortmann hatten die Figuren gereinigt und konserviert, bevor sie sie auf den Sockeln befestigten. Letztere stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts. Damals versuchte der bekannte Architekt Joseph Cades den Westgiebel der ursprünglichen gotischen Kirche wieder sichtbar zu machen - so, wie er heute zu sehen ist. Durch die einseitige Erweiterung um ein zweites Seitenschiff gen Süden im Jahr 1470 wirkte das in diese Richtung verlängerte Dach bis dahin recht unförmig.






