Seelsorge

Heilsames Innehalten im modernen Krankenhausalltag

Pfarrer Roland Rossnagel segnet den Kapellen-Raum im SLK-Klinikum am Gesundbrunnen.

Pfarrer Roland Rossnagel segnet den Kapellen-Raum im SLK-Klinikum am Gesundbrunnen. Foto: DRS/Guzy

Zum Seelsorgeteam des Klinikums am Gesundbrunnen gehören der katholische Pastoralreferent Edmund Zwaygardt und die katholische Pastoralreferentin Dr. Mirjana Juranovic, die evangelische Pfarrerin Claudia Hertler, Sultan-Serap Dürek (ehrenamtliche islamische Seelsorgerin), der evangelische Pfarrer Siegfried Fischer und Abdulhamid Andreas Tittus (islamische Klinikseelsorge).

Zum Seelsorgeteam des Klinikums am Gesundbrunnen gehören der katholische Pastoralreferent Edmund Zwaygardt und die katholische Pastoralreferentin Dr. Mirjana Juranovic, die evangelische Pfarrerin Claudia Hertler, Sultan-Serap Dürek (ehrenamtliche islamische Seelsorgerin), der evangelische Pfarrer Siegfried Fischer und Abdulhamid Andreas Tittus (islamische Klinikseelsorge). Foto: SLK-Kliniken Heilbronn GmbH

Das SLK-Klinikum am Gesundbrunnen hat ein neues Seelsorgezentrum. Die Eröffnungsveranstaltung beleuchtet das Verhältnis von Spiritualität und Medizin.

Ein Krankenhausaufenthalt ist für die Patientinnen und Patienten eine Ausnahmesituation. Neben der medizinischen Versorgung braucht es daher manchmal eine zusätzliche Art der Zuwendung. Die Krankenhausseelsorge eröffnet Verständnis, Trost und Ruhe. Der Neubau des Heilbronner SLK-Klinikums am Gesundbrunnen hebt den Stellenwert dieser nichtmedizinischen Begleitung durch ein neues Seelsorgezentrum hervor.

Dieses soll ein „heilsamer Ort“ sein, der die Genesung der Patientinnen und Patienten „auf seelische Art unterstützt“, sagte Dr. Mirjana Juranović vom Team der Klinikseelsorge bei der Eröffnung der Räumlichkeiten. Das neue Seelsorgezentrum findet sich in der Nähe des Haupteingangs der Klinik. Es umfasst neben einer christlichen Kapelle und einem islamischen Gebetsraum (Mescid) insgesamt fünf Büros sowie einen Rückzugs- und Besprechungsraum. Damit ist die SLK-Klinikseelsorge – anders als im Altbau – nun in einem gemeinsamen Bereich verortet, was die Zusammenarbeit stärken soll.

Im Schnittpunkt von Veränderungen

Bevor die Gäste der Eröffnungsveranstaltung das Seelsorgezentrum besichtigen konnten, verfolgten sie nach einer musikalischen Einleitung durch ein Holzbläserensemble um den Direktor der Augenklinik, Professor Lutz Hesse, mit großem Interesse den Vortrag von Traugott Roser. Der evangelische Pfarrer ist Professor für Praktische Theologie an der Universität Münster. Unter dem Titel „Klinikseelsorge - ein Modell mit Zukunftspotential in einer sich ändernden Gesellschaft“ erklärte Roser, wie Klinikseelsorge angesichts der Veränderungen im Gesundheitswesen und einer sich zunehmend säkularisierenden Gesellschaft sichtbar bleiben kann.

Er plädierte für eine Weiterentwicklung im Sinne eines umfassenden „Spiritual-Care-Ansatzes“. Seelsorge biete menschliche Zuwendung und helfe, mit der Vulnerabilität des Menschseins umzugehen, wie Roser sagte. Seelsorge sei „nicht nur etwas Nettes“, sondern gehört laut seinen Ausführungen zum Gesundheitsbereich dazu.

Würdigung des Seelsorgebeitrags

Den Stellenwert betonte ebenso SLK-Geschäftsführer Georg Schmidt: „Medizin und Pflege können nicht alles.“ Schmidt sprach von einem Raum zwischen Wissen und Ungewissheit.

Christoph Baisch, Dekan im evangelischen Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim, bezeichnete das Seelsorgezentrum als einen Ort, wo „die Seele umsorgt wird und die Sorgen der Seele Raum finden“. „Wir eröffnen mehr als nur einen Raum“, sagte Abdulhamid Andreas Tittus von der islamischen Klinikseelsorge. Michaela Arnold-Zethmeyer erklärte aus ihrer Sicht als Krankenpflegerin, warum es die Klinikseelsorge braucht: Diese trage dazu bei, die Patientinnen und Patienten als Mitmenschen zu sehen und stärke das Personal.

Raum mit einladender Atmosphäre

Nach diesen Grußworten konnten die Gäste sich selbst einen Eindruck vom neuen Seelsorgezentrum verschaffen. In der Kapelle spielte Lukas Degler ein Stück auf der von ihm überholten und umgestalteten Orgel. Der katholische Pfarrer und Dekan Roland Rossnagel sprach Segensworte. Hannes Arnold und Klaus-Dieter Eichler erläuterten ihre künstlerische Arbeit. Sie wollten einen Raum schaffen, der bewusst anders als die restlichen Krankenhauszimmer ist und die Menschen aus der Ausnahmesituation eines Klinikaufenthalts herausholt, wie Eichler ausführte.

Die Besucherinnen und Besucher waren vor allem von der Leuchtkraft der farbigen Elemente beeindruckt. Das Blau der konkaven Altar­rück­wand, dem das verwendete Material – gespaltene OSB-Platten – Struktur und Helligkeitsnuancen verleiht, und das Gelb des hinter­leuch­teten Nischenfensters aus Überfanggläsern bestimmen die entrückt-ruhige und einladende Atmosphäre des Kapellenraums.

Vielfältiges Team

Ein Zimmer weiter im Gang des Seelsorgezentrums gibt es außerdem einen islamischen Gebetsraum. Dieser wurde den Gästen mit einem islamischen Gebet vorgestellt.

Die Klinikseelsorge der SLK-Kliniken steht allen Menschen offen – unabhängig von Religion, Herkunft oder Weltanschauung. Insgesamt arbeiten laut dem kommunalen SLK-Verbund am Heilbronner Krankenhausstandort derzeit zwei evangelische und zwei katholische Klinikseelsorger und -seelsorgerinnen, die für diesen Dienst von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg beziehungsweise von der Diözese Rottenburg-Stuttgart abgeordnet sind. Zudem unterstützen rund 15 Ehrenamtliche im Patientenbesuchsdienst das Team. Die islamische Seelsorge besteht aus einem Seelsorger und mehreren Ehrenamtlichen.