Ein Krankenhausaufenthalt ist für die Patientinnen und Patienten eine Ausnahmesituation. Neben der medizinischen Versorgung braucht es daher manchmal eine zusätzliche Art der Zuwendung. Die Krankenhausseelsorge eröffnet Verständnis, Trost und Ruhe. Der Neubau des Heilbronner SLK-Klinikums am Gesundbrunnen hebt den Stellenwert dieser nichtmedizinischen Begleitung durch ein neues Seelsorgezentrum hervor.
Dieses soll ein „heilsamer Ort“ sein, der die Genesung der Patientinnen und Patienten „auf seelische Art unterstützt“, sagte Dr. Mirjana Juranović vom Team der Klinikseelsorge bei der Eröffnung der Räumlichkeiten. Das neue Seelsorgezentrum findet sich in der Nähe des Haupteingangs der Klinik. Es umfasst neben einer christlichen Kapelle und einem islamischen Gebetsraum (Mescid) insgesamt fünf Büros sowie einen Rückzugs- und Besprechungsraum. Damit ist die SLK-Klinikseelsorge – anders als im Altbau – nun in einem gemeinsamen Bereich verortet, was die Zusammenarbeit stärken soll.
Im Schnittpunkt von Veränderungen
Bevor die Gäste der Eröffnungsveranstaltung das Seelsorgezentrum besichtigen konnten, verfolgten sie nach einer musikalischen Einleitung durch ein Holzbläserensemble um den Direktor der Augenklinik, Professor Lutz Hesse, mit großem Interesse den Vortrag von Traugott Roser. Der evangelische Pfarrer ist Professor für Praktische Theologie an der Universität Münster. Unter dem Titel „Klinikseelsorge - ein Modell mit Zukunftspotential in einer sich ändernden Gesellschaft“ erklärte Roser, wie Klinikseelsorge angesichts der Veränderungen im Gesundheitswesen und einer sich zunehmend säkularisierenden Gesellschaft sichtbar bleiben kann.
Er plädierte für eine Weiterentwicklung im Sinne eines umfassenden „Spiritual-Care-Ansatzes“. Seelsorge biete menschliche Zuwendung und helfe, mit der Vulnerabilität des Menschseins umzugehen, wie Roser sagte. Seelsorge sei „nicht nur etwas Nettes“, sondern gehört laut seinen Ausführungen zum Gesundheitsbereich dazu.
Würdigung des Seelsorgebeitrags
Den Stellenwert betonte ebenso SLK-Geschäftsführer Georg Schmidt: „Medizin und Pflege können nicht alles.“ Schmidt sprach von einem Raum zwischen Wissen und Ungewissheit.
Christoph Baisch, Dekan im evangelischen Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim, bezeichnete das Seelsorgezentrum als einen Ort, wo „die Seele umsorgt wird und die Sorgen der Seele Raum finden“. „Wir eröffnen mehr als nur einen Raum“, sagte Abdulhamid Andreas Tittus von der islamischen Klinikseelsorge. Michaela Arnold-Zethmeyer erklärte aus ihrer Sicht als Krankenpflegerin, warum es die Klinikseelsorge braucht: Diese trage dazu bei, die Patientinnen und Patienten als Mitmenschen zu sehen und stärke das Personal.




