Die Deutschordenspfarrei Sankt Peter und Paul feiert mit dem Festjahr „800 Jahre Deutscher Orden in Heilbronn“ ihre historischen Wurzeln. Doch wie reichen diese in die Geschichte des Deutschen Ordens? Und wie wirkt sich das bis heute aus? Die Ausstellung „Lebendiger Orden mit großer Tradition – die Geschichte des Deutschen Ordens 1190 bis heute“ in der Volkshochschule (VHS) Heilbronn gibt Antworten.
Auf 29 Tafeln entfaltet die Wanderausstellung des Deutschordensmuseums im Residenzschloss Mergentheim die Historie des Deutschen Ordens von den Anfängen als Hospitalgemeinschaft im Jahr 1190 im Heiligen Land bis in die Gegenwart. Zwei zusätzliche Tafeln erklären speziell die Heilbronner Deutschordensgeschichte. Zu dieser sind außerdem zwei barocke Kelche in einer Vitrine zu sehen. Einen davon benutze er an Hochfesten, sagte Roland Rossnagel, Pfarrer der Deutschordenspfarrei. Bei der Eröffnung der Ausstellung am 6. Februar, dem Gründungstag des Deutschen Ordens, erklärte er, wie der Geist des Ordens die Gemeinde bis heute prägt. „Ich bin froh, dass die Deutschordenspfarrei sich in Nachfolge des Deutschen Ordens sozial engagiert“, sagte Rossnagel. Er nannte das kirchliche Engagement im Kindergartenbereich, die 485 Besuche der Elisabethenfrauen bei älteren Gemeindemitgliedern im vergangenen Jahr und das Essen für Obdachlose.
Verborgene Bezüge zum Deutschen Orden
Dass der Deutsche Orden bis heute existiert, sich sozial-karitativ engagiert und seinen Sitz in Wien hat, merkte Maike Trentin-Meyer an. Die Konservatorin für die Staatlichen Schlösser und Gärten in der Region Hohenlohe zählte auf, wo sich überall Bezüge zum Deutschen Orden verbergen. So geht zum Beispiel die Bezeichnung des Deutschen Ecks in Koblenz auf diesen zurück. Das Wissen über viele der Bezüge sei heute allerdings verloren gegangen. Trentin-Meyer ist als Konservatorin auch für das Residenzschloss Mergentheim zuständig, das von 1527 bis 1809 Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens war. Sie fasste für die Besucherinnen und Besucher die wichtigsten Ereignisse der Ordensgeschichte zusammen.
Neben allgemeinen Daten wie der Reformation als „größter Ordenskrise“ oder der Aufhebung des Ordens in den Rheinbundstaaten durch Napoleon 1809 blickte sie dabei auf die Geschichte der Kommende Heilbronn, also der Heilbronner Niederlassung des Deutschen Ordens. Als deren Gründungsjahr gilt 1225, wobei die Anfänge der Kommende nicht klar zu ermitteln seien, wie Trentin-Meyer sagte.
Was aus der Kommende wurde
Sie zog die Linie bis in die Gegenwart: Nachdem der Deutsche Orden seine Besitzungen Anfang des 19. Jahrhunderts verloren hatte, wurde die Ordenskirche 1806 katholische Stadtpfarrkirche, die Kommende wurde zunächst als Kaserne genutzt. Später war sie Gerichtssitz, und sogar eine Synagoge fand sich einmal dort. Heute ist der Deutschhof, der frühere Kommende-Komplex, Sitz verschiedener städtischer Einrichtungen wie der VHS.
Die belegt unter anderem das Staffelgiebelhaus. Im Gewölbekeller unter dem Gebäude fand die von Kirchenmusiker Michael Saum mitgestaltete Ausstellungseröffnung statt. VHS-Geschäftsführer Peter Hawighorst wies zu Beginn der Veranstaltung auf die „wechselvolle Geschichte" hin. Er erwähnte die Zerstörungen während der Bombardierung am 4. Dezember 1944. Hawighorst ließ das Kellergewölbe auf die Besucherinnen und Besucher wirken. Es sei einer der wenigen Orte im Deutschhof, „der noch die originale Anmutung des Mittelalters bereithalte“.
Die VHS beteiligt sich am Programm des Festjahrs „800 Jahre Deutscher Orden in Heilbronn“, das Gottesdienste, Vorträge und Besichtigungen umfasst. „Es ist aus unserer Sicht ein sehr wichtiges Jubiläum“, sagte der VHS-Geschäftsführer. Er sah beispielsweise im Bildungsengagement Parallelen zwischen dem Deutschen Orden und der VHS.






