Ukraine

Hoffnung geben im Gebet

Pfarrer i.R. Franz Pitzal, Dr. Wolf-Gero Reichert, Hauptabteilung Weltkirche, Bischof Stanislav Shyrokoradiuk, Bischof von Odesa-Simferopol, Sylvia Frank, Hauptabteilung Weltkirche, Olena Noha, Leiterin der Projektabteilung von Caritas-Spes Ukraine Kiew, und Bischof Pavlo Goncharuk, Bischof von Kharkiv-Sapirizhzhja.(v.l.) Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Sylvia Hank

Bischöfe aus Odesa und Charkiw zu Gast bei der Hauptabteilung Weltkirche.

Es sind nur 38 Sekunden: So lange braucht eine Rakete, um aus dem rund 30 Kilometer entfernten Russland ins ukrainischen Charkiw zu gelangen. „Die Menschen an der Frontlinie sind es schon fast gewohnt, dass dauernd geschossen wird“, berichtet Bischof Pavlo Gonczaruk aus Charkiw-Saporischschja von der Situation in der Ukraine. Die psychischen Folgen seien dennoch spürbar. Gemeinsam mit Bischof Stanislav Shyrokoradiuk aus Odesa-Simferopol und Olena Noha, Leiterin der Projektabteilung von Caritas-Spes Ukraine Kiew, war er am Donnerstag zu Gast in der Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart und berichtete von der Situation in seinem Heimatland.

„Wir sind auch gekommen, um zu danken“, so Bischof Shyrokoradiuk: Direkt nach Beginn des russischen Angriffskrieges habe die Hauptabteilung Weltkirche den Kontakt gesucht, gefragt, was nötig ist und was gebraucht wird. „Ihre christliche Solidarität ist sehr wichtig für uns“, so der Bischof. „Wir haben das Gefühl, nicht allein zu sein.“ Darin sieht er auch die herausragende Aufgabe von Kirche: Hoffnung geben und Menschen im Gebet zu stärken. In seiner Diözese seien Priester in den umkämpften Gebieten geblieben, um bei den Menschen zu sein. Ein Weihbischof sei nach wie vor auf der Krim, an der Seite der Menschen. „Und das ist sehr wichtig“, so Bischof Shyrokoradiuk.

Rückkehr nach Charkiw

Kirche habe aber auch die Aufgabe, Wahrheit zu verkünden: Die Ukraine habe die Unabhängigkeit und die europäische Integration gewählt – der Krieg Putins sei ein ideologischer Krieg, um eine neue Sowjetunion zu bauen. Bischof Shyrokoradiuk: „Uns kostet das einen sehr hohen Preis.“

Olena Noha, Leiterin der Projektabteilung von Caritas-Spes Ukraine Kiew, berichtet von der Situation für Kinder und Jugendliche: „In der Ost-Ukraine können Kinder zum Teil schon seit über drei Jahren nicht mehr unterrichtet werden.“ Unterricht finde höchstens online statt – und auch nur, wenn das Internet funktioniere.

Nach Charkiw seien inzwischen über eine Million Menschen wieder zurückgekehrt. „Sie wollen aufbauen, sie wollen nach Hause“, so Bischof Pavlo Gonczaruk. Um die lokale Wirtschaft zu stützen und dennoch die Menschen mit dringend gebrauchten Lebensmitteln zu versorgen, werden nun Gutscheine (Voucher) ausgegeben, mit denen in Geschäften am Ort eingekauft werden kann. Nur in abgelegenen, ländlichen Siedlungen gibt es direkt vorbereitete Tüten mit Lebensmitteln.

Ungewisse Zukunft

Die Gäste der Hauptabteilung Weltkirche berichten auch vom erschütternden Alltag im Krieg, gerade für die Kinder, von psychischer Belastung der Menschen und vom gleichzeitigen Willen, ihr Zuhause nicht aufzugeben. „Wir stehen hilflos vor der Situation – dass wir durch Sie helfen können, ist auch ein Zeugnis unseres Glaubens“, so Dr. Wolf-Gero Reichert, geschäftsführender Referent der Hauptabteilung Weltkirche.

Der bevorstehende Winter wird wieder eine Herausforderung sein: „Wir wissen nicht, was diesen Winter auf uns wartet“, so Olena Noha von Caritas-Spes. Ganz handfest würden Winterschuhe und Medikamente benötigt, so Bischof Pavlo Gonczaruk. Viele Flüchtlinge seien in seiner Diözese, die alles verloren haben. Für Bischof Shyrokoradiuk bleibt die Hoffnung auf Frieden – nach wie vor. Dass so viele Menschen in Deutschland Solidarität zeigen, im Gebet und in Taten, sei berührend: „Wir sind sehr dankbar für diese Gebete, für die Solidarität und für die Hilfe.“

Die in Deutschland übliche Schreibweise „Odessa“ lehnt sich an die russische Benennung an. Auf Ukrainisch lautet der Name übertragen „Odesa“.

Krieg in der Ukraine

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