Umwelt

Ideen für den Wald der Zukunft

Spitalwald Bad Mergentheim

Hariolf Scherer kontrolliert das Wachstum einer jungen Douglasie. Foto: DRS/Guzy

Spitalwald Bad Mergentheim

Einen Tag vor Weihnachten ist eine mächtige, wohl 300 Jahre alte Eiche knapp neben dem Marterl umgestürzt. Ein Wurzelpilz war laut Hariolf Scherer schuld. Foto: DRS/Guzy

Der zweitgrößte kirchliche Forst in Baden-Württemberg findet sich im Norden der Diözese. Dort lässt sich nicht nur der klimagerechte Umbau verfolgen.

Die Sonnenstrahlen dringen durch das noch kahle Astwerk der Laubbäume. Der Forst hat sein Frühlingsgewand noch nicht vollständig übergestreift. Hariolf Scherer hält sein geländegängiges Fahrzeug auf einem der Waldwege an und deutet durch das Glasdach auf die Krone einer Fichte. Sie ist normal grün. Am Stamm – Scherer lenkt die Aufmerksamkeit auf den unteren Bereich – ist allerdings bereits Rinde abgeblättert. Ein eindeutiges Indiz: Hier war der Borkenkäfer am Werk. Die Fichtenbestände im Hospitalwald haben schlechte Aussichten. Die katholische Kirchengemeinde St. Johannes Bad Mergentheim arbeitet daran, dass der Wald dennoch eine Zukunft hat.

Die Trockenheit der vergangenen Jahre setzte den Abwehrmechanismus der Fichten außer Gefecht. „Sie können nicht genug Harz produzieren“, erklärt Scherer. Er ist Jagdpächter im Hospitalwald sowie Kirchengemeinderat von St. Johannes Bad Mergentheim und Mitglied im dortigen Verwaltungsausschuss. Die Kirchengemeinde ist Trägerin einer Stiftung, zu der wiederum der rund 130 Hektar große Wald nordwestlich des Bad Mergentheimer Stadtteils Althausen gehört. Scherer kennt jede Ecke des Waldes. Er sei dort jeden Tag draußen. Auf einer Tour zeigt er Beispiele für das ökologische Engagement der Kirche.

Flächen, auf denen Fichten gefällt werden mussten, wurden und werden neu bepflanzt. Einige davon sind als Versuchsflächen angelegt. Stopp an einem der aufgeforsteten Bereiche: Scherer führt zu Bäumchen, die mit einem Kunststoffgitter ummantelt sind. Die Hülle soll die jungen Pflanzungen vor Verbiss schützen. Scherer tritt an eines der Bäumchen heran. „Das ist eine Baumhasel“, sagt er. Die Baumart war ursprünglich zum Beispiel auf dem Balkan heimisch. Mit den jungen Bäumen wächst daher die Erwartung, dass sie mit der Trockenheit besser zurechtkommen.

Alte Buchen sind ökologisch wertvoll

Die Douglasie ist eine andere Baumart, die den Wald robuster gegen den Klimawandel machen soll. Denn der Hitzestress der vergangenen Jahre war so extrem, dass er teilweise selbst der Buche zusetzen konnte. So musste ein altehrwürdiges Exemplar bereits gefällt werden. Die Buche ist Hauptbaumart im Spitalwald. „Es gibt alte Buchenbestände mit 110 bis 130 Jahre alten Exemplaren", ist nach dem Waldbesuch bei einem Telefonat mit Hans-Peter Scheifele zu erfahren. Scheifele arbeitet im Forstamt am Landratsamt Main-Tauber-Kreis und ist der für den Spitalwald zuständige Revierförster. Er kümmert sich um die Bewirtschaftung des Waldes.

„Die alten Buchen haben einen hohen Biotopwert“, sagt Scheifele. Mit ihren Hohlräumen bieten sie Tieren einen Lebensraum, wie er ausführt. Mehrere kleine Stücke des Forstes sind aus der Bewirtschaftung, die laut Scheifele nach den Kriterien des PEFC-Zertifizierungssystems erfolge, herausgenommen. Totholz werde auf diesen Inselflächen stehen und liegen gelassen. Es kann dadurch seine ökologisch wichtige Funktion ausspielen, beispielsweise als Lebensraum für Insekten.

Vögel finden im Winter spezielle Futterplätze

An verschiedenen Stellen im Spitalwald sind nach Absprache mit dem Revierförster sogenannte Himmelsteiche ausgehoben worden. Die Mulden fangen Regenwasser auf, das gerade in den sommerlichen Hitzeperioden so wertvoll für die Natur ist. „Die Tiere und die Bäume haben was davon“, sagt Scherer an einem der Teiche. Er zählt Wildschweine, Dachse, Rehe, Waldvögel und Libellen als Beispiele für die Arten auf, die sich an den Wasserstellen einfinden. Sollten diese austrocknen, können sie mit einem eigens angeschafften Wasserfass befüllt werden.

Scherer hat die Idee der Himmelsteiche auch in das kommunale Ratsgremium eingebracht. Die Stadt wolle sie nun ebenso in ihren Wäldern umsetzen, berichtet er.

Für Vögel sind außerdem Futterstellen eingerichtet. Es handelt sich um fast hüfthohe Holzkonstruktionen, die ein Welldach über dem Waldboden tragen. Auf den so vor Regen geschützten Plätzen verteilt Scherer in den Wintermonaten eimerweise Getreidereste. Daher nutzt er auch die Tour, um Futter in den Wald zu transportieren. Nachdem Scherer an einem der Futterplätze einen Eimer mit Getreide ausgeschüttet hat, führt er noch zu einer Salzleckstelle, die nur wenige Meter entfernt ist. Reh, Wildschwein und Feldhase hätten sie besucht, deutet Scherer die Spuren, die er entdeckt.

Schüler:innen erforschen den Wald

Zurück im Auto, steuert Scherer den Geländewagen noch zu einer alten Jagdhütte. Sie soll umgebaut werden, damit kirchliche Gruppen und Gremien sie für ihre Bildungsarbeit im Wald verstärkt nachfragen können. Waldpädagogik bildet auch einen Schwerpunkt von Forstamtsmitarbeiter Scheifele. Über den Verein Sprungbrett hat Scheifele Menschen mit Beeinträchtigung zu Gast im Wald. Dabei gehe es um Naturerleben und Sinneserfahrungen, sagt er. Die Oberstufe des Deutschorden-Gymnasiums Bad Mergentheim dagegen kann in einem speziell reservierten Bereich die Entwicklung des Waldes erforschen und die Zusammenhänge in diesem Ökosystem lernen.

Für Revierförster Scheifele ist die Verantwortung für den Spitalwald, dem seinen Angaben nach zweitgrößten kirchlichen Forst in Baden-Württemberg, und die Zusammenarbeit mit den Gremien der Kirchengemeinde etwas Besonderes, wie er am Telefon sagt. Denn es gehe dabei nie um eine rein wirtschaftliche Ausrichtung, nicht die Gewinnmaximierung stehe im Vordergrund. Scheifele erklärt: „Das erleichtert für mich als Förster die Arbeit und gibt mir Rückendeckung.“

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