Diakon

Im Dienst für Gott und die Menschen

Frank Straub wird am 12. März im Rottenburger Dom St. Martin zum Diakon geweiht. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart/Jochen Wiedemann

Am 12. März wird Frank Straub aus Stuttgart zum Diakon geweiht. Im Interview spricht er über Herkunft, Berufung und seine Aufgaben als Seelsorger.

ACHTUNG: Die für Samstag, 12. März, geplante Diakonweihe von Frank Straub im Dom St. Martin in Rottenburg wurde kurzfristig wegen einer Corona-Infektion des Weihekandidaten abgesagt und wird zeitnah in kleinerem Rahmen nachgeholt.

 

Am Samstag Diakonweihe, ein Jahr später wird Frank Straub sich als Priester in den Dienst der Katholischen Kirche stellen. Der 41-Jährige tut dies in sehr kritischen Zeiten für die Kirche. Doch er will den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern gerade jetzt, wo es schwierig ist, Gottes Wort verkünden. Im Interview berichtet Straub, wie er nach einem Leben als Wirtschaftsinformatiker in der Schweiz seine Berufung entdeckte, warum er als Kind und Jugendlicher gar nicht so katholisch war und was ihm als Seelsorger besonders wichtig ist.

Herr Straub, sind Sie ein echter Stuttgarter?

Definitiv. Ich bin in Stuttgart-Heslach aufgewachsen und bekennender Anhänger der Kickers aus Degerloch, bei denen ich selbst alle Jugendmannschaften durchlaufen habe. Ich mag die Stadt sehr. Die Stäffele liegen mir besonders am Herzen. Und auf der Halbhöhenlage spazieren zu gehen mit dem tollen Blick auf die Landeshauptstadt, hat für mich etwas sehr Romantisches.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre Familie und über Ihren Werdegang, bevor Sie Ihre Berufung verspürt haben?

Meine Familie lebt schon seit Generationen in Stuttgart und mittlerweile auch im Umland. Wir haben eigentlich immer was zum Feiern gehabt: Geburtstage, Taufe, Hochzeiten oder einfach so. Ich kann wirklich stolz sein auf eine stabile Familie, die sich trotz einiger sehr trauriger Momente viel an Lebensfreude und Großzügigkeit bewahrt hat.

Nach dem Abitur bin ich erst einmal zur Bundeswehr, danach habe ich drei Jahre Wirtschaftsinformatik studiert und dann bei der Justiz Baden-Württemberg, zuletzt beim Oberlandesgericht in Stuttgart gearbeitet. Insgesamt war ich von 2000 bis 2014 als Wirtschaftsinformatiker tätig, habe v.a. programmiert, Datenbanken migriert und Schulungen gegeben. Im Jahr 2013 bin ich in die Schweiz gezogen und habe dort gearbeitet.

Eigentlich dachte ich, in der Schweiz mit meiner damaligen Freundin eine eigene Familie zu gründen. Doch dann ging die Beziehung auseinander. Erst danach habe ich mir die Frage der Berufung zum Priester gestellt. Ehemann und Familienvater zu werden, wäre damals für mich das Natürlichste und zugleich Faszinierendste der Welt gewesen.

Dazu ist es aber nicht gekommen. Daraufhin habe ich mich neun Monate lang - der Dauer einer Schwangerschaft - geprüft, bis die Erkenntnis schließlich geboren war: Gott ruft mich.

Waren Sie schon immer sehr gläubig?

Als Familie haben wir den katholischen Glauben nur wenig gelebt, aber ihn nie offen abgelehnt. Papst Johanns Paul II. z.B. genoss großen Respekt bei uns. Meine Religion war allerdings eher der Fußball. Meine Oma und meine Großtante haben mit uns Kindern gebetet. Letztere war jahrzehntelang Haushälterin beim damaligen Stadtdekan Monsignore Erich Sommer.

So habe ich erst in meinen 20ern langsam zum lebendigen Glauben an Jesus Christus gefunden. Meine ersten Fragen bezogen sich auf den Sinn des Lebens und meine Identität: Wo komme ich her, wohin gehe ich? Welche Nationalität, Berufe und Religion hatten meine Vorfahren? Und was heißt es überhaupt, „katholisch“ zu sein? Da wurde der Glaube an Gott für mich immer mehr zum entscheidenden Faktor meines Lebens.

Wie kann man sich diesen Prozess der Berufung vorstellen? Wie haben Sie die Berufung gespürt, Herr Straub?

Ich hatte ein richtig gutes Leben in der Schweiz und war trotz der Trennung eigentlich sehr zufrieden. Aber eben darum, weil es mir eigentlich gut ging, habe ich eine Aufbruchstimmung erlebt, eine gewisse Abenteuerlust, Furchtlosigkeit und Entschlussfreudigkeit beim Gedanken daran, Jesus als Priester nachzufolgen. Ich spürte eine übernatürliche Freude, Kraft und zugleich Trost, dieses gute, alte Leben hinter mir zu lassen und dieses Abenteuer zu wagen, obwohl mir natürlich klar war, dass ich mich ja auch irren könnte.

In dieser Situation war für mich der Ruf Gottes in mehreren Momenten deutlich zu vernehmen, beispielsweise in der Heiligen Messe.

Es war aber ein Werben und kein Zwang; ich hatte immer die Freiheit gespürt, nein sagen zu können. Und irgendwann hatte ich die große Lust, dass jetzt wirklich zu tun, Priester zu werden, mich in den Dienst nehmen zu lassen für Gott und die Menschen, sein Wort, seine Liebe und seinen Frieden zu verkünden.

Wie haben Familie und Freunde reagiert, als Sie ihnen erzählt haben, dass Sie Priester werden möchten?

Mein Vater hätte sich von mir wohl eher Enkel gewünscht, mit denen er so gerne zum Fußball hätte fahren können. Mein Umfeld hält mich für einen Familienmenschen und hatte meinen Glauben bis dahin eher als ein „Hobby“ verstanden. Zum Teil haben sie meine Entscheidung einfach zur Kenntnis genommen und nichts dagegen gesagt; es gab aber auch Stimmen, die mir dazu geraten haben, mir das nochmal gründlich zu überlegen. Das habe ich getan, aber die Entscheidung blieb.

Am Samstag werden Sie zum Diakon geweiht. Was ist Ihnen als Seelsorger besonders wichtig?

Ich habe gemerkt, wie sehr sich die Menschen nach Heilung und Heil sehnen, nach gelingenden Beziehungen in allen Lebensbereichen, sei es in der Partnerschaft, Ehe, Familie, im Freundeskreis oder im Beruf. Aber das Leben stellt den Menschen auch immer wieder vor die Frage: Wie gehe ich mit Brüchen, mit unerfüllten Sehnsüchten um? In all diesen schwierigen Situationen möchte ich den Menschen beistehen und Gott verkünden, denn nur er schenkt wirklichen Frieden, Trost und Heilung.

Ich freue mich auf diese Aufgabe als Diener für Gott und die Menschen, wenn ich ihnen dabei helfen kann, Christus zu erfahren, eine lebendige Beziehung zu ihm aufzubauen, zu vertiefen und im Alltag fruchtbar zu machen. Eine tiefe Gottesbeziehung trägt durch alle Herausforderungen des Lebens.

Nun entscheiden Sie sich für den Dienst in der Kirche, während diese in einer tiefen Krise bzw. vielleicht auch vor einem großen Umbruch steht. Wie gehen Sie mit der derzeitigen Situation um?

Auch zu anderen Zeiten in der Kirchengeschichte gab es ein herausforderndes gesellschaftliches Umfeld. Mir ist überhaupt nicht nach Jammern. Meine Herausforderung ist es halt nun, in eben genau dieser Zeit Priester zu werden und das Reich Gottes zu verkünden, auch wenn das nun vielleicht schwierig ist. Gott hört niemals auf zu wirken, auch und vielleicht gerade dann, wenn die Umstände schlecht zu sein scheinen. Deshalb gilt es, diese Herausforderung anzunehmen.

Weihegottesdienst im Livestream

Weihbischof Dr. Gerhard Schneider weiht Frank Straub am Samstag, 12. März, um 9.30 Uhr im Rottenburger Dom St. Martin zum Diakon. Der Weihegottesdienst wird auf der Homepage der Diözese unter www.drs.de live übertragen.   

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