Ehrenamt

In Amtzell hält das Dorf zusammen

Die Akteure des Miteinanders in Amtzell mit Weihbischof Matthäus Karrer, Bürgermeisterin Manuela Oswald, Gabriele Denner, Geschäftsführerin des Diözesanrats (v.r.), Ehrenamts-Fachreferent Martin Fischer (3.v.l.) und dem ehemaligen Bürgermeister Paul Locherer (vorne neben Karrer) vor dem Café Herzraum - Foto: DRS/Waggershauser

Weihbischof Matthäus Karrer lobt das Miteinander und Füreinander von Kirchen, Kommune, Stiftungen und Gesellschaft.

Dass kleinere Orte im ländlichen Raum wie in manchen östlichen Bundesländern aussterben, das gilt es nach den Worten von Weihbischof Matthäus Karrer zu verhindern. „Wir brauchen funktionierende Dörfer und wollen uns als Kirche mit einbringen“, betonte der Verantwortliche für Pastorale Konzeption in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zusammen mit Gabriele Denner, der langjährigen Referentin für Ehrenamt in seiner Hauptabteilung, die jetzt die Geschäfte des Diözesanrats führt, und deren Nachfolger Martin Fischer traf er in Amtzell Engagierte des Vereins Füreinander-Miteinander. Dieser vernetzt seit knapp 25 Jahren soziale Aktivitäten am Ort.

Ende des letzten Jahrtausends aus dem wegen der Pflegeversicherung nicht mehr benötigten Krankenpflegeverein hervorgegangen, bündelt der inzwischen eingetragene Verein Füreinander-Miteinander etwa die Nachbarschaftshilfe und die ambulante Hospizgruppe. Und er organisiert Kaffeenachmittage und Gymnastikeinheiten für Senioren. In dem 4.338 Einwohner:innen zählenden Ort tragen neben der Kommune, den katholischen Kirchengemeinden Amtzell und Pfärrich sowie der evangelischen Kirchengemeinde als juristische Personen 187 Mitglieder die vielfältigen Aufgaben dieses Vereins, in dem sich 80 Ehrenamtliche engagieren.

Aufgaben passen sich den Herausforderungen an

Da sich die Welt verändert habe, musste auch der Verein immer wieder nachjustieren, erklärte Vorstandsmitglied Paul Locherer. Der damalige Amtzeller Bürgermeister, einer der Gründungsväter, moderierte das Gespräch mit den Rottenburger Gästen. Die Geflüchteten aus dem Nahen Osten, Afrika und jüngst aus der Ukraine hätten Amtzell in den letzten Jahren herausgefordert. Neben Begegnungs- und Hilfsangeboten fanden sich über die Wohnrauminitiative der Caritas Privatunterkünfte für geflüchtete Menschen. Der Verein engagiert sich aber auch in den Herkunftsländern. In Kooperation mit der Stiftung Liebenau läuft gerade die Altenpflegeausbildung von Kenianern aus der Diözese Machakos.

Neue Initiativen sind beim Verein Füreinander-Miteinander immer willkommen. Christine Schuler und Saskia Graf, seit 2022 im Vorsitzendenteam, hatten mit Christina Morgenroth die Idee eines Ortes, an dem man einfach sitzen kann und jemanden zum Reden findet. Dazu Getränke und Essen ohne Konsumzwang. Das Café Herzraum öffnete 2018 seine Pforten. Inzwischen bietet das von den beiden angestoßene Netzwerk Alna (Amtzell lässt niemand allein) nicht nur für Cafégäste Hilfe in allen Lebenslagen. Die Möglichkeit für ein günstiges gemeinsames Mittagessen, eine Demenzgruppe und ein Backhäusle stehen derzeit auf der To-Do-Liste des Vereins.

Junge Menschen wachsen ins Engagement hinein

Während sich die Vertreter:innen aus Amtzell und die Rottenburger Delegation im Garten des Café Herzraum beim Schloss Kaffee und Kuchen schmecken ließen, plante ein gutes Duzend Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren im Inneren das Programm für die nächsten Wochen. Sie sind aus einer Kinder-Zumba-Gruppe herausgewachsen, wollten sich aber weiterhin treffen. Seit mehr als einem Monat kommen sie nun wöchentlich in die Begegnungsstätte und helfen dort auch mit. Nachwuchsprobleme scheint es in der wertschätzenden Art des Miteinanders in Amtzell nicht zu geben. „Wenn sich Menschen jung engagieren, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie auch später dabei sind“, bestätigte Gabriele Denner vom Diözesanrat.

Auch wenn die Strukturen des ehrenamtlichen Engagements für Neu-Amtzeller nicht so einfach zu durchschauen sind, wie der katholische Pfarrer Matthias Hammele und Bürgermeisterin Manuela Oswald zugaben, so zeigten sich die Gäste aus Rottenburg gerade von der vernetzten Gemeinwesenarbeit von Kommune, Kirchen, Stiftungen und Gesellschaft beeindruckt. Im neuen Kränzle-Areal soll für die Quartiersarbeit ein Büro eingerichtet werden für vier Mitarbeitende auf Minijob-Basis. Die Stelle einer Ehrenamtskoordinatorin finanziert die Diözese Rottenburg-Stuttgart bereits mit. „Amtzell zeigt, dass auch kleinere Summen einen großen Hebel entfalten können“, freute sich Weihbischof Karrer.

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