Vesperkirche

Interreligiöse Begegnungen bei der Vesperkirche to go

Foto: Stadtdekanat Stuttgart

Noch bis zum 5. März gibt es von Montag bis Samstag vor der Kirche St. Maria eine warme Mahlzeit für Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen.

Die Essensausgabe übernehmen Frauen und Männer unterschiedlicher Religionen. „Es kommt vor allem darauf an, einfach da zu sein, aufmerksam und offen für die Begegnungen, die entstehen können. Dies interreligiös zu tun, ist ein besonderes Geschenk“, sagt die Theologin Dorothee Steiof, die sieben Wochen lang immer um die Mittagszeit Muslime, Juden und Christen zusammenbringt. Die Essensausgabe vor der Marienkirche findet im Rahmen der Vesperkirche to go statt.

An diesem Montagmittag steht Susanne Jakubowski vom Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg zusammen mit den Alevitinnen Fadime Onay und Aylin Calayir in dem kleinen Zelt vor der großen neogotischen Marienkirche. In einer Warmhaltebox finden sich 40 Portionen gefüllter Paprika, zusätzlich gibt es Kaffee und Tee. „Es ist eine schöne Idee, dass wir uns hier über Religionen hinweg begegnen und dabei anderen Menschen helfen können“, sagt Susanne Jakubowski. Der gläubigen Jüdin ist soziales Engagement wichtig: „Ich möchte für diese Stadt und ihre Menschen da sein.“ Die alevitische Lehramtsstudentin Fadime Onay freut sich, mit Angehörigen anderer Religionen gemeinsam ein solches Projekt stemmen zu können. „Nächstenliebe und Fürsorge sind Teil unseres Glaubens, deshalb sind wir hier.“ Mit dabei ist auch Katja Müller von der neuapostolischen Kirche, die für eine gute Sache gerne Zeit schenkt.

Die Idee hat sofort Anklang gefunden

Organisiert hat die Essensausgabe vor der Kirche St. Maria die katholische Theologin Dorothee Steiof. Sie hat im Vorfeld die Ehrenamtlichen aus den unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften gesucht; zusammen mit Harry Pfau und dem Pastoralreferenten Andréas Hofstetter-Straka organisiert sie jetzt die interreligiösen Begegnungen am Essensstand vor Ort. Das Essen wird montags bis freitags über die evangelische Vesperkirche geliefert, die coronabedingt auch in diesem Jahr nicht öffnen kann. Stattdessen gibt es Verteilstationen an unterschiedlichen Orten, eine davon vor der katholischen Kirche St. Maria. „Die Idee, aus der Essensausgabe ein interreligiöses Projekt zu machen, hat sofort Anklang gefunden. Viele Menschen mit unterschiedlichen religiösen Zugehörigkeiten haben sich spontan ansprechen lassen, so dass es überhaupt kein Problem war, genügend Helferinnen und Helfer zu finden“, erzählt Dorothee Steiof. Auch das Referat Soziales und gesellschaftliche Integration der Stadt Stuttgart hat das Projekt unterstützt und Kontakte vermittelt. Mit dabei ist auch die russisch-orthodoxe Gemeinde, deren Mitglieder jeden Samstag das Essen, das sie austeilen, vorher selbst zubereiten. „Auch bei der russisch-orthodoxen Gemeinde standen die Türen weit offen“, so Steiof.

Musliminnen, Jüdinnen und Christinnen treffen sich am Stand

An der Essensausgabe beteiligen sich Muslime, zum Beispiel aus der alevitischen und der Ahmadiyya Gemeinde, mit dabei ist auch die christliche Heilsarmee. Unterstützung bekommen die Ehrenamtlichen von Harry Pfau, der vor der Marienkirche in Harrys Bude das ganze Jahr über übrig gebliebene Lebensmittel an Menschen mit wenig Geld verteilt. „Wir haben uns vor dem Start des Projekts alle in einer Videokonferenz getroffen und werden auch zum Abschluss nochmals zusammenkommen und unsere Erfahrungen austauschen“, sagt Dorothee Steiof. Katja Müller von der neuapostolischen Kirche hat an den vier Mittagen, an denen sie Kaffee und Tee ausgeschenkt hat, jedenfalls schon viele gute Erfahrungen gemacht. „Ich komme jedes Mal mit Menschen ungezwungen ins Gespräch, denen ich sonst nicht begegnen würde.“

Möglich gemacht haben das interreligiöse Projekt die katholische Gemeinde St. Maria, der Diözesancaritasverband Rottenburg-Stuttgart und das Bonifatiuswerk, das mehr als ein Jahr lang das Projekt der Präsenzpastoral von Dorothee Steiof vor „St. Maria als“ gefördert hat.

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