Bischof

Investition in den Zusammenhalt unserer Gesellschaft

Bischof Dr. Krämer besucht Flüchtlingsunterkunft in Besigheim.

Bischof Dr. Klaus Krämer im Gespräch mit Geflüchteten.Bild: Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart / Philipp Monjoie

Bischof Dr. Krämer besucht Flüchtlingsunterkunft in Besigheim.

Bischof Dr. Klaus Krämer in der Flüchtlingsunterkunft in Besigheim. Das Kochprojekt „Schmeck nei“ bringt dort regelmäßig Menschen mit und ohne Fluchterfahrung zusammen. Bild: Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart / Philipp Monjoie

Bischof Dr. Krämer besucht Flüchtlingsunterkunft in Besigheim

Beim Gang über das Gelände der Flüchtlingsunterkunft. Bild: Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart / Philipp Monjoie

Bischof Dr. Klaus Krämer macht sich ein Bild von der Caritas-Flüchtlingshilfe und besucht eine Unterkunft für Geflüchtete mit aktuell 250 Menschen.

Im Rahmen der bundesweiten "Woche zur katholischen Flüchtlingshilfe" machte sich Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ein Bild vom breiten Engagement der Caritas und ihrer Arbeit mit Geflüchteten. In Besigheim besuchte er er die Unterkunft für Geflüchtete, in der aktuell 250 Geflüchtete untergebracht sind. Junge Männer und Frauen aus der Türkei, dem Irak oder der Ukraine erzählten über ihre Lebensgeschichten und ihren Wunsch, etwa in der Pflege eine Ausbildung zu machen. „Wir brauchen in Deutschland solche Menschen, die sich einbringen. Es gibt viele Bereiche, in denen Arbeitskräfte fehlen und wir sind froh, wenn sie einspringen“, sagte Bischof Dr. Krämer im Austausch mit den jungen Menschen.

Zweckerfüllungsfonds schafft Grundlage

Mit dem „Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfe“ hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart die Grundlage geschaffen, dass Geflüchtete gezielt unterstützt werden, um in Deutschland Fuß zu fassen. Es geht darum, dass sie die Sprache lernen, Arbeit finden und Teilhabe erfahren können. Über 36 Millionen Euro hat die Diözese seit 2014 hierfür bereitgestellt. Auch das Caritas-Projekt Caritasdienste in der Flüchtlingsarbeit (CaDiFa) wird durch Mittel aus diesem Fonds möglich. Jährlich unterstützen 4.000 Ehrenamtliche Geflüchtete im Alltag bei sämtlichen Fragen und schaffen Möglichkeiten der Begegnung – beispielsweise bei dem Kochprojekt „Schmeck nei“. Menschen mit und ohne Fluchterfahrung kochen hier regelmäßig zusammen. Auch das Caritas-Projekt EMANA – was auf Arabisch so viel heißt wie „Hoffnung schenken“ – wird durch Mittel der Diözese möglich: Hier beraten Caritas-Mitarbeitende Geflüchtete mit psychischen Belastungen. Viele sind traumatisiert, Vertrauen muss aufgebaut werden, Schmerzliches und Schreckliches muss verarbeitet werden – ein langer Weg.

Erschwerte Rahmenbedingungen

Gelingende Integration sei eine Investition in den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, betonte der Bischof. Angesichts der Kirchenaustritte werde es aber schwieriger, Gelder für Projekte wie diese bereit zu stellen. Doch nicht nur das führt zu erschwerten Rahmenbedingungen: Ehrenamtliche erfahren Anfeindungen und stehen unter Druck. Für Bischof Krämer aber ist es wichtig, dass die Arbeit weitergeht: „Die Flüchtlingsarbeit der Caritas darf auf keinen Fall weggespart werden.“

Zum "Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfen"

Der „Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfen“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist seit 2014 ein zentrales Instrument, um Geflüchtete gezielt zu unterstützen. Entstanden aus Haushaltsüberschüssen der Diözese, wurden seither über 36,4 Millionen Euro bereitgestellt. Davon sind bereits rund 26 Millionen Euro ausbezahlt, weitere knapp 6 Millionen Euro gebunden – aktuell stehen noch rund 4,8 Millionen Euro zur Verfügung, erläutert Ordinariatsrätin Karin Schieszl-Rathgeb, Leiterin der Hauptabteilung "Kirche und Gesellschaft" im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die den Bischof bei seinem Besuch in Besigheim begleitete. Und die Ordinariatsrätin führt weiter aus:

"In den zehn Jahren seines Bestehens haben wir über 750 Anträge bearbeitet und dabei sehr unterschiedliche Zielgruppen erreicht: Geflüchtete Familien beim Familiennachzug; traumatisierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch psychosoziale Hilfen; geflüchtete Frauen und andere vulnerable Gruppen durch Schutz- und Empowerment-Projekte sowie auch viele ehrenamtlich Engagierte, durch verschiedene Unterstützungs- und Begleitangebote. 

Besonders stolz sind wir auf unsere 19 Strukturförderungen, die jährlich rund 2,5 Millionen Euro umfassen. Sie sichern nicht nur kurzfristige Projekte, sondern bauen dauerhafte Strukturen auf – etwa in der psychosozialen Versorgung, in der Arbeitsmarktintegration, in der Rechtsberatung oder in der Koordination des Ehrenamts. Damit gelingt es uns, aus einzelnen Initiativen tragfähige Modelle für eine nachhaltige Flüchtlingshilfe zu entwickeln.

Das Profil des Fonds ist klar: Er wirkt nachrangig, das heißt, er springt dort ein, wo andere Finanzierungen nicht greifen. Damit ergänzt er öffentliche Mittel und stärkt zivilgesellschaftliche und kirchliche Akteure. Und er hat eine gesellschaftliche Dimension: In einer Zeit, in der staatliche Programme zurückgefahren werden und die gesellschaftliche Stimmung teils schwieriger wird, setzt der Flüchtlingshilfefonds der Diözese ein starkes Zeichen. Denn gelingende Integration ist weit mehr als Unterstützung Einzelner – sie ist eine Investition in den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Wo Geflüchtete Sprache lernen, Arbeit finden, Teilhabe erfahren und ihre Rechte wahrnehmen können, wächst auch Vertrauen, gegenseitiger Respekt und sozialer Frieden.

Gleichzeitig sehe ich mit Sorge, dass die Einnahmen aus der Kirchensteuer drastisch zurückgehen. Damit stellt sich für uns die Frage, wie wir die erfolgreiche Arbeit der Diözese auch in Zukunft sichern können. Besonders die Strukturförderungen, die Jahr für Jahr stabile und wirksame Angebote ermöglichen, brauchen eine verlässliche Perspektive. Es bliebe nicht ohne Folgen, wenn gerade diese wertvollen Strukturen, die sich bewährt haben und vielerorts unverzichtbar geworden sind, eines Tages nicht mehr im bisherigen Umfang fortgeführt werden könnten. Der 'Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfe' ist deshalb mehr als ein Finanzinstrument. Er ist ein Beitrag gegen Polarisierung, ein Motor für Teilhabe – und ein Ausdruck unseres kirchlichen Auftrags, Nächstenliebe konkret werden zu lassen."

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