In der Diözese Rottenburg-Stuttgart besteht seit 25 Jahren ein Seelsorge-Angebot für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen. Dieses Jubiläum wurde am Donnerstagnachmittag bei einer Feierstunde im Bischofshaus in Rottenburg gewürdigt. Mit dabei: Peter Hepp, der selbst taubblind ist und seit seiner Diakonweihe im Jahr 2003 das Gesicht der Seelsorge für Menschen mit Taubblindheit in der württembergischen Diözese und weit darüber hinaus ist.
„Zeugnisse, die uns Hoffnung machen"
Bischof Dr. Klaus Krämer bezeichnete die Seelsorge bei Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung als „ein Segen für viele Menschen“. Zugleich sei sie bedeutend für das Selbstverständnis der Diözese. „Menschen mit Beeinträchtigungen gehören ganz selbstverständlich zur Kirche, geben unverzichtbares Zeugnis und machen auf eine grundlegende Wahrheit unseres Glaubens aufmerksam: Dass nämlich jeder Mensch von Gott geliebt ist, so wie er ist.“ Dr. Krämer bedankte sich dafür, dass, wie er sagte, hörsehbehinderten Menschen Teilhabe ermöglicht wird und das Evangelium in seiner hoffnungsstiftenden Kraft erfahrbar gemacht wird. Die Arbeit der Seelsorge bei Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung gehöre für ihn zu den Gesichtern der Hoffnung, von denen der verstorbene Papst Franziskus immer wieder sehr betont gesprochen habe. „Zeugnisse, die uns Hoffnung machen in einer Welt, die immer noch von zu viel Unbarmherzigkeit und Gleichgültigkeit bestimmt ist“, sagte der Bischof.
„Fruchtbaren Beitrag“ zur Weltsynode
Die Jubiläumsfeier sei daher ein willkommener Anlass, die „wichtige Arbeit“ der Taubblindenseelsorge zu würdigen. „Sie haben über den kirchlichen Kontext hinaus Erfahrungen gemacht und sind vernetzt mit vielen Verbänden, Stiftungen und Arbeitsstellen in und außerhalb unserer Diözese.“ Ganz ausdrücklich bedankte sich Bischof Dr. Krämer bei Diakon Hepp auch für dessen Teilnahme und „fruchtbaren Beitrag“ zur Weltsynode in Rom. Mit dem Dokument „Die Kirche ist unser Zuhause“ seien wegweisende und wertvolle Perspektiven für die umfassende Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Leben der Kirche aufgezeigt worden. „Wir sind stolz auf Ihre Arbeit und werden sie auch in Zukunft unterstützen“, hielt der Bischof fest.
Regina Seneca, Leiterin der Hauptabteilung „Pastorales Personal“ im Bischöflichen Ordinariat der Diözese, sagte in ihrem anschließenden Grußwort: „Wir feiern heute zweimal: Vor 25 Jahren wurde die Seelsorge für Menschen mit Hör- und Sehbehinderung eingerichtet und genauso lang ist Peter Hepp in diesem Bereich tätig.“
Lernfeld für einen respektvollen Umgang
Seelsorge frage nach den Anliegen und Nöten der Menschen – dazu gehöre es, Antworten darauf geben zu können, wo und wie Anträge gestellt werden können, wo es Unterstützung gibt und wie Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden können, um der Einsamkeit entgegenzuwirken: alles Unterstützungen, die die Taubblindenseelsorge mitträgt.
Dabei müsse die Kombination zweier Einschränkungen immer wieder neu verstanden werden. „Es ist eine Welt, in die ich keinen Einblick habe, in der wir die Lernenden und die Außenstehenden sind“, sagte Seneca. Taubblindheit sei „die Welt der Nähe, des Berührens, des Tastens. Dabei immer achtsam und nur in bestimmten Bereichen.“ Die Seelsorge bei Menschen mit Taubblindheit sei so für die Diözese ein Lernfeld für einen respektvollen Umgang, der Interaktion mit Blick auf die Bedürfnisse der Menschen. Auch Margherita Hepps Engagement wurde von der Hauptabteilungsleiterin besonders gewürdigt: Anfangs arbeitete sie als Assistentin ihres Mannes, heute ist sie – dank Fort- und Weiterbildungen – selbst geschätzte Seelsorgerin für Menschen mit Taubblindheit.
Landesweites Netzwerk in der Taubblindenseelsorge
Doris Spitznas, Referentin für die Seelsorge mit hörsehbehinderten und taubblinden Menschen in der Erzdiözese Freiburg, attestierte der Diözese Rottenburg-Stuttgart, mit der Beauftragung von Peter Hepp einen neuen Weg eingeschlagen zu haben: ein Weg, der seither auch weit über die Grenzen der Diözese hinaus trägt und aus dem ein landesweites Netzwerk in der Taubblindenseelsorge entstanden ist. Außerdem seien deutschlandweit „nur wenige Diözesen“ in diesem Bereich aktiv und auch deshalb sei der Austausch so wertvoll.
Für die evangelische Kirche ergriff Daniela Milz-Ramming, Landespfarrerin für gebärdensprachliche Gemeindearbeit in Württemberg, das Wort. Sie dankte Peter Hepp und dessen Ehefrau Margherita für ihren – wie sie sagte – gemeinsam geleisteten großen Einsatz und dann beschrieb Raphaela Vogel, Seelsorgerin bei Menschen mit Hörbehinderungen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die Arbeit der Taubblindenseelsorge vor Ort als „glaubwürdig, erreichbar und vernetzt“ und sagte: „So soll die Kirche der Zukunft sein und so ist diese Seelsorge heute schon.“






