Brauchtum

Jubiläums-Blutritt in Schwenningen

Vor 75 Jahren wurde die Tradition des Schwenninger Blutritts wieder aufgenommen. Tausende Menschen kamen zur festlichen Reiterprozession. Foto: Hermann Sorg

Das Jubiläum zur 75-jährigen Tradition des Schwenninger Blutritts nach dem Zweiten Weltkrieg beging die Gemeinde mit einem großen Dorffest.

Höhepunkt der mehrtägigen Veranstaltung, zu der tausende Menschen strömten, war am Pfingstmontag die Reiterprozession. Vor der Heilig-Blut-Kapelle mitten im Ort empfingen die über 100 teilnehmenden Reiterinnen und Reiter in der Reitermesse den ersten Segen hoch zu Pferd. Der neue Stadtpfarrer Ellwangens, Prof. Dr. Sven van Meegen, feierte sowohl den Gottesdienst und war auch wie schon viele Jahre zuvor Träger des Segensreliquiars. Über viele Kilometer setze sich dann die Prozession fort nach Neuler über die Fluren nach Espachweiler, Schrezheim, Schleifhäusle, Josefstal, Saverwang und wieder zurück in den Ort, wo tausende Menschen am Straßenrand, auf dem Segensplatz und im Festzelt dieses große Ereignis feierten.

Notleidende Menschen in den Blick nehmen

Pfarrer van Meegen unterstrich die große Bedeutung des Blutritts für den Glauben und die Region: So wie man sich im Leben engagiere, werde es einem wieder zurückgegeben. Glauben, Nächstenliebe und Einsatz für Notleidende seien keine hohlen Phrasen, sondern würden dann Wirklichkeit, wenn man sie im Leben wirklich umsetze.

Ortspfarrer Jürgen Zorn feierte während der Prozession den Festgottesdienst für die Pilgerinnen und Pilger aus nah und fern. Den Blick zum Himmel und den Blick zu den notleidenden Menschen um sich herum stellte er in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Der Musikverein Neuler und die Fahnenabordnungen der Gesamtgemeinde Neuler, flankiert von politischer Prominenz, wie Bürgermeisterin Sabine Heidrich, MdB Roderich Kiesewetter, MdL Winfried Mack oder Bürgermeister a.D. Manfred Fischer, begleiteten dann die Reiterinnen und Reiter durch den Ort zum Segnungsplatz.

Die Heilig-Blut-Kapelle steht mitten in der Ortschaft Schwenningen, einem Teilort der Gemeinde Neuler. Der erste Vorgängerbau der heutigen Kapelle wurde am 25. Oktober 1497 vom Augsburger Weihbischof Johannes zu Ehren des Erlösers und seines kostbaren Blutes geweiht. Das Patrozinium wurde ursprünglich am Mittwoch in der Pfingstwoche gefeiert.

Von 1689 bis 1744 liegt das urkundliche, schriftliche Verzeichnis der vielen erlangten Guttaten zu Schwenningen vor. Es werden 73 Fälle wunderbarer Gebetserhörungen bei dem Gnadenbild in Schwenningen aufgeführt. 1870 ist der Blutritt allmählich eingeschlafen. Erst 1947 gelang es Pfarrer Otto Saß die Tradition des Blutritts wieder aufzunehmen. Am Pfingstmontag, 26. Mai 1947 wurde erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg der Schwenninger Blutritt mit großem Erfolg abgehalten. Seither wurde diese große Reiterprozession nahtlos auch in den schweren Coronazeiten durchgeführt. Man merkte dem diesjährigen Fest deutlich die Sehnsucht nach Gemeinschaft, Segen und Glauben an. Mit großem Engagement und Freude hat die kleine Dorfgemeinschaft Schwenningen dieses Jubiläum durchgeführt.