Geschichte

Jubiläumsgruß per Luftballons

Luftballons steigen vor der Kirche Mariä Geburt in die Höhe. Foto: DRS/Guzy

Bischof Dr. Klaus Krämer predigt im Festgottesdienst in der Kirche Mariä Geburt in Amrichshausen..

Bischof Dr. Klaus Krämer predigt im Festgottesdienst. Foto: DRS/Guzy

In der Kirche hängen Bilder, die Grundschulkinder gamalt haben.

Grundschulkinder haben Bilder gemalt. Das Motiv rechts hat es auf eine Jubiläums-Grußkarte geschafft. Foto: DRS/Guzy

Vor 400 Jahren wurde die Kirche Mariä Geburt mit ihrem Julius-Echter-Stil geweiht. Das feiert die Gemeinde nicht nur mit einem Festgottesdienst.

Das Bild eines Drittklässlers der Grundschule in Amrichshausen schafft es hoch hinaus. Kinder aus dem Ort lassen sein Motiv, das den Hauptaltar der Dorfkirche zeigt, im Beisein von Bischof Dr. Klaus Krämer als Postkarten an Luftballons in die Höhe steigen. Es soll ein „Gruß aus Amrichshausen in die weite Welt sein“, sagt Pfarrer Adrian Warzecha (Seelsorgeeinheit Künzelsau). Die Karten weisen zugleich auf das Jubiläum der Kirche Mariä Geburt hin.

Sie wurde vor 400 Jahren unter dem Würzburger Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg geweiht. Das feiert die Kirchengemeinde mit einem Fest für das ganze Dorf. Nachdem an den Vortagen ein Gottesdienst mit Weihe der restaurierten Kirchenfahnen, eine feierliche Anbetungsstunde und ein musikalisches Abendlob mit der St. Paulus Band im farblich illuminierten Kirchenraum stattgefunden haben, leitet ein Festgottesdienst mit Bischof Krämer die Hauptfeier am Sonntag ein.

Von der Kirchengeschichte zu heutigen Herausforderungen

„Die Kirche gründet auf dem Glauben der Apostel“, sagt Krämer. In seiner Predigt nimmt er Bezug auf das Christusbekenntnis des Apostels Petrus: Laut Matthäus-Evangelium fragt Jesus seine Jünger, für wen sie ihn halten. Darauf bekennt Petrus, dass Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes ist. Die Grundfrage sei, für wen hielten die Menschen heute Christus, sagt der Bischof.

Er blickt auch auf die Geschichte der Kirche Mariä Geburt: Als sie geweiht wurde, sei der Dreißigjährige Krieg noch nicht zu Ende gewesen. Die Kirche habe Höhen und Tiefen erlebt. „So stehen auch wir vor Herausforderungen“, erklärt der Bischof und schlägt den Bogen zu den aktuellen Zukunftsprozessen in der Diözese. Den Menschen dienen zu wollen, sei dabei der wichtigste Auftrag der Kirche.

Eine besondere Torte als Geschenk

Pfarrer Warzecha und Pfarrer Dr. Alois Krist aus Ludwigsburg, der 1991 in Amrichshausen seine Primiz feierte, konzelebrieren bei dem Festgottesdienst. An dessen Ende überbringt Barbara Joos (gemeinsamer Ausschuss) der Kirchengemeinde im Dialekt die Gratulationen der ganzen Seelsorgeeinheit: „Es ist schee, dass es euch gibt.“ Dazu gibt es als Jubiläumsgeschenk eine Torte mit dem Bild der Kirche.

Der zu Künzelsau gehörende Ort Amrichshausen hat etwa 600 Einwohnerinnen und Einwohner. „Es ist schön zu sehen, wie das ganze Dorf mitwirkt“, sagt Norbert Beez, gewählter Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Er erwähnt den Ortschaftsrat, die Feuerwehr sowie Vereine und Gruppen, die beim Fest unterstützt haben oder unterstützen. Dadurch werde sichtbar, dass „die Kirche ein Ort für alle Menschen im Dorf ist“.

Beez macht außerdem auf die Bilder aufmerksam, die in der Kirche hängen und Details des Innenraums zeigen. Nach einer Kirchenführung mit Pfarrer Warzecha malten Grundschulkinder diese. Eines der Bilder wurde dann als Motiv für die Grußkarte ausgewählt. Nach dem Gottesdienst, den der Kirchenchor Amrichshausen unter der Leitung von Werner Bystricky zusammen mit Bläsern der Stadtkapelle Künzelsau sowie Kirchen­musikerin Theresa Schäfer an der Orgel musikalisch gestalten, steigen Dutzende der Karten vor der Kirche in die Luft. Auf dem Dorfplatz nebendran versammeln sich dann alle Mitfeiernden zum Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen.

Die Geschichte der Kirche Mariä Geburt

Amrichshausen gehörte einst zum Bistum Würzburg. Die Kirche Mariä Geburt wurde daher am 28. Juni 1625 vom Würzburger Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg geweiht. Mit dem Neubau – es gab wohl ein Vorgängergebäude – war bereits einige Jahre zuvor unter dem bekannten Fürstbischof Julius Echter begonnen worden. Der sogenannte Echter-Stil prägte daher die Architektur: (Spät)gotische Elemente flossen zu einer Zeit, als schon andere Stile bestimmend waren, in die Gestaltung ein.

An der Kirche in Amrichshausen zeigt sich dieser Rückgriff auf die Gotik zum Beispiel an den Spitzbogenfenstern, die mit Maßwerk verziert sind. „Der hoch aufragende Turm mit der schlanken Turmspitze ist ein weiteres Kennzeichen dieser im Raum Würzburg häufig vorkommenden ‚Julius-Echter-Kirchen‘“, heißt es in einem Flyer zur Kirchengeschichte. Er ist anlässlich des Jubiläums erschienen.

Im Flyer findet sich auch ein Hinweis auf das „Amrichshäuser Kreuz“. Das Bronzekruzifix wird auf das 12. Jahrhundert datiert. Es gilt als eines der ältesten im deutschen Südwesten. Trotz seines Namens stammt das Kreuz nicht originär aus Amrichshausen, sondern gelangte in einem der vergangenen Jahrhunderte dorthin. Es befindet sich allerdings mittlerweile seit etlichen Jahren im Diözesanmuseum in Rottenburg. In der Kirche gibt es nur eine Nachbildung.

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