Kann Kämpfen eine synodale Haltung sein? NEIN, „kämpfen“ im Sinn von Gewalt, Aggression oder Hass sicherlich nicht. In unserem Sprachgebrauch benutzen wir „kämpfen“ aber oft im übertragenen Sinn. Wir kämpfen für Gerechtigkeit, Liebe oder für das Gute. Auch unser innerer Kampf gegen Egoismus, Krankheit oder Versuchung ist ein positiv geprägter Kampf für Standhaftigkeit, Geduld und Wahrheit.
Gerade in der aktuellen Situation gesellschaftlicher Veränderungen und zunehmender Säkularisierung stellt sich die Frage, welche Werte uns als Gesellschaft verbinden und als Gemeinschaft tragen. Früher hätte ich relativ selbstverständlich gesagt, diese Werte sind Nächstenliebe, Mitgefühl und Solidarität mit den Schwachen und Armen. Aber so eindeutig scheint die Antwort nicht mehr zu sein. In einer Welt, in der der christliche Glaube längst nur eine Option unter anderen Weltanschauungen, Religionen und Lebensweisen geworden ist, befindet sich unsere Gesellschaft in einem offenen Aushandlungsprozess. Auf welche gemeinsamen Werte und Normen können wir uns für die Zukunft verständigen? Aktuell scheinen das Recht des Stärkeren, Ausgrenzung und Egoismus wieder zunehmend mehrheitsfähig zu werden.
Aber das ist nicht der erforderliche Kitt oder das Sozialkapital, das uns als Gesellschaft verbinden kann. Ich bin überzeugt, es lohnt sich zu kämpfen
- für gemeinsame Werte,
- für Solidarität und Gemeinwohl,
- für ein grundsätzliches Vertrauen in Regeln und demokratische Strukturen,
- für Dialog und Kompromisse und
- die Bereitschaft unterschiedliche Meinungen auszuhalten.
Kämpfen wird dann zu einer christlichen Haltung, in deren Mittelpunkt die Botschaft von Nächstenliebe, Demut, Barmherzigkeit und Friede steht. Kämpfe!
Domenik Schleicher, Mitglied des 11. Diözesanrats




