Klöster

Kaffee, Kuchen, Kloster

Ordensschwester vor dem Café mit einem Stück Kuchen in der Hand

Schwester Doris isst am liebsten Früchtekuchen - auch davon gibt es im Klostercafé Sießen eine leckere Auswahl. Bild: Annika Werner / DRS

Unser Ausflugstipp für die letzten Tage der Sommerferien: Ein Besuch in einem der Klostercafés in Bonlanden, Neresheim oder Sießen.

Die beruhigende Atmosphäre von Klostergebäuden, kombiniert mit einer Tasse Kaffee - viel entspannter geht es nicht. Wer in den letzten Tagen der Sommerferien noch Lust auf einen kleinen Ausflug in der Region hat und leckeren Kaffee und Kuchen zu schätzen weiß, dem sei eines der Klostercafés in unserer Diözese ans Herz gelegt. Auch wer dazu etwas zum Lesen möchte, wird fündig. Wir stellen Cafés und eine Klosterbuchhandlung von drei Klöstern vor, in denen noch Ordensleute leben: Kloster Bonladen, Abtei Neresheim und Kloster Sießen. 

Perfekt für Familien - Klostercafé Bonlanden

Bestellen muss Schwester Witburga Mendler nicht. Wenn die Provinzoberin das Klostercafé in Bonlanden betritt, wissen alle: Sie mag den Johannisbeer-Baiser - ihr absoluter Liebling. Wie die anderen mit Blüten und Leckereien bunt verzierten Torten und Kuchen in der Glasvitrine ist er aus regionalen und ökologischen Produkten handgemacht. Die reiche Auswahl begeistert die Franziskanerin - und nicht nur sie. Auf der großen Außenterrasse im Schatten alter Bäume ist an einem gewöhnlichen Dienstagnachmittag in den Ferien so gut wie kein Platz mehr frei. Dabei begann alles ganz unscheinbar.

Schwester Witburga kam 1954 als Schülerin nach Bonlanden im Illertal, das heute zur Gemeinde Berkheim gehört. Sie trat bei den Franziskanerinnen ein, wurde Lehrerin und gehört seit vielen Jahren der Ordensleitung an. In der Zeit, als das Kloster die Schule aufgab, fand im oberen Stockwerk des ehemaligen Kuhstalls eine barocke Krippenlandschaft mit über 370 Figuren Platz. Seit 2006 und vor allem seit der Neuinszenierung 2012 kommen immer mehr Besucher:innen. „Sie haben die Krippe angeschaut und wollten dann einen Kaffee trinken“, berichtet Schwester Witburga. Die Gemeinschaft reagierte und richtete ein Bistro ein.

Die Nachfrage bei Einzelpersonen, Familien und Gruppen war jedoch so groß, dass um das Jahr 2007 das Klostercafé in Betrieb ging. Zunächst backte eine Mitschwester Kuchen und Torten. Als Nachfolgerin stellte das Kloster eine herausragende Konditorin ein, die immer wieder Studierende im Praktikum betreut und sich von den jungen Leuten inspirieren lässt. „Es hat sich herumgesprochen: Im Kloster Bonlanden gibt es einen guten Kuchen“, freut sich Schwester Witburga über den Erfolg. Besonders schätzt sie die vielen Kinder an den Wochenenden, die ihre Eltern auf dem Gelände abseits der Straßen bedenkenlos herumspringen lassen können. „Da ist Leben bei uns.“

Manchmal profitiert das Klostercafé aber auch vom Verkehr. Viele umfahren Staus auf der Autobahn 7 über die Straße unterhalb des Klosterareals und entdecken dabei die Einkehrmöglichkeit, die täglich geöffnet hat. Parkplätze gibt es direkt beim Café, das komplett barrierefrei ist. Im weitläufigen Gelände sind der Weiher zum Thema „Schwester Wasser“ und der prächtige Garten mit Labyrinth zu „Mutter Erde“ inspiriert vom Sonnengesang des heiligen Franziskus. In einer Kapelle können Anliegen aufgeschrieben und Kerzen angezündet werden. Wenn Schwester Witburga am Klostercafé vorbeiläuft, winken ihr fast immer Bekannte zu. Es ist ein lebendiger Ort der Begegnung und der Geselligkeit.

Eine Tasse Kaffee und ein gutes Buch - Klostercafé Neresheim

Die charakteristische Atmosphäre des Klostergemäuers können Besucherinnen und Besucher des Klostercafés Neresheim auf sich wirken lassen: Im ehemaligen Kartoffelkeller der Abtei und bei schönem Wetter auf einer kleinen Terrasse in unmittelbarer Nähe zur Abteikirche kann man sich neben Kaffeespezialitäten und Erfrischungsgetränken Kuchen, Früchte- und Sahneschnitten, eine Auswahl an Eisbechern und pikante Snacks schmecken lassen. „Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit der Bäckerei Wörle Gäste im Klostercafé begrüßen dürfen“, sagt Bruder Matthias, der in der Benediktinerabtei unter anderem für kaufmännische Fragen zuständig ist. Seit gut zwei Jahren ist die traditionsreiche Familienbäckerei aus Neresheim Pächterin des Klostercafés.

Um sich selbst im Café einen Espresso schmecken zu lassen, fehle ihm meist die Zeit, gibt Bruder Matthias zu, der oft Besuchergruppen über das Klosterareal und vor allem durch die prächtige Klosterkirche führt und sonst eher in der Klosterbuchhandlung anzutreffen ist. Als gelernter Buchhändler, der nie um einen Lesetipp verlegen ist, freut es ihn aber umso mehr, wenn es sich Besucher mit ihrem zuvor erworbenen Leseschatz schmökernd unter den großen Sonnenschirmen des Klostercafés gemütlich machen. Denn dann finden benediktinische Gastfreundschaft und die hohe Wertschätzung der Benediktsregel für gepflegte Lektüre – noch dazu vor malerischer Kulisse – eine perfekte Symbiose.

Ein Ort zum Wohlfühlen und Genießen - Klostercafé Sießen

Pfirsich-Schmandkuchen, „salty“ Erdnusstorte mit Krokant, die „Süße Barbara“, Himbeer-Schoko-Torte oder Zwetschgenkuchen – im Café des Klosters Sießen läuft einem bei dem herrlichen Anblick der Kuchenvitrine das Wasser im Mund zusammen.

„Unser Bäcker liebt es, Kuchen und Torten zu backen – er macht sogar die Dekoration selbst“, sagt Schwester Doris und lobt weiter: „Außerdem ist er außerordentlich kreativ und denkt sich immer was Neues aus.“ Das zeigt zum Beispiel die „Sonnengesang“-Torte, die er zu Ehren des 800. Jubiläums des Sonnengesangs des Heiligen Franziskus von Assisi kreiert habe.

Die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin ist als Ordensleitung für den hauswirtschaftlichen Bereich zuständig – einschließlich des Cafés im Klosterhof. Sie ist stolz darauf, dass die Kuchen ohne Hilfsmittel wie fertige Cremes auskommen, möglichst regionale und saisonale Zutaten beinhalten und dass statt Weizen- Dinkelmehl verwendet wird. „So sehen sie nicht nur schön aus, sondern schmecken auch supergut“, findet sie.

Das Café liegt im Innenhof des Klosters Sießen, an sonnigen Tagen sind die Plätze im Außenbereich unter den hellen Sonnenschirmen und zwischen Blumenarrangements häufig voll besetzt. Dann lädt der Innenbereich mit weit geöffneten Glastüren und modernen Holzstühlen zum Verweilen ein.

Schwester Doris ist seit rund vierzig Jahren bei den Franziskanerinnen. Es gibt Überlegungen, wie lang sich die Ordensgemeinschaft die Bäckerei, zu der das Café gehört, noch leisten könne: „Das wäre ein schmerzlicher Einschnitt für die Schwestern“, gesteht sie. Denn die Bäckerei habe es schon seit Entstehung des Klosters gegeben – sie habe die Schwestern, die Internatsschülerinnen und während des Zweiten Weltkriegs sogar Lagerinsassen mit Essen versorgt. Heute zieht das Café Besucherinnen und Besucher an, so Schwester Doris: „Es ist ein Anlaufpunkt, wo Menschen zur Ruhe kommen. Man merkt, wie es ihnen wohltut.“ Die Franziskanerinnen hätten mit der schönen Klosteranlage viel geerbt – sie sähen es als ihre Pflicht an, sie mit der Bevölkerung zu teilen. Außerdem könnten die Besuchenden so Anteil an ihrem Leben haben, mit ihnen ins Gespräch kommen, an Gottesdiensten und Klosterführungen teilnehmen oder einen meditativen Spaziergang in den nahegelegenen Franziskusgarten machen. „Das zeigt, dass ein Leben im Kloster nicht so schlimm ist, wie manche meinen“, schmunzelt Schwester Doris.