Trauerfeier

Kerzen und Rosen für Opfer und Helfer

Drei brennende Kerzen stehen auf dem Altar.

Die Biberacher Dekane entzünden Kerzen für die drei beim Zugunglück Getöteten - Foto: Evangelische Landeskirche Württemberg / Jan Potente

Neben Worten drücken beim Gedenkgottesdienst auch Zeichen und Musik die Anteilnahme für Betroffene und die Wertschätzung für Helfende aus.

Es ist fünf vor Elf. Wie von alleine verstummen die verhaltenen Gespräche im Zwiefaltener Münster. In die Stille hinein beginnen die Glocken zu läuten. Ein paar junge Menschen setzen sich noch schnell in die Reihen, die für die Angehörigen der Verstorbenen beim Zugunglück am Sonntag zuvor und für direkt Betroffene reserviert sind. Ihre Gesichter verraten, dass sie die vergangenen Tage sehr mitgenommen haben. Gegenüber haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, sein Landeskollege Winfried Hermann, Bahn-Vorstandsvorsitzender Richard Lutz sowie Evelyn Palla von der DB Regio Platz genommen.

Als Bischof Klaus Krämer, der evangelische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl und die Biberacher Dekane einziehen, wirft die Orgel über einem Grundton im Pedal klagende Laute in den Raum. Der Schmerz über Tod und Verletzungen will ausgehalten werden, betont Bischof Krämer in der Begrüßung. Der Gottesdienst helfe, diesen Schmerz zu teilen und vor Gott zu tragen. Das Verstummen und die im Raum stehende Frage "Warum?" greift der Landesbischof in seiner Predigt auf. Christ:innen hätten keine Antwort, aber in aller Angst und Trauer Hoffnung.

Die Notfallseelsorge ist weiter ansprechbar

Als Zeichen der Hoffnung entzünden die Dekane Stefan Ruf und Matthias Krack je eine Kerze für die Getöteten - den Lokführer, den Bahnmitarbeiter und die Mitreisende. Neben den vielen Worten der Fassungslosigkeit, des Mitleids und des Trostes berühren gerade diese Zeichen die Gottesdienstbesucher. Das bestätigt auch Iris Espenlaub, Leiterin der Notfallseelsorge im Landkreis Biberach. Vertreter:innen ihres Dienstes, eines Rettungsdienstes, des Technischen Hilfswerks, der Polizei und der Feuerwehr bringen je eine rote Rose vor den Altar und erinnern damit an die Überlebenden des Unglücks, von denen einige schwer verletzt sind.

Die vielen Einsatzkräfte der sogenannten Blaulichtfamilie sind mit ihren Uniformen im Gottesdienst sehr präsent. Jeder Redner kommt auf sie zu sprechen, würdigt das Wirken - gerade auch der Ehrenamtlichen unter ihnen - und dankt für die professionelle Arbeit, die Hand in Hand ging. Die Politiker und Bahnvertreter:innen bringen für sie weiße Rosen nach vorne. Neben dem nochmals als große Gemeinschaft Zusammenkommen ist es gerade diese Wertschätzung, die sie anrührt, wie sie nach dem Gottesdienst erzählen. Für Iris Espenlaub war es einer der bisher herausforderndsten Einsätze. Und er ist noch nicht vorbei. Auch nach dem Gottesdienst stehen die Seelsorgenden bereit für Gespräche.

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