CMT

Kirche im säkularen Raum zeigen

Gottesdienst am Familien- und Ehrenamtstag auf der CMT 2025. Foto: Andreas Waidler/ ekiba

Der Familientag und Ehrenamtstag auf der CMT am 26. Januar stand ganz im Namen von Begegnung und Gemeinschaft.

Am letzten Messesonntag lud die Messe Stuttgart alle ehrenamtlich Engagierten der vier christlichen Kirchen in Baden-Württemberg bei freiem Messeeintritt zum CMT-Besuch ein - der Caravan, Motor, Touristik-Messe in Stuttgart. Über 7000 Ehrenamtliche folgten der Einladung – fast die Hälfte der Gäste kam aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Den  christlichen Auftrag in unserer Gesellschaft leben

Verena Ernst ist in der Diözese für den Bereich Kirche und Tourismus zuständig. Für sie ist der Ehrenamtstag eine große Wertschätzung der Messeleitung allen gegenüber, die sich an ganz vielen unterschiedlichen kirchlichen Orten engagieren: „Wir haben versucht, die Einladung ganz breit in unserer Diözese zu streuen, so dass Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden genauso wie Engagierte in der Klinikseelsorge, bei der Caritas oder in der Betriebsseelsorge davon erfahren.“ Für die Ehrenamtlichen empfindet Verena Ernst viel Respekt: „Sie sind oft die, die vor Ort die Beziehungen pflegen, Menschen, die Hilfe bedürfen, im Blick haben und sich in Initiativen und Netzwerke in ihrer Stadt oder ihrem Dorf einbringen und so als Christinnen und Christen ihren Auftrag in unserer Gesellschaft leben."

Mir geht es gut, anderen geht es viel schlechter

Das bestätigt auch Martin Krautzberger. Er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Bahnhofsmission Stuttgart und vielfach Engagierter in seiner katholischen Kirchengemeinde: „Mit meinem Ehrenamt kann ich in eine Welt eintauchen, die ich sonst nicht kenne. Oft läuft man an bedürftigen Menschen einfach vorbei. Mein Ehrenamt hilft auch mir, die Menschen mit anderen Augen zu sehen.“ Es sei ein Geben, aber auch ein Nehmen: „Für mich bedeutet das Amt auch eine Weiterentwicklung meiner Persönlichkeit. Ich lerne von den Gästen in der Bahnhofsmission Demut und Dankbarkeit. Viele Menschen sagen mir hier: Mir geht es gut, anderen geht es viel schlechter. Und ich bin einfach dankbar, dass ich so ein unvorstellbar hartes Leben nicht habe.“ Wie er, erlebt auch seine evangelische Kollegin Rotraut Knodel viel Dankbarkeit – und einen ganz neuen Blick auf ihre Umgebung: „Wir haben es unter vielen anderen auch mit blinden Menschen zu tun. Mich beeindruckt die Freude der Menschen und dass sie nicht mit ihrem Schicksal hadern. Seitdem gehe aber auch ich mit offenen Augen durch Stuttgart und erkenne die Stolperfallen für blinde Menschen.“ In der Bahnhofsmission treffe man nicht nur ganz unterschiedliche Ehrenamtliche, so Rotraut Knodel, sondern auch verschiedene Bedürftige: „Zu uns kommt der gestrandete 1.Klasse-Reisende genauso wie der obdachlose Mensch.“

Eine neue Dimension des Glaubens

Am letzten Messetag wurden die Besucher bereits um neun Uhr mit Glockenläuten in allen Hallen der Messe zu einem ökumenischen Gottesdienst eingeladen. Unter dem Motto „Zusammenhalt und Gemeinschaft“ und unter Mitwirkung von Kinder- und Jugendchören sowie der Band „Benny + Co  startete der Tag mit einem musikalischen Gottesdienst auf der Bühne im Atrium. Hendrik Lohse, Fachbereichsleiter Kirche in Freizeit und Tourismus der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (ELKW) begrüßte alle Akteure und die etwa zweitausend Gläubigen, die am ökumenischen Gottesdienst teilnahmen. Die neue Tradition, den Ehrenamtstag mit einem ökumenischen Gottesdienst zu beginnen, gibt es seit zwei Jahren. Weihbischof Matthäus Karrer ist von diesem Konzept überzeugt: „Es bestätigt sich immer mehr, dass es ein guter Auftakt ist für den Ehrenamtstag auf der CMT. Wir erleben hier eine neue Dimension des Glaubens. Die Verknüpfung von Innehalten, zu sich kommen, reisen und Spiritualität ist ein aktueller Trend und passt gut zur CMT-Touristikmesse.“

Gemeinschaft miteinander und mit Gott leben

In der Dialogpredigt von Weihbischof Matthäus Karrer von der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Dr. Evelina Volkmann von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (ELKW) stand der Zusammenhalt aller Menschen im Mittelpunkt. Denn der Sinn des gemeinsamen Gebets sei, so Weihbischof Karrer, die Gemeinschaft miteinander und mit Gott zu leben. Dr. Volkmann erinnerte die Besucher: “Es ist so leicht im christlichen Glauben Gutes zu finden. Die zehn Gebote sagen bereits ´tu nichts Schlechtes, weil es ein Gebot von Gott ist!“ In zwei ausgestrahlten Videos zu den Themen Zusammenhalt und Gemeinschaft erklären Kinder auch die wichtige Bedeutung von Vergebung. Eindrucksvoll sagt ein Junge im Video: „Vergeben ist für mich wichtig, weil man dann das schlechte Gefühl nicht mehr im Herzen hat.“

Innehalten, mitten im Trubel

Der Messestand der Kirchen in Halle 6 stand in diesem Jahr unter dem Motto "Innehalten" – ein Angebot, das mitten im Messetrubel gerne angenommen wurde. Neben der gleichnamigen Broschüre, in der christliche Klöster und Gästehäuser in Baden-Württemberg vorgestellt werden, stellten die kirchlichen Häuser auch ihr großes Veranstaltungsprogramm zum Thema "Innehalten" vor. Denn auch Pilgern auf den verschiedenen Pilgerwegen laden Ruhebedürftige ein, zur Ruhe zu kommen und bei sich selbst anzukommen. Doch auch das breite Angebot für Familien und Jugendliche oder die regionalen Angebote, wie etwa im Schwarzwald oder am Bodensee, begeisterten die Besucher des gemütlich gestalteten Messestandes.

Anregende Gespräche und Atempausen

Haupt- und Ehrenamtliche, die im Freizeit- und Tourismusbereich engagiert oder als Pilgerbegleiter:innen tätig sind, standen am Stand der Kirchen für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Begegnungen mit Weihbischof Matthäus Karrer, Dr. Evelina Volkmann und Prälat Ralf Albrecht von der Prälatur Heilbronn,  Hendrik Lohse sowie mit den Vertretern der Landesarbeitsgemeinschaft Freizeit und Tourismus Dr. Thomas Dietrich und Eva Alke von der Erzdiözese Freiburg, Andreas Waidler und Ingrid Knöll-Herde von der Evangelischen Kirche in Baden und Verena Ernst und Achim Wicker, Kirche und Tourismus bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wurden von den Besuchern gerne angenommen.

Den Besucher:innen der Messe offen und einladend begegnen

Viele Besuchen äußerten den Wunsch, einfach mal zur Ruhe zu kommen und den Alltag hinter sich zu lassen, bestätigt auch Verena Ernst von der Diözese: „Als Kirchen haben wir hier wirklich etwas zu bieten. Die CMT bietet die Möglichkeit, dass diese Angebote auch Menschen erreichen, die von sich aus nicht gezielt kirchliche Angebote suchen würden, sondern auf der Messe zufällig darüber stolpern und sich dann begeistern lassen. Die CMT ist eine tolle Möglichkeit, sich als Kirche im säkularen Raum zu zeigen.“ Der gemeinsame ökumenische Auftritt der Kirchen spräche viele Personen an, so Verena Ernst weiter. Kirchenmitgliedschaft oder Konfession spielten erst einmal keine Rolle. Keiner werde missioniert. Es ginge darum, den Besucher:innen der Messe offen und einladend zu begegnen.“

Eine Kultur der Gastfreundschaft

Kollege Achim Wicker vom Fachbereich Pilgern und Wallfahrtsorte bestätigt die Aussagen seiner Kollegin und ergänzt: „Auf der CMT erreichen wir als Kirche wirklich Menschen, die mit Kirche ansonsten wenig bis keine Berührung mehr haben. Ganz bewusst setzen wir dabei auf eine Kultur der Gastfreundschaft: bei uns bekommt man kostenlos ein Glas Wasser mit Früchten oder kann auf den Sitzmöglichkeiten ausruhen. Viele Besucher möchten ein Segensbändchen oder lassen sich am Stand segnen. Der Ehrenamtstag ist auch für mich ein absolutes Highlight. Toll, dass die Leitung der Messe uns dies ermöglicht.“

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