Orden

Kirche müsste beim Thema Nachhaltigkeit lauter sein

Schwestern in der Mittagspause auf dem Weg zu den Workshops - Foto: DRS/Waggershauser

Ordensleute aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart befassen sich mit der Bewahrung der Schöpfung.

Die Gäste, die am Samstag auf der Bühne der Biberacher Stadthalle von ihrem Umweltengagement erzählt haben, kommen nicht aus dem kirchlichen Umfeld, sondern aus den Bereichen Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Knapp 300 Ordensschwestern, und einige Patres und Ordensbrüder verfolgten aufmerksam die Berichte, wie etwa eine Hochschule oder ein Verpackungsunternehmen das Thema Nachhaltigkeit angehen.

Bischof Gebhard Fürst hatte die Geistlichen Gemeinschaften der Diözese Rottenburg-Stuttgart zusammen mit dem für sie zuständigen Weihbischof Thomas Maria Renz zu dem Begegnungstag eingeladen. Sie kamen bis von Ellwangen an der Jagst und Stuttgart, vor allem aber aus den oberschwäbischen Klöstern wie Untermarchtal, Sießen und Reute. „Heute sind wir für einen Tag Ordensstadt“, würdigte Biberachs Oberbürgermeister Norbert Zeidler in seinem Grußwort das historische Ereignis.

Die Schöpfung bewahren und heilen

Schwester Luzia Zähringer erzählte bei der Talkrunde als einzige Ordensfrau auf dem Podium von einer Gruppe von etwa einem Dutzend Franziskanerinnen in Sießen, die die Gemeinschaft in Sachen Nachhaltigkeit voranbringen. Im Jugendhaus Elisabeth vermitteln sie beispielsweise Erfahrungen mit der Herstellung von Lebensmitteln und die Dankbarkeit für diese. Bischof Fürst lobte in seinem Impulsreferat das Umweltengagement der Orden. Er verwies auf den biblischen Auftrag, die Schöpfung zu bewahren und, wo es möglich ist, zu heilen, wie es auch Papst Franziskus in der Enzyklika „Laudato Si“ fordert.

„Die nachfolgende Generation wird fragen: Was habt ihr getan? Und sie wird uns sagen: Ihr habt alles gewusst“, unterstrich der Bischof die Dringlichkeit. Und er verwies auf die Auswirkungen des Klimawandels, die vor allem Menschen in anderen Kontinenten zu spüren bekämen. Mit ihrer schöpfungsfreundlichen Botschaft müsse die Kirche lauter sein, forderte Schauspielerin Helga Reichert auf dem Podium. „Wir sehen das außerhalb nicht.“ Biberachs Landrat Mario Glaser unterstützte sie darin und bat die Kirchen um Zusammenarbeit. Das habe im sozialen Bereich beim Kümmern um Geflüchtete auch vorbildlich geklappt.

Die Schöpfung ist noch nicht vollendet

Professor André Bleicher, Rektor der Hochschule Biberach, wehrte sich gegen die gesellschaftliche Mentalität „Nach mir die Sintflut“. Auf die Frage von Moderator Alfred Tönnis, Oblatenpater und Bussenpfarrer, wie sich die Kirche beim Thema Nachhaltigkeit einbringen könne, erinnerte Bleicher an eine theologische Aussage. Da die Schöpfung ja noch nicht vollendet sei, gelte es darauf zu achten, was sich weiterentwickle. Valeska Haux von der Firma Südpack in Ochsenhausen sieht eine Aufgabe der Kirche darin, Mut zu machen und Zuversicht zu schaffen.

Von der Lebensfreude und den Ideen von jungen Menschen zu lernen, empfahl die Leiterin der Jugendkunstschule Biberach, Susanne Maier. In einem Videoeinspieler zu Beginn der Diskussion hatten Jugendliche aus der Seelsorgeeinheit Bussen bereits erwähnt, dass die Kirche in bildungsarmen Ländern über das Thema Klimaschutz informieren könnte. Gerd Leipold, ehemaliger Geschäftsführer von Greenpeace international, hob hervor, dass gerade die Katholische Kirche nicht nur das eigene Land, sondern immer die globale Gerechtigkeit im Blick habe. Er regte an, mit dieser Botschaft auch mal mit Leuten der „Letzten Generation“ zu diskutieren.

Schöpfungsbericht und Gegenwart verbinden

In Workshops am Nachmittag vertieften die Ordensleute das Thema Nachhaltigkeit im Gespräch oder im kreativen Tun, bevor ein Pontifikalamt mit Bischof Fürst und Weihbischof Renz in der Stadtpfarrkirche St. Martin den Tag beschloss. Dabei übertrugen einige Ordensfrauen und -männer den biblischen Schöpfungsbericht in die Gegenwart und ein Gebärdenchor formte den Gesang in Gesten.

Während Schwester Gertrud Dobhan aus Untermarchtal im Rückblick die Wertschätzung der Talkgäste gegenüber der Kirche beeindruckte, genoss Schwester Angelika Hinderberger vom Kloster Brandenburg die gute Atmosphäre. Schwester Anna-Felizia Queißer aus Sießen, eine der jüngsten Teilnehmenden, freute sich über die Vielfalt der Gemeinschaften, zu denen auch Ordensleute aus Indien und Afrika zählten. Schwester Magdalena Dilger vom Kloster Heiligenbronn hatte den Tag mitorganisiert. Die Hoffnung nicht zu verlieren, das nimmt die Sprecherin des Ordensrates mit nach Hause. „Es lohnt sich, sich für diese Welt einzusetzen.“

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