Dekanat Ludwigsburg

Kirchliches Arbeitsrecht ändern

Symbolbild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Auf großes Interesse ist ein Themenabend im Katholischen Dekanat zur Initiative #outinchurch gestoßen.

„Das kirchliche Arbeitsrecht muss geändert werden. Es kann nicht sein, dass Menschen in Angst leben und berufliche Nachteile oder gar eine Kündigung befürchten müssen, wenn sie eine gleichgeschlechtliche Ehe eingehen.“ Mit klaren Worten bezieht Dekan Alexander König gegenüber den mehr als 60 Teilnehmenden des Abends Position. Anlass für die Veranstaltung des Katholischen Dekanats Ludwigsburgs war die Initiative #outinchurch und die ARD-Dokumentation „Wie Gott uns schuf“ über queere Menschen in der katholischen Kirche. Stefan Spitznagel, Pfarrer in Marbach, ist Teil der Initiative. Er eröffnete die Veranstaltung und berichtete von den Anfängen der Kampagne und dem Ziel: „Wir sind Kirche. Wir wollen Kirche bleiben. Es geht nicht um einen Apparat oder Strukturen, sondern wir sind Menschen, die communio leben.“ Er sprach dankbar von der bemerkenswert großen Welle an Solidarität, die er und die Initiatoren seit der Veröffentlichung erfahren hätten.

Spitznagel erzählte von der elf-monatigen Vorbereitungszeit der Kampagne und dem Zustandekommen der ARD Kooperation. Neben der TV-Dokumentation gibt es die Homepage www.outinchurch.de und eine Petition www.outinchurch.de/unterstuetzen/. Im Mai erscheint zudem ein Buch und auch auf dem Katholikentag Ende Mai werden Vertreter von #outinchurch dabei sein. Es gehe darum, queeren Menschen in der katholischen Kirche zu ermöglichen, ihren Glauben zu leben. Und er betonte, wie wichtig der Untertitel der Kampagne "für eine Kirche ohne Angst" sei. Dekan König griff diesen Satz auf und sagte: „Wir brauchen in der Kirche eine positive Haltung zu verschiedenen Lebensformen und damit zu den verschiedenen sexuellen Orientierungen.“ Diese positive Sicht der verschiedenen Lebensformen gäbe es in einzelnen kirchlichen Kreisen schon lange, sei aber vom Vatikan nie so anerkannt worden. König merkte an, vieles sei im Moment im Umbruch, in der Gesellschaft insgesamt und in der katholischen Kirche im Besonderen. Es seien viele Themen, die gerade alle gleichzeitig zu einer großen Unzufriedenheit führen – damit aber auch eine Chance mit sich brächten. Der Synodale Weg bringe hier die Möglichkeit, Dinge tatsächlich anzusprechen.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, so König.

Siegbert Kaiser, Vorsitzender des Dekanatsrats Ludwigsburg, sprach seine Hochachtung aus vor den Menschen, die sich mit der Sexualmoral angelegt haben und wies auf die Mut machende Wirkung hin, Kirche tatsächlich zu verändern.

Durch den Abend via Zoom führte Birgitta Negwer, Dekanatsreferentin. Sie sprach die gelungene Solidarität unter den Akteuren von #outinchurch an und lobte: „Durch die Solidarisierung gaben und geben sich die Beteiligten gegenseitig Schutz – und das ist total klug.“ Alle Anwesenden des Themenabends teilten das Lob für den aufgebrachten Mut und zeigten sich dankbar für die Möglichkeit des Austausches. Aus dem Teilnehmerkreis waren Fragen nach Unterstützung der Initiative und Möglichkeiten der Solidarisierung zu hören. Stefan Spitznagel wies hier auf die vorliegende Petition hin, die das Arbeitsrecht und den Umgang mit der kirchlichen Sexualmoral in den Mittelpunkt stellt. Bisher seien über 107.000 Unterschriften eingegangen und sie sei in 13 Sprachen übersetzt worden. Hier dürfe gerne noch weiter für das Unterzeichnen geworben werden. Ziel sei es, diese am ersten Tag der Bischofskonferenz den Bischöfen zu übergeben.

Weitere Ideen aus dem Plenum wurden sowohl in Kleingruppen diskutiert und auch per Chat geteilt: Diese reichten von ´die Regenbogenfahne wieder sichtbar zeigen´, die Aufklärung über Begrifflichkeiten von queer weiter voranzubringen, bis zu Segnungsgottesdiensten für alle Paare am Valentinstag. Alexander König betonte die Wichtigkeit der Anpassung des kirchlichen Arbeitsrechts. Spitznagel unterstrich dabei: „Nur so ist es möglich, dass keine weiteren Deals oder stillschweigende Duldung geschehen, sondern eine echte Annahme und Veränderung der Situation für alle“, so Stefan Spitznagel.

Für die Zukunft wünschte sich Spitznagel so auch eine Auseinandersetzung der Kirchengemeinderäte etwa zum eigenen Umgang mit der Thematik, dort wo sie selbst Arbeitgeber sind, beispielsweise in Kindergärten.

Der Abend signalisierte neben der Solidarität mit den Akteuren der Initiative auch Bereitschaft, über den Tellerrand zu sehen und die weltweite Vernetzung in den Blick zu nehmen, um Menschen bilateral zu unterstützen, die sich für die Thematik engagieren und dabei oft harte Restriktionen und Menschenrechtsverletzungen in Kauf nehmen müssen.