Aktion Hoffnung

Kleidersammel-System steht vor dem Kollaps

Kein schönes Bild: Trotz Sondertouren stapeln sich die Säcke vor den Altkleider-Containern. Foto: Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart e.V.

Übervolle Altkleider-Container zeigen: Da läuft etwas ziemlich schief. Warum die Entsorgung von gebrauchten Textilien so schwierig geworden ist.

Im Schnitt werden die Altkleider-Container der Aktion Hoffnung alle zwölf Tage geleert. In dicht bewohnten Gegenden wie Stuttgart kommt das Abholfahrzeug sogar zweimal in der Woche. Trotzdem türmen sich Säcke voller Schuhe, Hosen, Pullover, Gardinen und auch Kuscheltieren teilweise weit um die Container herum – dieses unschöne Bild sorgt für Frust bei vielen, die vorbeigehen oder selbst noch eine Tüte obendrauf werfen wollen.

Mit ihrem Frust sind die Verbraucher:innen nicht allein. Auch bei Anton Vaas, dem Vorstand der Aktion Hoffnung, ist die Stimmung ziemlich schlecht. „Unsere Fahrer tun alles, sie fahren Sondertouren und versuchen, die Container in einwandfreiem Zustand zu halten“, sagt er. Das klappt aber leider nicht überall, denn das System bricht gerade aus unterschiedlichen Gründen zusammen.

Billigkleidung ist größtes Problem

Das erste und größte Problem ist, dass Kleidung zu einem Konsum- und Wegwerfartikel geworden ist. Gerade im Internet sind Seiten auf dem Vormarsch, auf denen man T-Shirts für ein paar Euro bestellen kann. Das führt dazu, dass die Menschen immer mehr Kleidung besitzen und schließlich auch am Container abgeben. Das Problem für Anton Vaas und die Aktion Hoffnung ist dabei: Diese Textilien sind qualitativ zu schlecht, um sie als Secondhand-Ware zu verkaufen. Sie müssen dann entweder weggeworfen oder, im besten Fall, zu Putzlappen, Malervlies oder Dämmmaterial verarbeitet werden.

Dass ein Teil der gespendeten Kleidung „downgecycelt“ wird, wie Anton Vaas es nennet, ist schon immer so. „Es ist ökologisch richtig und wichtig, das zu tun“, sagt Vaas. Schließlich wollen Putzlappen und Dämmmaterial auch hergestellt werden – da ist es super, wenn das mit Stoffen geschieht, die sonst im Müll landen würden. Nur werden die Spenden, die ausschließlich für diese Weiterverarbeitung geeignet sind, immer mehr und das rechnet sich für Vereine wie die Aktion Hoffnung einfach nicht. Es ist ein Draufzahlgeschäft, sagt Anton Vaas: „Allein die Fahrer, die die Säcke abholen, kosten mehr Geld, als die Ware wert ist“. Ganz abgesehen von den Bergen, die sich wegen der Unmengen an Kleidung vor den Containern auftürmen.

Was passiert mit meinen Kleiderspenden?

Jedes gespendete Teil wird aus dem Container in ein Sortierzentrum gebracht, wo tragbare Kleidung in verschiedene Qualitätsstufen und Sorten getrennt wird. Diese geht in den weltweiten Handel. Nicht mehr tragbare Kleidung wird dem Recycling zugeführt. Daraus werden zum Beispiel Malervliese, Dämmmaterial oder etwa die Hutablage in Autos gefertigt. Damit bleiben die wertvollen Rohstoffe im Kreislauf. Was nicht verwertbar ist, muss im Restmüll entsorgt werden.

Die Situation an den Altkleider-Containern hat sich in diesem Jahr noch einmal verschärft, als die Getrenntsammlungspflicht in Kraft getreten ist. Sie soll regeln, dass alte Kleidung auch wirklich in die Altkleider-Sammlung und danach zum Sortieren und Erfassen gelangt und nicht einfach im Restmüll verschwindet, wo keiner sie nachverfolgen kann. Anton Vaas sagt, dass diese Regel in Deutschland nichts verändert, weil die sogenannte Erfassungsquote von alten Textilien sowieso schon bei 64 Prozent lag. Durch die neue Regel sind die Verbraucher:innen aber verunsichert und packen alles, egal wie dreckig oder kaputt, in Altkleidersäcke und nicht mehr in den Restmüll. Das lässt die Mengen an den Containern weiter steigen. „Ich sag es mal so: Die Kleidung, die bisher im Restmüll gelandet ist, die gehört da auch hin“, so Vaas.

Als wäre das nicht genug, haben einige Anbieter bereits kapituliert und ihre Kleider-Container abgebaut. Laut Anton Vaas geht man davon aus, dass seit Jahresbeginn rund 30 Prozent bereits abgebaut worden sind. „Das führt zu einem Kollaps bei den noch bestehenden Containern“, so Vaas.

2027 folgt die nächste Regelung

Was ist also zu tun? Finanziell versucht sich die Aktion Hoffnung mit Zuschüssen über Wasser zu halten, die gerade mit den Landkreisen verhandelt werden. Denn die sind dafür zuständig, die Getrenntsammlungspflicht umzusetzen. Und das wird ohne Container wie die der Aktion Hoffnung richtig schwierig. „Ohne uns wäre ein ganz neues Sammelsystem nötig“, sagt Anton Vaas. Daher hofft man nun darauf, dass das altbewährte System beibehalten und bezuschusst wird. Zumindest bis 2027, denn da kommt schon die nächste Neuerung: die erweiterte Produktverantwortung für Textilien. Die besagt, dass jeder, der erstmalig ein Kleidungsstück verkauft, vorab schon für dessen Sammlung und Verwertung bezahlen muss. Anton Vaas setzt darauf, dass damit wieder etwas Ruhe auf dem Kontoauszug des Vereins einkehrt. Käufer:innen müssen sich dagegen darauf einstellen, dass die Mehrkosten auf sie umgelegt werden. Pro Kleidungsstück sollten das aber nur wenige Cents sein.

Die einfachste und offensichtlichste Lösung, um übervolle Container zu vermeiden, ist natürlich: weniger und hochwertigere Kleidung kaufen. „Mein Opa hat immer gesagt, er ist zu arm, um sich einen Kruscht zu kaufen“, meint Anton Vaas und will damit sagen, dass qualitativ hochwertige Kleidung nicht unbedingt eine Frage des Geldes ist.

Die Aktion Hoffnung

Die Aktion Hoffnung ist eine kirchliche Hilfsorganisation der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie betreibt in der Diözese rund 1350 Altkleider-Container, die pro Jahr rund 6000 Tonnen Alttextilien sammeln. Außerdem unterhält der Verein fünf Secondhand-Shops, die Secontiquen. Die Aktion Hoffnung hat neun Mitgliedsverbände, an die auch der Erlös der Kleidersammlungen geht: Ackermann-Gemeinde, BDKJ Rottenburg-Stuttgart, BDKJ Freiburg, Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Katholische Arbeitnehmerbewegung, Pax Christi, Katholischer Deutscher Frauenbund, Kolpingwerk und Verband Katholisches Landvolk.

Weitere Nachrichten

Auszeichnungen
Die Preisträgerinnen und Preisträger und die Jury des Caritas Medienpreises stehen mit den Vorständen der Caritas Baden-Württemberg beim Gruppenbild zusammen.
Beim Jahresauftakt stellt die Caritas ihre Kampagne für 2026 vor und verleiht zum mittlerweile 37. Mal ihren Medienpreis.
Weiterlesen
Soziales
Anlässlich der Visitation der karitativen Träger in der Diözese besuchte Bischof Dr. Klaus Krämer die Stiftung Haus Lindenhof in Schwäbisch Gmünd.
Weiterlesen