Franziskuspreis

Klima und Nachhaltigkeit im Fokus

Den 1. Platz erhielt das „Freiwilligenzentrum Caleidoscop“ im Caritasverband für Stuttgart e.V.. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Thomas Brandl

Zum siebten Mal hat Bischof Fürst die Franziskuspreise der Diözese vergeben für vorbildliches Engagement im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit.

56 Grad im Sommer in Mexiko, mehr als 45 im Süden Spaniens, Waldbrände von der Größe Baden-Württembergs, Bayerns und Niedersachsens zusammen in Kanada, dafür innerhalb von drei Tagen doppelt so viel Regen in Griechenland wie in Berlin im ganzen Jahr, versiegende Brunnen in Südfrankreich, 30 Grad am 13. Oktober in Stuttgart – nur die hartnäckigsten Realitätsverweigerer können sich der Erkenntnis verschließen, dass der menschengemachte Klimawandel längst da ist. Seit dem Jahr 2008 zeichnet die Diözese Rottenburg-Stuttgart Projekte und Aktionen auf ihrem Gebiet aus, die sich der Bewahrung von Gottes Schöpfung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung verschrieben haben. Dass diese Initiative von Bischof Dr. Gebhard Fürst auf fruchtbaren Boden gefallen ist, zeigt die Rekordzahl von 36 Bewerbungen für den Preis in diesem Jahr.

Erste Preis für das „Freiwilligenzentrum Caleidoscop“

Der erste Preis mit einem Preisgeld von 6.000 Euro ging an das „Freiwilligenzentrum Caleidoscop“ im Caritasverband für Stuttgart e.V. für das Projekt „Caleidoscop – bunt nur grüner und HEY ALTER! Stuttgart – Alte Rechner für junge Leute“. Die Initiative „Bunt nur grüner“ subsummiert dabei Kleinprojekte mit ökologischem und sozialem Fokus innerhalb der Stuttgarter Stadtgesellschaft, zum Beispiel den Bau von Hochbeeten in Kooperation mit Kirchengemeinden und Firmen, die Information über Klimagerechtigkeit und Klimaflüchtlinge und eine Börse zum Tausch gebrauchter Kleidung. Als besonders bemerkenswert stufte die Jury unter Vorsitz des früheren baden-württembergischen Umweltministers Franz Untersteller das Projekt „HEY ALTER!“ ein. In dessen Rahmen werden alte, aber noch funktionsfähige Laptops aufgearbeitet und bedürftigen Familien und Jugendlichen zur Verfügung gestellt. Angestoßen wurde diese Initiative durch die Corona-Pandemie und durch die jüngst stark gestiegenen Lebenshaltungskosten; sie ermöglicht armen Familien und deren Kindern die soziale Teilhabe mit digitalen Endgeräten.

Den zweiten Preis mit 2.000 Euro Dotation erkannte die Jury der Katholischen Fachschule für Sozialpädagogik St. Martin in Neckarsulm für ihr Projekt „Streuobstwiese, Schul-Imkerei, Insektenhotels und Blumensamen für alle“ zu. Die drei genannten Themenfelder gehören dort zur Ausbildung angehender Erzieher:innen. Besonders vorbildlich, so die Jury, sei in Neckarsulm die Zusammenarbeit mit Schulen, Gruppen und Organisationen, aber auch der Kommune. Mit einbezogen in das Projekt sind vor Ort auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Migrationshintergrund.

Über den dritten Preis mit einem Preisgeld von 1.000 Euro durfte sich die Katholische Kirchengemeinde St. Karl Borromäus in Winnenden freuen für ihre langjährige Unterstützung der „St. Karl Borromäus School“ im indischen Bundesstaat Orissa. Dank der Hilfe aus Winnenden konnte die Schule in mehreren Etappen ausgebaut werden und hat jetzt eine Photovoltaik-Anlage zur sauberen Stromerzeugung bekommen, die je zur Hälfte von der Winnender Kirchengemeinde und der Hauptabteilung Weltkirche im Bischöflichen Ordinariat in Rottenburg finanziert wurde. Den vierten Preis mit einem Preisgeld von jeweils 500 Euro teilten sich das Institut für Soziale Berufe Ravensburg mit dem Kindergarten St. Johannes Amtzell und die Kindertagesstätte beim Klinikum Friedrichshafen für das Projekt „Philosophieren mit Kindern über das Thema Nachhaltigkeit“.

Als ganz besondere, nur Einzelpersonen zugedachte Auszeichnung für ihr Engagement im Bereich Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung ging die Franziskusmedaille 2023 an den Diakon Michael Weimer aus Albstadt. Dieser hat vor vielen Jahren die „Vinzentinischen Ersthelfer Albstadt“ gegründet und führt sie seitdem, so Bischof Fürst,  „mit immer neuen Ideen und Impulsen für soziale und ökologische Anliegen in missionarisch-diakonischer Weise weiter“.

Bewahrung der Schöpfung muss im Fokus bleiben

Wie dicht der Einsatz für eine intakte Umwelt mit dem christlichen Menschenbild und auch der Bibel verknüpft ist, machte Laudator Franz Untersteller mit einem Querverweis zum jüngsten apostolischen Mahnschreiben „Laudate Deum“ von Papst Franziskus deutlich. „Wie sehr man auch versuchen mag, sie zu leugnen, zu verstecken, zu verhehlen oder zu relativieren“, steht dort zu lesen – „die Anzeichen des Klimawandels sind da und treten immer deutlicher hervor.“ Der ehemalige Umweltminister und Grünen-Politiker nannte das Schreiben „ein starkes Signal für die Schöpfungsverantwortung“ und einen eindringlichen Appell, „dass wir entschiedener vom Reden zum Tun gelangen müssen“. Ordinariatsrätin Karin Schieszl-Rathgeb, deren Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft den Franziskuspreis ausschreibt und organisiert, bezog sich in ihrer Rede ebenfalls auf den Papst persönlich. Dieser habe vor einigen Jahren gesagt, die Menschheit habe die Schöpfung, das „gemeinsame Haus Erde ruiniert“. Inzwischen, so Schieszl-Rathgeb, sei die Zerstörung noch weiter fortgeschritten: „Unsere Hütte brennt längst!“

Umso wichtiger ist es Bischof Gebhard Fürst, dass die Basis der katholischen Kirche auch nach seinem altersbedingten Amtsverzicht Ende dieses Jahres an der Bekämpfung der Klimakrise dran bleibt: „Ich danke allen Christinnen und Christen in unserer Diözese von Herzen, wenn sie diesen Impuls aufgreifen und sich in ihrer Kirchengemeinde, Einrichtung, Gruppe, ihrer Ordensgemeinschaft, ihrem Verband oder auf der Ebene der Diözese für die Bewahrung der Schöpfung engagieren.“

Franziskuspreis 2023 - die Preisträger:innen

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