Herr Hiller, seit knapp zehn Jahren gibt es wieder den Kolomanritt in Wetzgau. Was steckt hinter der Neuauflage dieser alten Tradition?
Es gibt ein Ölbild aus dem Jahr 1746, das die Wallfahrt zeigt: Bis um das Jahr 1790 gab es in Wetzgau am Pfingstmontag einen Pferdeumritt. Dieses Bild ist mir seit meiner Ministrantenzeit nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Anlässlich der 750-Jahr-Feier der Ortschaft Wetzgau hat der Kirchengemeinderat entschieden, dieses Bild und diese Tradition wieder aufleben zu lassen. 2016 war dann der Beginn dieser Tradition in der Neuzeit. Jetzt haben wir diese Veranstaltung im zweijährigen Rhythmus fest im Programm der Kirchengemeinde verankert.
Was hat denn der heilige Koloman den Menschen heute zu sagen?
Der ursprüngliche Hintergrund, dass der Heilige Koloman Vieh und Pferde schützt, ist etwas in den Hintergrund getreten. Unser Ansatz ist der Umgang mit Fremden und Zuwanderern. Koloman, der im elften Jahrhundert als Pilger oder Wanderprediger unterwegs war, erlitt in Niederösterreich den Märtyrertod, weil er der österreichischen Sprache nicht mächtig war und als Spion verdächtigt wurde. Heute gibt es leider immer noch Vorurteile gegenüber Fremden, die vielleicht die deutsche Sprache nicht beherrschen und deshalb ausgegrenzt oder diskriminiert werden. Koloman mahnt uns zu Toleranz und achtsamem Umgang mit Menschen, die anders sind als wir.




