Brauchtum

„Koloman mahnt uns zu Toleranz“

Ein Fest zu Ehren des heiligen Koloman: Die inzwischen (wieder) etablierte Reiterprozession mit Pferdesegnung findet zum siebten Mal am Sonntag, 20. Juli in Schwäbisch Gmünd-Wetzgau statt. Foto: drs/Jerabek

Schöpfungsverantwortung und Toleranz: Warum der Kolomanritt am 20. Juli nicht nur für Pferdefreunde segensreich ist erklärt Organisator Hubert Hiller.

Herr Hiller, seit knapp zehn Jahren gibt es wieder den Kolomanritt in Wetzgau. Was steckt hinter der Neuauflage dieser alten Tradition?

Es gibt ein Ölbild aus dem Jahr 1746, das die Wallfahrt zeigt: Bis um das Jahr 1790 gab es in Wetzgau am Pfingstmontag einen Pferdeumritt. Dieses Bild ist mir seit meiner Ministrantenzeit nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Anlässlich der 750-Jahr-Feier der Ortschaft Wetzgau hat der Kirchengemeinderat entschieden, dieses Bild und diese Tradition wieder aufleben zu lassen. 2016 war dann der Beginn dieser Tradition in der Neuzeit. Jetzt haben wir diese Veranstaltung im zweijährigen Rhythmus fest im Programm der Kirchengemeinde verankert.

Was hat denn der heilige Koloman den Menschen heute zu sagen?

Der ursprüngliche Hintergrund, dass der Heilige Koloman Vieh und Pferde schützt, ist etwas in den Hintergrund getreten. Unser Ansatz ist der Umgang mit Fremden und Zuwanderern. Koloman, der im elften Jahrhundert als Pilger oder Wanderprediger unterwegs war, erlitt in Niederösterreich den Märtyrertod, weil er der österreichischen Sprache nicht mächtig war und als Spion verdächtigt wurde. Heute gibt es leider immer noch Vorurteile gegenüber Fremden, die vielleicht die deutsche Sprache nicht beherrschen und deshalb ausgegrenzt oder diskriminiert werden. Koloman mahnt uns zu Toleranz und achtsamem Umgang mit Menschen, die anders sind als wir.

Reiterprozessionen gelten ja auch als eine Chance, Menschen zu erreichen, die die Kirche sonst vielleicht nicht mehr erreicht. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Wir waren anfangs eher skeptisch, inwieweit dieser Ritt in unserer Region ankommt. Tatsächlich ist es so, dass wir Teilnehmer haben, die nicht so mit der Kirche verbunden sind. Und doch stellen wir dann fest, wenn es zur Segnung kommt, Gebete gesprochen und das Kolomanlied gesungen wird, dass Reiter:innen und Zuschauer, die nicht zu den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern zählen, mit Herz und Seele dabei sind. Auch unter dem Aspekt des Dankes für Gottes Schöpfung. Über Wiesen und vorbei an Getreidefelder zu reiten, vermittelt noch einmal stärker den Sinn, mit der Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen.

Das ist jetzt der siebte Ritt. Wie schaffen Sie es, Helfer zu gewinnen und bei der Stange zu halten?

Stadt und Ortschaft stehen dahinter. Vor allem die Feuerwehr und in diesem Jahr auch die Narrenzunft stellen Ordner. Es hängt aber immer auch mit der Pflege persönlicher Beziehungen zusammen. Auch eine Freundesclique meines Sohnes, die sonst wenig mit der Kirchengemeinde zu tun hat, hilft ganz selbstverständlich mit.

Warum lohnt es sich, auch als Auswärtiger beim Kolomanritt dabei zu sein?

Da ist zum einen die Atmosphäre einer Reiterprozession, das ist ja nicht alltäglich. Zum anderen sind es aber auch die Gedanken aus der Predigt, etwa was den Umgang mit der Schöpfung und mit Fremden anbelangt, die man aufgreifen kann. Ich bin dankbar, dass es immer wieder gelingt, prominente Festprediger und Teilnehmer zu gewinnen. In diesem Jahr hat Dekan Robert Kloker als Reliquienreiter zugesagt. Natürlich stehen wir im Schatten der großen oberschwäbischen Pferdewallfahrten. Aber im Remstal gibt es solche Prozessionen nicht, und bei uns kann man das miterleben, ohne den weiten Weg nach Weingarten zu gehen. Das großartige Engagement der Helfer und das Interesse der Bevölkerung an der Veranstaltung auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände und an der Prozessionsstrecke zu sehen, freut mich sehr.

Programm

Ein Fest zu Ehren des heiligen Koloman 

Kolomanritt in Schwäbisch Gmünd-Wetzgau am Sonntag, 20. Juli:

9.30 Uhr     Gottesdienst am Kreuztisch auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände Himmelsgarten Wetzgau
10.30 Uhr   Aufstellung der Reiter und Start auf dem Parkplatz Himmelsgarten
10.45 Uhr   Prozession durch den Landschaftspark
11.00 Uhr   Begrüßung, Gebete mit Kolomanlied, Segnung der Felder und Fluren an den Kolomanlinden
11.30 Uhr   Gebet und Dank am Flurkreuz an der Tannwaldstraße
11.45 Uhr   „Segen to go" an der Kolomankirche von Pfarrer Paul Raj und Verabschiedung der Teilnehmer

Die Reiterprozession wird angeführt von Kreuzesträgerin Carolin Stegmaier. Die Segnungen auf dem Prozessionsweg werden von Dekan Robert Kloker aus der Kutsche vorgenommen; er trägt das Ostensorium aus dem Jahr 1790 mit der Reliquie des Hl. Coloman.

Ab 11.30 Uhr Bewirtung mit den Einhornmusikanten am Dorfgemeinschaftshaus im Himmelsgarten. Nachmittags Familienprogramm sowie Kaffee und Kuchen.