Fastenzeit

Kommunikation in Schnipseln

Gespräch zum Hungertuch

Künstler Emeka Udemba spricht mit Ingrid Wegerhoff, Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung Stadt- und Landkreis Heilbronn, über seine Arbeit. Foto: DRS/Guzy

Emeka Udemba hat das neue Misereor-Hungertuch gestaltet. Bei der Katholischen Erwachsenenbildung erklärt er nicht nur den Entstehungsprozess.

Zwei Paar Hände halten behutsam einen Erdball. Ein Gewirr aus Schnipseln scheint durch den kräftig-roten Hintergrund. Das Motiv des neuen Misereor-Hungertuchs öffnet nicht nur den Betrachter:innen Raum für Erkundungen.

„Ich entdecke selbst jeden Tag etwas Neues“, sagt Emeka Udemba. Er hat das Hungertuch für die diesjährige und die nächstjährige Fastenzeit geschaffen. Nun sitzt der Künstler vor einer großformatigen Reproduktion im Saal des Heinrich-Fries-Hauses und erklärt dem Publikum sein Werk. Ingrid Wegerhoff, Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung (keb) Stadt- und Landkreis Heilbronn und Moderatorin des Gesprächsabends, fragt nach den Gedanken und Gefühlen, die darin stecken.

Collage aus Schlagzeilen

Kommunikation sei ein zentrales Thema seiner Arbeit, erklärt Udemba. Zeitungsartikel bilden die Grundierung des Werks. Diese hat der Künstler zunächst auf die Leinwand geklebt und dann übermalt. Schicht für Schicht hat er dann eine Collage aus weiteren Zeitungsschnipseln aufgebaut. Die sichtbaren Fragmente der Schlagzeilen liefern Stichworte: „Der Anfang“, „Der Mensch“, „Farbe bekennen“, „Das kostet die Welt“.

Udemba wurde 1968 in Enugu in Nigeria geboren. Er studierte Kunst an der Universität von Lagos und lebt und arbeitet heute in Freiburg. Ein Hungertuch gestalten zu können, bezeichnet der Künstler als Ehre. Für ihn ist das Tuch eine Plattform, darüber nachzudenken, wie wir unsere Lebensgewohnheiten gestalten, wie wir mit der Erde umgehen. Auch die Informations- und Nachrichtenflut spiegelt sich in seiner Arbeit wider. Ansonsten überlässt Udemba den Betrachter:innen ihre eigenen Interpretationen. Denn die verschiedenen Sichtweisen bereicherten ein Kunstwerk, beantwortet er eine Publikumsfrage nach dem zulässigen Deutungsspielraum.

Anregungen für den Schulalltag

Das Gespräch zwischen Wegerhoff und Udemba findet an dem Abend zweimal statt. Die Kooperationsveranstaltung zwischen der keb, der Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart, dem Dekanat Heilbronn-Neckarsulm, der Fachstelle Kirche und Schule, dem Religionspädagogischen Institut und den Schuldekanaten richtet sich zunächst speziell an Lehrer:innen und Erzieher:innen.

Sarah Behling-Vogelmann, Fachreferentin Globales Lernen bei der Diözese, gibt ihnen Anregungen für den Unterricht. Diese greifen zum Beispiel den Titel des Hungertuchs „Was ist uns heilig?“ auf, um die Schüler:innen zu eigenen Collagen anzuregen. Lioba Diepgen, Dekanatsbeauftragte Kirche und Schule, stellt eine Idee aus der Schulpastoral vor: Ein aufblasbarer Globus wird in Anlehnung an das Bildmotiv durch die Reihen gereicht. Dann dürfen die Zuschauer:innen Klebestreifen auf dem Ball anbringen, die in kurzen Stichworten erklären, was die Welt heilt.

Ideen für die Kirchengemeinden

Die zweite Ausgabe des Künstlergesprächs eine Stunde später richtet sich dann an ein allgemeineres Publikum. Dekanatsreferent Michael Dieterle stellt ihm beispielsweise für die Arbeit in der Kirchengemeinde die Materialien vor, die Misereor zum neuen Hungertuch bietet.

Die Motive der vergangenen Hungertücher sind Elfriede Kochner vertraut. Eines ist ihr prägnant in Erinnerung geblieben: Eine Frau karrt in einem Ölfass Wasser herbei, beschreibt sie. Das Bild habe sie vor Augen, während sie die Gesprächsveranstaltung verfolgt, sagt Kochner. Denn seit mehreren Jahren stelle sie in der Kirchengemeinde St. Johann-Baptist in Untergriesheim das jeweils aktuelle Hungertuch vor – diesmal vielleicht in einer kleinen Andacht. „Die Leute nehmen es dankbar an, wenn man das Hungertuch erklärt“, berichtet die ehrenamtlich Engagierte.

Geschichte des Hungertuchs

Seit 1976 präsentiert das katholische Hilfswerk Misereor jedes zweite Jahr zur Fastenzeit ein neues Hungertuch. Dieses wird meistens von Künstlerinnen und Künstlern aus Lateinamerika, Afrika oder Asien gestaltet. Es begleitet die Fastenaktion und wirbt um Unterstützung.

Damit greift das Hilfswerk einen jahrhundertealten Brauch auf: Hunger- oder auch Fastentücher verdeckten einst den Altar. Sie illustrierten zugleich für die in früheren Epochen zumeist des Lesens unkundigen Gemeindemitglieder die Bibel. Die Hungertücher der Neuzeit machen mit ihren Darstellungen insbesondere auf Armut, Gewalt und Umweltprobleme im Globalen Süden aufmerksam.

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