Friedensglocken

Kontrapunkt für die Hoffnung

Weihbischof Matthäus Karrer hat am Sonntag in Maulbronn eine neue Glocke geweiht. Sie ersetzt die von den Nazis geraubte Glocke aus Slawianowo, Polen. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Thomas Brandl

Weihbischof Matthäus Karrer hat am Sonntag in Maulbronn eine neue Glocke geweiht. Sie ersetzt die von den Nazis geraubte Glocke aus Slawianowo, Polen.

Festtag für die 1.200 Mitglieder zählende Kirchengemeinde St. Bernhard in Maulbronn: Weihbischof Matthäus Karrer hat am Sonntagnachmittag im Rahmen eines Gottesdienstes eine neue Glocke für das 1956 erbaute Gotteshaus im äußersten Westen der Diözese geweiht – sie ersetzt ab 11. Mai eine Glocke aus dem hinterpommerschen Steinmark (heute: Slawianowo in Polen), welche die Nazis im Zweiten Weltkrieg geraubt hatten.

Glocke entging der Einschmelzung zu Rüstungszwecken

Die 500 Kilo schwere, 1817 von Johannes Meyer und August Schumacher in Neustettin gegossene Glocke war der Einschmelzung zu Rüstungszwecken entgangen und kam 1956 in die neue Kirche nach Maulbronn. Gemeinsam mit drei weiteren Glocken aus dem Norden Polens soll sie in den nächsten Monaten im Wege des Projektes "Friedensglocken für Europa" der Diözese Rottenburg-Stuttgart in ihre Heimat zurückgebracht werden.

Gerade in den aktuell herausfordernden Zeiten "mit Krieg wieder mitten in Europa, großen Umbrüchen überall, dem Klimawandel und einer jungen Generation, die sich fragt, ob sie noch eine Zukunft hat", so Weihbischof Karrer, sei es wichtig, ganz bewusst einen Kontrapunkt für die Hoffnung zu setzen – "und das tun wir heute mit der Weihe dieser Friedensglocke". Der Gast aus Rottenburg zelebrierte die Messe gemeinsam mit Ortspfarrer Dr. Uchechukwu Nnajiofor und dem Mühlackerer Dekan Dr. David Pankiraj.

Impressionen aus Maulbronn und Slawianowo

Entstehung der neuen Glocke war eine spannende Zeit

Die Gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Eva Hasenfratz, ging im Gottesdienst auf die Vorgeschichte der Glockenweihe ein, von der Nachricht, dass im Kirchturm eine Raubglocke der Nazis hängt, über die ersten Pläne, mit Unterstützung der Diözese eine neue gießen zu lassen und die alte zurück zu geben, bis hin zur Fahrt nach Passau zum Glockenguss unter Führung der KGR-Kollegin Monika Mauch und schließlich zur Weihe an diesem Sonntag: "Die Entstehung unserer neuen Glocke war eine sehr spannende Zeit für uns."

Gerne möchte die Kirchengemeinde Kontakte zu jener im knapp 1.000 Kilometer entfernten Slawianowo knüpfen – der Idee der "Friedensglocken" von Völkerverständigung über Grenzen hinweg folgend. Hoch erfreut zeigten sich deshalb die Maulbronner über die Fotos, die das Glockenteam der Diözese von einer Vorbereitungsfahrt vor drei Wochen aus Slaianowo mitgebracht hatte. Im freistehenden Glockenstuhl des Holzkirchleins ist die Lücke gut zu sehen, die demnächst die Heimkehrerin aus Maulbronn füllen wird.      

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