Kunst

Kunstwerke zeigen unsere Verletzlichkeit

Mit ihrer Videoarbeit „Depressed Animals“, die in der Zeit zwischen 2018 und 2020 entstand, schildert Elisa Jule Braun Vulnerabilität aus einer nicht-menschlichen Perspektive heraus. Bild: Elisa Jule Braun © VG Bild-Kunst, Bonn (2022)

Georg Lutz sucht für seine Filmarbeit „The Fruits of our Land“ verschiedene Orte in Europa auf, die auf Flüchtlingswegen liegen, und filmt sie pur, trocken und nur mit Originaltönen hinterlegt. So wie dieses Bild zeigt, auch auf der griechischen Insel Lesbos. Bild: Georg Lutz

Im Rahmen seiner Performance "Becoming Mountains/Mit einem Schritt", macht sich Simon Pfeffel bewusst verletzlich: Er geht unter anderem vier Kilometer zur Kirche St. Maria in Stuttgart; ein Bein ist dabei rechtwinklig an einer Skulptur fixiert. Er benötigt Krücken, um vorwärts zu kommen und ist auf Hilfe angewiesen. Bild: Benjamin Breitkopf, Courtesy: Galerie Burster. © VG Bild-Kunst, Bonn (2022)

Rund 600 Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland haben sich am Wettbewerb "Vulnerable" beteiligt. Drei Hauptpreise wurden vergeben.

Mit rund 600 eingereichten Arbeiten stieß der Kunstwettbewerb „Vulnerable – Verletzlich“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart deutschlandweit auf ein sehr großes Interesse. Ziel der Ausschreibung war es, junge Kreative während der Corona-Pandemie zu fördern und ihnen eine Plattform zur Präsentation aktueller Arbeiten zu bieten.

Die mit namhaften Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen Kunst, Kultur und Theologie besetzte Jury, traf aus den eingereichten Werken nun ihre Auswahl: Neun Arbeiten erhalten einen Hauptpreis, 16 weitere Wettbewerbsbeiträge bekommen einen Förderpreis. 

Drei Hauptpreise vergeben

Den mit jeweils 8.000 Euro dotierten ersten Platz in der Kategorie „Hauptpreise“ erhalten Elisa Jule Braun aus Berlin mit der Videoarbeit „Depressed Animals“, in der sie die Verletzlichkeit der Natur, aber auch des Menschen und der Technik offenlegt, die ein ausbeuterischer Kapitalismus verursacht hat, wie es in der Begründung der Jury heißt; Georg Lutz aus Stuttgart sicherte sich einen ersten Platz mit dem Filmbeitrag „The Fruits of our Land“, in dem er sich mit dem Thema „Flucht und Migration“ beschäftigt, und Simon Pfeffel aus Pforzheim mit seiner Performance „Becoming Mountains“, in der er sich – auf Krücken und auf die Hilfe seiner Mitmenschen angewiesen – unter anderem auf einen vier Kilometer langen Weg zur Kirche St. Maria in Stuttgart begibt.

Mehr Preisträgerinnen und Preisträger

Teilnahmebedingung für den Wettbewerb war eine professionelle künstlerische Ausbildung an einer Kunstakademie oder Hochschule. Zugelassen waren sowohl Studierende als auch Absolventinnen und Absolventen aller kreativen Studiengänge, deren Abschluss nicht länger als zehn Jahre zurücklag.

Wegen der hohen künstlerischen Qualität der eingereichten Arbeiten wurde die Zahl der Preisträgerinnen und Preisträger von 20 auf 25 erweitert. Die 2. Hauptpreise wurden mit je 6.000 Euro dotiert und die 3. Hauptpreise mit jeweils 4.000 Euro. 

 

Mit der Frage nach der Verletzlichkeit,
so zeigen uns die Werke,
stellt sich die Frage nach Gott und nach seinem Verhältnis
zu den Menschen und zur Schöpfung ganz neu.

Bischof Dr. Gebhard Fürst

 

Dr. Gebhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der die Schirmherrschaft des Wettbewerbs innehat, stellt anerkennend fest: „Die Kunstwerke führen uns auf eindrückliche Weise die Verletzlichkeit des Menschen und seiner Mit- und Umwelt vor Augen. Mit der Frage nach der Verletzlichkeit, so zeigen uns die Werke, stellt sich die Frage nach Gott und nach seinem Verhältnis zu den Menschen und zur Schöpfung jedoch ganz neu.“ Er danke den Künstlerinnen und Künstlern für ihre Auseinandersetzung mit dem Thema, denn diese habe die Gottesfrage – jenseits der Aktualität der Corona-Pandemie und des Kriegs in der Ukraine – neu gestellt und insofern sei sie eine große Inspiration.

Beeindruckende inhaltliche und formale Vielfalt

Laut Dr. Melanie Prange, Leiterin des Diözesanmuseums Rottenburg, die für die Umsetzung des Wettbewerbs verantwortlich zeichnete, waren die Jurymitglieder tief beeindruckt angesichts der inhaltlichen und formalen Vielfalt an Interpretationen des Wettbewerbsthemas. Eingereicht worden seien Installationen, Video- und Soundarbeiten, Projektionen und Performances sowie Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen.

Die Beiträge befassten sich mit anthropologischen und existenziellen Fragen, drängende gesellschaftspolitische Themen würden aufgegriffen und einige Arbeiten rückten das künstlerische Schaffen selbst in den Fokus. „Teilweise sind die Arbeiten aus sehr persönlichen Erfahrungen und Schicksalen entstanden, deren Intimität und individuelle Bewältigung tief berühren“, sagt Prange.

Preisverleihung und Vernissage beim Katholikentag in Stuttgart

Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen des 102. Deutschen Katholikentags bei der Vernissage am Freitag, 27. Mai, um 19.30 Uhr mit Bischof Dr. Gebhard Fürst und den Mitgliedern der Jury in der Kirche St. Maria in Stuttgart. Dort wird auch ein Teil der Kunstwerke bis Sonntag, 24. Juli, ausgestellt.

Zusätzlich wird es zwischen den beiden Sonntagen am 19. Juni und 28. August eine Tandemausstellung im Diözesanmuseum Rottenburg mit dem anderen Teil der prämierten Werke geben. Die Vernissage dieser Ausstellung mit Weihbischof Dr. Gerhard Schneider beginnt am Sonntag, 19. Juni, um 15 Uhr.  

Die Preisträgerinnen und Preisträger

Hauptpreise: 1. Platz: Elisa Jule Braun aus Berlin mit „Depressed Animals“, Georg Lutz aus Stuttgart mit „The Fruits of our Land“ und Simon Pfeffel aus Pforzheim mit „Becoming Mountains“. 2. Platz: Clara Alisch aus Bremen mit „Lactoland“, Joscha Bender aus Mönchengladbach mit „The Dough“ und Lena Kaapke aus Kiel mit „Wasser zum Trinken“. 3. Platz: Fiona Marten aus Karlsruhe mit „Ohne Titel“, Kriz Olbricht aus Köln mit „Pyramus und Thisbe“ und Alina Röbke aus Mainz mit „Mother, Maiden, Whore“.

Förderpreise: Christopher Amm aus Berlin mit „Im Grünen (Dolores)“, Katarina Baumann aus Karlsruhe mit „Die Relativen“, Vlad-Lucian Brateanu aus Berlin mit „get your shit together and stay balanced“, Seonah Chae aus Braunschweig mit “Wind doesn't blow twice in the same place“, Sarah Degenhardt aus Karlsruhe mit „Substitute“, Dominik Geis aus Düsseldorf mit „Stigma“, Eva Gentner aus Mannheim mit „‘Boobs‘,  o. T.“, Maik Graef aus Hamburg mit “Old dreams waiting to be realized”, Emese Kazar aus Bremen mit „Beweinung“, Frederic Klamt aus Halle Saale mit „Scratchface Returns“, Michael Kranz aus München mit „myBorder’s JOYfence“, Viktoria Kurnicki aus Bochum mit „Immer nur eine Annäherung“, Oscar Lebeck aus Leipzig mit „Cella“, Sangchul Lee aus Düsseldorf mit „Ohne Titel“, Nadjana Mohr aus Köln mit “Suits_SMLXL (blue yellow pink rosa)“ und Moritz Urban aus Offenbach am Main mit „Fort Comfort“.

Die 25 gezeigten Arbeiten werden in einem Band vorgestellt, der auch als Ausstellungskatalog für die Präsentation der Kunstwerke in der Kirche St. Maria in Stuttgart und im Diözesanmuseum Rottenburg dient. Weitere Informationen gibt es auch im Internet: dioezesanmuseum-rottenburg.de/vulnerable-preistraegerinnen/

Die Jurymitglieder

Der Jury gehören an: Prof. Axel Heil (Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe – Experimentelle Transferverfahren), Prof. Leni Hoffmann (Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe – Malerei, Skulptur, Installation); Prof. Dr. Hildegund Keul (Julius‐Maximilians‐Universität Würzburg, Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft); Prof. Matthias Kohlmann (Hochschule Pforzheim, Design PF Fakultät für Gestaltung und Zeichnung); Prof. Dr. Pia Müller‐Tamm (Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe); Prof. Heiner Schmitz (ehem. Fachhochschule Dortmund, Fotograf); Joana Pape, M.A. (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg, Referat 52/Museen und Bildende Kunst); Prof. Dr. Stephan Winter (Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen), Sebastian Schmid (Kurator „St. Maria als“ – Kirche des Dialogs und der Vernetzung, Stuttgart); Dr. Melanie Prange (Leiterin des Diözesanmuseums Rottenburg und Diözesankonservatorin).

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