Kunst & Kultur

LEERWERDEN lädt zum loszulassen ein

Die Installation LOSLASSEN des Künstlers Frederick Bunsen in der Kirche St. Karl Borromäus in Winnenden. Foto: Rupert Kern

Die Installation des Künstlers Frederick Bunsen ist vom 20. März bis 5. April in der Kirche St. Karl Borromäus in Winnenden zu erleben.

16 Tage lang wird die Kirche St. Karl Borromäus eine Kunstinstallation von Frederick Bunsen beheimaten. Passend zur Fastenzeit und zu Ostern lädt LEERWERDEN ein, loszulassen, in Beziehung zu treten, sich mit Fragen von Verlust, Vergänglichkeit und Leere auseinanderzusetzen - und hoffnungsvoll Neues zuzulassen, auch in Krisenzeiten. Das Aschekreuz zu Beginn der Fastenzeit und die Asche, als Teil der Kunstinstallation erinnern uns daran, dass alles vergänglich ist. Mit Ostern ist ein Neubeginn möglich.

Eine wunderbare Feuer- und Flammebewegung

„Der Künstler Frederick Bunsen kennt St. Karl Borromäus schon lange und ist von unserer Kirche begeistert“, erklärt Rupert Kern, gewählter Vorsitzender und ehrenamtlicher Gemeindeleiter in Winnenden, die enge Zusammenarbeit zwischen Künstler und Gemeinde. Nach ersten Gesprächen mit dem Künstler und dem Besuch der Installation 2023 in der Kirche St. Fidelis in Stuttgart mit dem Kirchengemeinderat stand der Plan für die eigene Ausstellung. Rupert Kern erinnert sich: „Es entstand eine wunderbare Feuer- und Flammebewegung. Und am Ende sagten wir alle: Das machen wir in Winnenden auch.“

 

 

„Ein schweres, an ein Segeltau oder an eine Nabelschnur erinnerndes Seil ist am Anfang des Altarraumes quer durch den Kirchenraum gespannt, in der Mitte ist der Holm einer alten Leiter festgebunden. Darunter befindet sich ein zum Altar aufsteigendes Feld aus Asche, startend bei der Aschesäule zu Beginn der Stufen. Die Installation oszilliert zwischen den Polen Grenze und Entgrenzung, Spannung und Entspannung, Vergänglichkeit und Neuwerdung, Loslassen und Beschenkt werden. Die Betrachtenden sind – ganz im Sinne des christlichen Konzeptes der kenosis ( griechisch: Leerwerden, Entäußern) – eingeladen, sich beim kontemplativen Schauen selbst leer zu machen und so Raum für neue Gedanken, Inspirationen, Hoffnungen und für Gottes Gnade zu schaffen.“ Rupert Kern 

Die Installation soll, so Rupert Kern, ein Nachdenken anregen über die essentiellen Fragen des Menschen. Wofür lebe ich? Was habe ich schon hinter mir lassen müssen? Was kann ich noch tragen? Was ist das Leben wert? Während der gesamten Ausstellungszeit wird in den Eucharistiefeiern, in der Kinderkirche und in den Frauenbegegnungen in St. Karl Borromäus immer wieder Bezug auf die Kunstinstallation genommen werden - in eben der Kirche, in der heute noch die Klagemauer zur Erinnerung an den entsetzlichen Amoklauf in Winnenden 2009 erinnert wird.

„Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit - zwei Momente, die große Lebensspannung in sich tragen.
Auch die Symbolik der Installation spricht davon: Das aufgedrehte Tau mit dem eingewickelten Holzstab trägt Spannung in sich, während die vertikal aufgerichteten Aschetürme eine mahnende Ruhe ausstrahlen. Beide Blickrichtungen sind hier präsent. Sie gehören zur Kunstsprache, aber ebenso zum Leben. Dass diese Elemente vor und über dem Altar schweben, verweist auf eine Wirklichkeit, die über die Summe all dessen hinausgeht.“ 

Frederick Bunsen

Die Installation LEERWERDEN wird am 20. März um 19.00 Uhr in der Kirche St. Karl Borromäus eröffnet. Impulse und ein Gespräch zwischen Pfarrer Gerald Warmuth und Prof. Frederick Bunsen sowie musikalische Resonanzen, die das Leerwerden zu Ausdruck bringen, laden ein, zur Ruhe zu kommen, von der Hektik des Tages abzuschalten und sich den eigenen Gedanken hinzugeben. Die Installation in der Kirche ist bis zum Morgen des Ostersonntags am 5. April frei zugänglich. In diesem Zeitraum finden weitere Veranstaltungen statt, den Abschluss dieser Installation feiert die Gemeinde am Ostersonntag mit dem festlichen Hochamt.

Alle Termine und einen Flyer mit allen Terminen finden Sie HIER

Julia Matheis ist seit 15.10.2025 Dekanatsreferentin im Dekanat Rems-Murr. Sie hat sich Gedanken zur Kunstinstallation in Winnenden gemacht:

„‚Leerwerden‘ ist für uns alle – als Einzelne, in Gruppen, als Gemeinde oder als Dekanat – eine Gelegenheit zum Innehalten: ein Moment, der Leere nicht als Defizit, sondern als Raum für neue Perspektiven und Begegnungen begreift. Die begleitenden Veranstaltungen zum Kunstprojekt zeigen, wie Leere als Inspiration wirken kann. Gleichzeitig lädt das Thema ein, gesellschaftliche Leere wie Einsamkeit oder Sinnkrisen bewusst wahrzunehmen. Die Ausstellung macht deutlich: Leere kann zu neuer Fülle führen – wenn wir sie als Einladung zu mehr Achtsamkeit und zum Weiterdenken verstehen.“

 

Zur Person:
Julia Matheis ist 1989 in (Bad) Saulgau geboren und in Oberschwaben aufgewachsen. Nach dem Abitur und einem Sprachenjahr in Ehingen studierte sie bis 2014 Katholische Theologie in Tübingen, mit Schwerpunkt Pastoraltheologie. Nach Stationen als Pastoralassistentin in Bad Cannstatt (St. Martin) und Pastoralreferentin in der GKG Stuttgart-Nordwest machte Julia Matheis eine berufsbegleitende Ausbildung zur systemischen Beraterin und Organisationsentwicklerin für kirchliche Organisationen. Seit 15.10.2025 Dekanatsreferntin im Dekenat Rems-Murr. Julia Matheis: „Ich versuche, Brücken zu bauen zwischen theologischen Grundlagen und dem Leben der Menschen. Mir liegt daran, dass Kirche ein Ort bleibt, der Halt gibt und zum Weiterdenken einlädt – durch Dialog und Verantwortung, die im Miteinander gelebt wird.“

Weitere Nachrichten

Bischof
Bischof Dr. Klaus Krämer und Pfarrer Sizar Happe von der Chaldäischen Gemeinde Stuttgart feiern gemeinsam Gottesdienst nach chaldäischem Ritus.
Weiterlesen
Demokratie
Diözesanleitung und Landräte treffen sich im Bischofshaus in Rottenburg zum Gespräch.
Bei einem Treffen von Kirche und Politik im Bischofshaus geht es um den Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“ und um die Situation der Landkreise.
Weiterlesen