Kunst & Kultur

Lichtvolle Impulse für die Fastenzeit

Das Lichtkreuz des Künstlers Ludger Hinse, das seit 2022 durch das Dekanat Heidenheim wandert, lädt mit seinem faszinierenden Farbenspiel Kirchenbesucherinnen und -besucher zum Nachdenken und zum „tiefer Schauen“ ein. Derzeit macht es Station in St. Georg in Auernheim. Foto: drs/Jerabek

Einladen zum Schauen, dass im Kreuz Jesu Leben und Freude ist, will das Lichtkreuz von Ludger Hinse. Die Wanderinstallation ist aktuell in Auernheim.

Kantig und streng hängt es da, das Lichtkreuz, inmitten der verspielten barocken Pracht der Pfarrkirche St. Georg mit all ihren Rundungen und Windungen. Der scheinbare Gegensatz löst sich schnell auf. Denn das transparente Kreuz vor dem Altarraum lässt die feierliche Ornamentik der Altäre und Freskeneinfassungen durchstrahlen, spiegelt, bricht und „vermehrt“ das Licht, das durch die Fenster und von den Lüstern einströmt. In den grenzenlos erscheinenden Effekten der geometrischen Optik, bedingt durch langsames Drehen im Luftzug, schafft das Lichtkreuz eine sich ständig wandelnde Verbindung zwischen Himmel und Erde.

In einem Augenblick zeigt es violette Dreiecke, grüne und gelbe Trapeze, im nächsten Moment spiegelt sich ein Putto darin, der mit seiner Fanfare in einem Deckenfresko himmlisch aufspielt. Wie Segmente eines Regenbogens, nur in Pastell, schimmern sodann die Dekorleisten aus Gipsstuck durch das Plexiglas, bald abgelöst von den je zehn warmweißen LED-Birnen der Leuchter, deren Lichtpunkte plötzlich orange und zahllos die Planeten der Milchstraße nachahmen. Es ist ein Fest der Farben und Formen, das sich da – je nach Blickwinkel, Position und Tageszeit – präsentiert.

Das Kreuz Jesu strahlt Leben aus

Das Kreuz, das hier so im Mittelpunkt hängt, dass es die Aufmerksamkeit der Kirchenbesucher auf sich zieht, sei vom Ursprung her ja nichts Schönes, gibt Pfarrer Bernd Hensinger in seinem Predigtimpuls zum Aschermittwoch zu bedenken: In der Antike war es ein Folterwerkzeug. „Erst durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi konnte das Kreuz für die Christen zu einem Zeichen des Heils werden.“ Und die bunten Farben, in denen sich das Licht in diesem Kreuz bricht, wollen nicht den Tod beschönigen oder verherrlichen, „sondern bringen zum Ausdruck, dass das Kreuz Jesu Leben und Freude ausstrahlt, tief hinein in unser aller Leben“, sagt Hensinger.

Gleichwohl lade die Fastenzeit dazu ein, das eigene Leben ehrlich in den Blick zu nehmen, so wie es eben gelaufen ist: „Wir sehen das Schöne unseres Lebens, aber wir sehen auch, dass manches nicht so gelaufen ist wie es hätte sein sollen.“ Die Asche, die sich Gläubige aufs Haupt streuen lassen, sei Zeichen der Buße: dass „wir mit allem Schiefgelaufenen unseres Lebens zu Gott kommen und ihn um sein Erbarmen bitten, um seine Vergebung und um seine Kraft zur Umkehr und zum Neubeginn“.

In der Fastenzeit den „Empfang“ verbessern

In der Sprache des Lichtes sind da die Wabenmuster der Kirchenfenster, die sich immer wieder gelb, blau oder lila im Lichtkreuz spiegeln. Waben mit ihren sechseckigen Zellen gelten als Inbegriff mathematischer und bautechnischer Effizienz in der Natur und sind ein Symbol göttlicher Ordnung. Manchen dienen sie auch als Mahnung, den eigenen Glauben zu pflegen und in Harmonie mit dem Plan Gottes zu leben. Bisweilen präsentieren sich die Wabenmuster im Lichtkreuz aber auch verzerrt und deformiert und erinnern mehr an die feine, aber unregelmäßige Netzstruktur, die die Deutsche Bahn in die metallene UV-Schutzschicht der Fenster ihrer Züge lasern lässt, um den Mobilfunk-Empfang zu verbessern.

Auch hier drängen sich Parallelen zum menschlichen Leben auf: Auch das Lichtkreuz will den „Empfang“ verbessern: Es soll eine Einladung zur christlichen Spiritualität sein, „eine Einladung, sich über die Kunst vom christlichen Glauben berühren zu lassen, Fragen zu stellen, tiefer zu gehen“, wie die Projektinitiatorin, Dekanatsreferentin Gabriele Kraatz, sagt. Mit allen Konsequenzen, die dieses „tiefer Schauen“ für den Alltag hat: wenn aus dem Eintauchen in die Nähe Gottes ein „Mehr“ an Solidarität mit den Benachteiligten dieser Welt und ein „Mehr“ an Zugewandtheit erwächst, um an einer befriedeten Welt mitzuwirken.

Reichhaltiges Begleitprogramm

Das Lichtkreuz, ein spirituelles Kunstprojekt des norddeutschen katholischen Künstlers Ludger Hinse, versteht sich als „Einladung zum Glauben auf dem Härtsfeld". Seit 2022 reist das zwei mal zwei Meter große Kreuz aus Plexiglas durch verschiedene Kirchen des Dekanats Heidenheim, wo es in immer neuen Farben auf barocken und modernen Hintergründen erstrahlt. Es lädt zum Betrachten und zum Gebet ein. Die Gemeinden veranstalten je unterschiedlich ein Begleitprogramm dazu.

In St. Georg in Auernheim sind in den nächsten Wochen folgende Angebote geplant:
22. Februar, 9 Uhr: Gottesdienst zum Lichtkreuz mit Predigt von Gabriele Kraatz: „Das Kreuz mit dem Licht!“
3. März, 19 Uhr: Andacht zum Lichtkreuz mit Gedanken von Isabella Weber
Weitere Veranstaltungen in der Karwoche und an Ostern finden sich auf dem Flyer.

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