Soziales

Liebevolle Hingabe an die Mitmenschen

Die Schwester sitzt auf einem Stuhl unter dem Gemälde des Heiligen sowie einer Tafel mit seinen Lebensdaten.

Schwester Bonavita Löhr sitzt unter einem Gemälde des Ordensgründers Vinzenz von Paul - Foto: Edgar Rohmert

Baden-Württemberg ehrt das Wirken von Schwester Bonavita Löhr und der Untermarchtaler Vinzentinerinnen in Wangen im Allgäu mit der Staufermedaille.

„Wenn Schwester Bonvita den Raum betritt, dann wird es ein bisschen heller.“ So brachte es einmal ein Bewohner des Seniorenzentrums St. Vinzenz zum Ausdruck. Über viele Jahre hat Schwester Bonavita Löhr unzählige Menschen unterstützt, gestärkt und in entscheidenden Momenten begleitet. Wangens Oberbürgermeister Michael Lang hebt ihre leise, bescheidene Art hervor, aber auch ihre gelebte Zuwendung und ihre Verlässlichkeit. Ihre liebevolle Hingabe zu ihren Mitmenschen, insbesondere zu den kranken, alten und sterbenden Heimbewohnern, sei kein Zufall, sondern Ausdruck tief verwurzelter Tradition. Das Leitwort ihres Ordensgründers Vinzenz von Paul „Liebe sei Tat“ sei für sie nicht nur Theorie, sondern Auftrag und Berufung für ihr tägliches Wirken im Dienst an den Menschen.

Seit 1999 ist Schwester Bonavita im Seniorenzentrum. Zuvor war sie 33 Jahre lang in verschiedenen Kindertagesstätten tätig. Die 84-Jährige ist Teil einer langen Geschichte der Vinzentinerinnen in Wangen. 1854 wurden die ersten Barmherzigen Schwestern aus Straßburg ins Heilig Geist Spital geholt für die Armen- und Krankenpflege. Schnell übernahmen sie weitere Aufgaben: Ab 1863 Lehrerinnen an der Mädchenschule, ab 1865 im ambulanten Krankendienst. 1868 wurde die „Kleinkinder-Bewahranstalt“ unter vinzentinischer Leitung eröffnet. Ab 1887 übernahmen sie die Pflege kranker Eisenbahner anlässlich des Baus der Bahnlinie Kißlegg-Wangen.

Ein Segen für die Baumwollspinnerei und das neu erbaute Krankenhaus

Auch für die Wangener Baumwollspinnerei wurden die Schwestern zu einem großen Segen. Sie übernahmen ab 1909 die Leitung der Kleinkinderbetreuung und die Versorgung der „Fabrikmädchen“ – junger, lediger Frauen, die dort arbeiteten. 1911 wurden das Säuglingsheim eröffnet und eine Kleinkinderkrippe - ein erstes „Tagesmutterkonzept“. Die Vinzentinerinnen begleiteten und pflegten lange Jahre die Alten und Kranken im Altenheim und waren in der Krankenpflege und Hauswirtschaft im neuerbauten Krankenhaus am Engelberg tätig. In der 1927 eingerichteten Entbindungsstation im Städtischen Spital wurden insgesamt 8002 Kinder geboren. Das Schwesternheim St. Maria diente zwischenzeitlich auch als Erholungsheim für an TBC erkrankte Frauen und in der „Volksküche“ wurde täglich für bis zu 180 Personen gekocht. 

Ende der 60er Jahre brachten die Ordensschwestern gemeinsam mit Bürgermeister Wilhelm Uhl den Bau eines Seniorenzentrums auf den Weg. Diese Wohnanlage erhielt damals einen internationalen Preis in Brüssel. 1970 wurde die Altenpflegeschule der Vinzentinerinnen von Rottenmünster nach Wangen verlegt. 1999 erfolgte der Bau des Seniorenwohnparks Louise von Marillac. Dieses Haus und das Wohl der Bewohner waren Schwester Bonavita besonders wichtig. 2019 wurde das neu erbaute Seniorenzentrum Sankt Vinzenz fertiggestellt und 2024 das St. Vinzenz Areal. An der Erfolgsgeschichte all dieser Einrichtungen hat Schwester Bonavita großen Anteil.

Kleine und große Wunder erlebt

Als Dank und Anerkennung für besondere Verdienste um das Land Baden-Württemberg überreichte Oberbürgermeister Lang am 19. Mai die Staufermedaille an Schwester Bonavita. Für die Geehrte war die Nachricht von der Verleihung zunächst ein Schock, der ihr viele schlaflose Nächte bereitete. Erst ein Traum hat ihr wieder den inneren Frieden beschert. Darin sah sie die Verleihung der Staufermedaille als Anerkennung und Würdigung für all ihre vielen Mitschwestern in den Häusern und Einrichtungen. Als sie 1999 nach Wangen kam, habe sie sich sogleich in die Stadt und ihre Bewohner verliebt. „Und Jesus war immer mittendrin.“ So habe sie an den Kranken- und Sterbebetten viele kleine und große Wunder erleben dürfen, freut sich die Ordensfrau. Dafür sei sie unendlich dankbar.

Weitere Nachrichten

Nachruf
Der Caritasverband der Diözese trauert um langjährigen Mitarbeiter Ralf Klein-Jung. Nach einer schweren Krankheit ist er vor wenigen Tagen verstorben.
Weiterlesen
Demokratie
Mehrere Personen sitzen nebeneinander vor einem großen Wagen, der auf einem Platz in der Stadt steht. Auf dem Wagen steht das Wort "Wohnzimmer". Davor steht ein Rollup-Banner auf dem steht: "Dieser Ort ist für Begegnung da".
Die Kampagne „Politik auf 13 Quadratmetern“ lädt zum Austausch. Ziel ist es, Menschen eine Stimme zu geben, die sich politisch abgehängt fühlen.
Weiterlesen