„Wenn Schwester Bonvita den Raum betritt, dann wird es ein bisschen heller.“ So brachte es einmal ein Bewohner des Seniorenzentrums St. Vinzenz zum Ausdruck. Über viele Jahre hat Schwester Bonavita Löhr unzählige Menschen unterstützt, gestärkt und in entscheidenden Momenten begleitet. Wangens Oberbürgermeister Michael Lang hebt ihre leise, bescheidene Art hervor, aber auch ihre gelebte Zuwendung und ihre Verlässlichkeit. Ihre liebevolle Hingabe zu ihren Mitmenschen, insbesondere zu den kranken, alten und sterbenden Heimbewohnern, sei kein Zufall, sondern Ausdruck tief verwurzelter Tradition. Das Leitwort ihres Ordensgründers Vinzenz von Paul „Liebe sei Tat“ sei für sie nicht nur Theorie, sondern Auftrag und Berufung für ihr tägliches Wirken im Dienst an den Menschen.
Seit 1999 ist Schwester Bonavita im Seniorenzentrum. Zuvor war sie 33 Jahre lang in verschiedenen Kindertagesstätten tätig. Die 84-Jährige ist Teil einer langen Geschichte der Vinzentinerinnen in Wangen. 1854 wurden die ersten Barmherzigen Schwestern aus Straßburg ins Heilig Geist Spital geholt für die Armen- und Krankenpflege. Schnell übernahmen sie weitere Aufgaben: Ab 1863 Lehrerinnen an der Mädchenschule, ab 1865 im ambulanten Krankendienst. 1868 wurde die „Kleinkinder-Bewahranstalt“ unter vinzentinischer Leitung eröffnet. Ab 1887 übernahmen sie die Pflege kranker Eisenbahner anlässlich des Baus der Bahnlinie Kißlegg-Wangen.
Ein Segen für die Baumwollspinnerei und das neu erbaute Krankenhaus
Auch für die Wangener Baumwollspinnerei wurden die Schwestern zu einem großen Segen. Sie übernahmen ab 1909 die Leitung der Kleinkinderbetreuung und die Versorgung der „Fabrikmädchen“ – junger, lediger Frauen, die dort arbeiteten. 1911 wurden das Säuglingsheim eröffnet und eine Kleinkinderkrippe - ein erstes „Tagesmutterkonzept“. Die Vinzentinerinnen begleiteten und pflegten lange Jahre die Alten und Kranken im Altenheim und waren in der Krankenpflege und Hauswirtschaft im neuerbauten Krankenhaus am Engelberg tätig. In der 1927 eingerichteten Entbindungsstation im Städtischen Spital wurden insgesamt 8002 Kinder geboren. Das Schwesternheim St. Maria diente zwischenzeitlich auch als Erholungsheim für an TBC erkrankte Frauen und in der „Volksküche“ wurde täglich für bis zu 180 Personen gekocht.




