Kirchweih

Maß nehmen an Jesus: Kösingen feiert 300. Kirchweih

Zur Feier der 300. Kirchweih von St. Sola in Kösingen konnten Pfarrer Klaus Wolfmaier (2. v. rechts) und der gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Robert Knaus (links), Bischof Dr. Klaus Krämer begrüßen. Foto: drs/Jerabek

Als steingewordene Zeugnisse des Glaubens laden Kirchen dazu ein, das Fundament dieses Glaubens neu zu entdecken, sagte Bischof Krämer in Kösingen.

Fröhlich, festlich, farbenfroh hat Kösingen das 300-jährige Bestehen seiner Pfarrkirche St. Sola gefeiert. Mit Böllerschützen, Festzug, Dorfabend und Bewirtung im Festzelt beteiligten sich die örtlichen Vereine, die Feuerwehr und die ganze Dorfgemeinschaft aktiv an dem Jubiläum. Höhepunkt des zweitägigen Festprogramms war ein Festgottesdienst mit Bischof Dr. Klaus Krämer, musikalisch gestaltet von den KöSingers und dem ökumenischen Kirchenchor Kösingen/Schweindorf unter der Leitung von Dagmar Barsacq. Krämers Besuch in dem 530 Einwohner zählenden Dorf sei ein schönes Zeichen, dass der Bischof auch in ländlichen Raumschaften präsent sei, um die Menschen im Glauben und in der Gemeinschaft zu stärken, sagte Pfarrer Klaus Wolfmaier, Leiter der Seelsorgeeinheit Neresheim.

Gottes- und Nächstenliebe hängen zusammen

Kirchweih sei nicht nur ein Anlass für ein schönes Fest, sondern ein guter Grund, sich intensiv mit dem Fundament des Glaubens auseinanderzusetzen, sagte Krämer in seiner Predigt in St. Sola. „Die Kirchen, die wir bauen, sind auch ein Symbol dieses Glaubens und sollen uns das, was für uns als Christen wirklich wichtig ist, sozusagen in Stein vor Augen führen." Weil Jesus Christus „Fundament und Grund unserer Hoffnung" ist - „der Eckstein, an dem unser Bau Maß nimmt, sollen auch wir Maß nehmen an ihm, an seiner Botschaft vom Reich Gottes, an seiner Botschaft von der barmherzigen Liebe Gottes zu jedem einzelnen Menschen", sagte der Bischof. „Gottes- und Nächstenliebe sind die zentralen Gebote, die innerlich ganz eng zusammenhängen."

Was es heißt, Pilger der Hoffnung zu sein

Mit Blick auf das Evangelium vom barmherzigen Samariter wies Krämer auf den „Perspektivwechsel Jesu" hin. Jesus kehre die Ausgangsfrage „Wer ist mein Nächster?" einfach um, „indem er fragt, wem wir zum Nächsten werden". In diesem Perspektivwechsel stecke eine ungeheure Brisanz und Aktualität, denn die Konsequenz dieser ganz anderen Sicht sei, dass Christen anderen Menschen statt mit Vorurteilen mit der Frage nähern: „Wo ist der Mensch, der uns braucht; dem wir eine hilfreiche Hand reichen können; für den wir da sein können - auch wenn andere vielleicht sagen: Das sind Leute, mit denen wir uns lieber nicht abgeben sollten." In solcher Weise „an Jesus Christus Maß zu nehmen, sich an ihm auszurichten, neue Wege zu gehen und sich den Überraschungen, die Gott für uns bereit hält, zu stellen" bedeute, „Pilger der Hoffnung, Zeuginnen und Zeugen der Hoffnung" zu sein, auf die diese Welt wartet.

Der Bischof erinnerte an die Anfänge des Christentums in der Region, die viel weiter zurück reichen und zu denen der heilige Sola als Patron der Kirche einen spannenden Anhaltspunkt liefert: Als Mitarbeiter des heiligen Bonifatius, so die Vermutung, hat Sola, über das Altmühltal kommend, wo eine Probstei gegründet worden war, den Glauben verkündet. Eines der Gemälde der Pfarrkirche zeigt, wie sich das der aus Eichstätt stammende Maler Johann Michael Zink vorgestellt hat.

Meister am Werk

Überhaupt zeichnet sich die kleine Barockkirche durch eine bemerkenswert reichhaltige und qualitätvolle künstlerische Gestaltung aus - und verdankt dies der von 1619 an über 150 Jahre währenden Zugehörigkeit der Pfarrei zum Kloster Neresheim. Denn mit Dominikus Zimmermann (1685-1766), der zuvor den Festsaal der Abtei stuckiert hatte, erhielt ein damals schon berühmter Meister den Auftrag für die Schaffung des Altares. Indem die beiden Seitenaltäre mit dem Hauptaltar zu einer Einheit zusammengefasst sind und in ihrer Anordnung drei Seiten eines Achtecks formen, kommt in dem Altar nicht nur die Dreieinigkeit Gottes symbolisch zum Klingen, sondern auch das Oktogon, das für Vollendung und Auferstehung steht, mithin Himmel und Erde miteinander verbindet. Im Strahlenkranz an der Altarrückwand leuchtet dem Besucher ein plastisches Abbild des Gnadenbildes der „Mutter der schönen Liebe“ aus Wessobrunn, der Heimat Zimmermanns, entgegen. Der Altar gilt als eines der originellsten Werke des Meisters.

Älter als die heutige Kirche ist der Turm, dessen unterer Teil in das zwölfte Jahrhundert zurückreicht; dort befindet sich heute die Sakristei. An dem tief herabreichenden Kreuzrippengewölbe sind zum Teil gut erhaltene Fresken aus dem 13. und 16. Jahrhundert zu sehen. Vorgängerbau der heutigen Kirche war eine kleine, schmale gotische Kirche aus dem 14. Jahrhundert. Aus spätgotischer Zeit stammt eine Pieta, die in einer Nische an der Südwand aufgestellt ist.

Mit diesen und vielen weiteren Kunstwerken konnten sich die Festbesucher im Rahmen einer Kirchenführung mit Mesner Dino Kunick vertraut machen. Zeugnis vom reichen Vereinsleben und dem Zusammenhalt am Ort gaben nicht nur die Wichtel- und Glitzergarde der Faschingsfreunde Kösingen und Kinder des örtlichen Kindergartens St. Anna mit wunderschönen Darbietungen sowie am Vorabend die Böllerschützen „Hubertus Kösingen", sondern auch weitere Vereine und besonders die Feuerwehr durch tatkräftige Unterstützung. Zur Unterhaltung im Festzelt spielte der Musikverein Dunstelkingen auf.