Bischof

Mehr als „Sieben Brücken“

Am 17. September 2023 feierte Bischof Gebhard Fürst sein 23. Weihejubiläum im Rottenburger Dom St. Martin. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jochen Wiedemann

Zum 23. und letzten Male hat Bischof Dr. Gebhard Fürst am Sonntagabend Weihejubiläum gefeiert – mit musikalischer Begleitung.

Es waren wohl ein paar mehr als die „Sieben Brücken“, über die Bischof Dr. Gebhard Fürst während seiner 23 Amtsjahre in Rottenburg gehen musste, „dunkle Jahre“ hat er vor allem in jüngerer Zeit durch die Kirchenkrise genug zu überstehen gehabt – dennoch zeigte er sich bei der Begegnung mit den Bürgerinnen und Bürgern im Anschluss an sein 23. Weihejubiläum am Sonntagabend gewohnt knitz und humorvoll: „Zumindest ist keine der Brücken unter mir zusammengebrochen…“

Der Liederkranz Rottenburg, verstärkt durch Sängerinnen und Sänger vom Liederkranz Wendelsheim, die Bürgerwache Rottenburg und die Stadtkapelle ließen es sich auch beim letzten Weihejubiläum des Anfang Dezember altershalber aus dem Amt scheidenden Bischofes nicht nehmen, ihm musikalisch ihre Aufwartung zu machen. „Wir hoffen, dass Sie auch nach Ihrem Abschied aus Rottenburg noch viele Jahre bei guter Gesundheit haben werden an ihrem neuen Wohnsitz“, gab Generose Sehr, Erste Vorsitzende des Liederkranzes, Gebhard Fürst gute Wünsche mit auf den Weg – „und wer weiß: Vielleicht schließen Sie sich dann ja dort einem Chor an, der Mitsänger sucht!“ Die weiteren Stücke, die der Liederkranz zum Besten gab, passten gleichfalls gut zur anstehenden Zäsur: „Zeig mir den Platz an der Sonne“ und „Ein schöner Traum ist die Musik“. Die in voller Stärke angetretene Bürgerwache unter Kommandant Alexander Götz und die Stadtkapelle Rottenburg mit Dirigent Andreas Lewedey an der Spitze schlossen die abendliche Serenade ganz zünftig mit dem Radetzky-Marsch und „Preußens Gloria“ ab.

Fest im Glauben zu bleiben

In seiner Predigt beim vorangegangenen Pontifikalamt im Dom ließ der Bischof nochmals die vergangenen 23 Jahre seit seiner Weihe Revue passieren: „Die Zeit ist wie im Fluge vergangen, unser Planet Erde, die Gesellschaft und auch unsere Kirche haben sich gewaltig verändert.“ Im Jahr 2000 sei die Klimakrise noch nicht zu spüren gewesen, von Corona habe niemand eine Ahnung gehabt, die digitalen Netze hätten die Welt noch nicht so revolutioniert wie heute, kein Ukraine-Krieg habe den Frieden in Europa verdorben, und die „harten, unversöhnlichen Fronten“ im derzeitigen Diskurs in der Gesellschaft seien damals unvorstellbar gewesen. Die Schwindel erregenden Entwicklungen der letzten Jahre, so der Bischof, überforderten viele Menschen – „kein Wunder, dass manche von ihnen in Angst leben oder in Panik geraten“.

Um Gott nicht noch weiter aus dem Blick zu verlieren, sei es notwendig, der Mahnung aus der Apostelgeschichte nach Lukas 20,31 („Seid wachsam!“) zu folgen und so, wie es Paulus im Römerbrief empfiehlt, „fest im Glauben zu bleiben“. In die heutige Zeit übersetzt bedeute dies, dass man sich nicht von Fake News verrückt machen lässt, stattdessen unbeirrt den Armen und Bedrängten beisteht und sich dafür „so tief bückt, wie unser Diözesanpatron St. Martin dies bei dem Bettler vor den Toren von Amiens getan hat“. Gott offenbart sich nach Überzeugung des Bischofes auch heute noch in der Begegnung mit den Armen und bedrängten, den Geringsten der Gesellschaft und auch den Missbrauchten: “Wo wir helfen, heilend, diakonisch handeln, da zeigt sich Gott. Und wir bleiben die diakonische Kirche, in der Gott lebt.“

Der Jahrestag der Weihe in Bildern

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