Corona

Menschen ohne Krankenversicherung nicht vergessen!

Symbolbild: Tim Reckmann/pixelio.de

Die Malteser rufen auf, auch an niederschwellige Impfangebote für Menschen ohne Krankenversicherung und ohne Aufenthaltsstatus zu denken.

Anlässlich des Internationalen Tags der Migranten am 18. Dezember rufen die Malteser eindringlich dazu auf, im Rahmen der Pandemiebekämpfung auch an möglichst niederschwellige Impfangebote für Menschen ohne Krankenversicherung und ohne Aufenthaltsstatus zu denken und in geeigneter Weise darüber zu informieren. Denn gerade diese Menschen leben oft in sozial prekären Situationen und unterliegen einem besonders hohen Risiko, sich selbst zu infizieren und die Infektion weiter zu verbreiten.

Mit konkreten Impfangeboten und der Vermittlung an geeignete Impfmöglichkeiten für diese Zielgruppe leisten die Malteser in ihren Sprechstunden für Menschen ohne Krankenversicherung in Stuttgart und Mannheim einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. Denn Impfen schützt alle.

„Die Pandemie unterstreicht noch einmal die Notwendigkeit der Gesundheitsversorgung auch für Menschen am Rande der Gesellschaft, um die Gesundheit von uns allen sicherzustellen“, betont Regine Martis-Cisic, die die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM) in Stuttgart koordiniert. „Wir sprechen das Impfen bei den Patienten an und weisen Interessierte auf Impfangebote hin“, berichtet sie.

Die Malteser verzeichnen auch eine wachsende Zahl an telefonischen Impfanfragen. „Wir empfehlen allen Patienten dringend, das Angebot der Impfbusse oder spezielle Impfaktionen wie Obdachlosen- oder Quartierimpfungen anzunehmen“, so Martis-Cisic. Denn für alle Bürgerinnen und Bürger ist die Impfung unabhängig von ihrem Versicherungsstatus kostenlos.

Impfsprechstunden für Menschen ohne Aufenthaltstitel

Menschen ohne gültigen oder sicheren Aufenthaltsstatus scheuen sich oft davor, zu öffentlichen Stellen zu gehen. „Viele impfwillige Patienten haben Angst vor der Weiterleitung ihrer Daten und verzichten daher lieber auf eine Impfung“, weiß Regine Martis-Cisic. Aus diesem Grund haben die Malteser in Stuttgart bereits Mitte August die erste Impfsprechstunde für Menschen ohne Aufenthaltstitel durchgeführt.

Seitdem bestellen sie Patienten mit Impfwunsch zum Ende der regulären Sprechstunde ein oder organisieren separate Impfsprechstunden. „Alle Patienten erhalten einen Impfausweis und wir machen eine anonymisierte Meldung“, berichtet Martis-Cisic. Den Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten die Malteser über das nahegelegene Marienhospital. Bisher wurden in der Stuttgarter Malteser Sprechstunde 48 Patienten ohne Aufenthaltsstatus geimpft.

Kosten- und zeitaufwändiger Arbeitsalltag in Corona-Zeiten

Der Arbeitsalltag während der Corona-Pandemie ist für die MMM-Teams eine besondere Herausforderung. „Gerade in der jetzigen Situation, in der viele andere Hilfsangebote eingeschränkt sind und das Gesundheitssystem überlastet ist, möchten wir Malteser da sein und helfen“, betont Martis-Cisic.

Um trotz Infektionsrisiko für die Patientinnen und Patienten da sein zu können, mussten Änderungen in den Abläufen vorgenommen und Schutzmaßnahmen ergriffen werden, die kosten- und zeitaufwändig sind. So führen die Malteser beispielsweise bei jedem Patienten und bei der eventuellen Begleitperson im Hof vor der Einrichtung eine Corona-Anamnese mit Fragen zu Symptomen, Risiko-Kontakten und dem Aufenthalt in den letzten zwei Wochen durch und messen die Körpertemperatur. Das alles ist ein konkreter Beitrag zur Eindämmung der Pandemie.

Über 650 Behandlungen haben die ehrenamtlich tätigen Ärzte bis Anfang Dezember in Stuttgart durchgeführt. Von den insgesamt 272 Patienten hatten 51 keinen geregelten Aufenthaltsstatus.

Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM)

Schätzungen zufolge sind rund 61.000 Menschen in Deutschland nicht krankenversichert. Freiberufler, die wegen ihrer Selbständigkeit aus dem staatlichen System herausfallen, sind genauso betroffen wie Migranten. In der MMM in Mannheim und Stuttgart ermöglichen die Malteser diesen Menschen eine kostenlose, medizinische Versorgung bei Erkrankung, Verletzung oder Schwangerschaft. 

Fast 1.500 Behandlungen haben die ehrenamtlich tätigen Ärzte bis Anfang Dezember in Mannheim und Stuttgart durchgeführt. Von den insgesamt 559 Patienten hatten 121 keinen geregelten Aufenthaltsstatus. Bundesweit ist die MMM an 20 Standorten vertreten. Die Sprechstunden werden nur über Spenden finanziert.

Für ihre Arbeit sind die MMM-Sprechstunden dringend auf finanzielle Unterstützung (beispielweise für diagnostische Maßnahmen, Medikamente, Kinderimpfungen), auf ehrenamtliche Mitarbeit (als medizinische Fachkraft oder Dolmetscher) und auf Kooperationspartner im medizinischen oder sozialen Bereich angewiesen.

Malteser Hilfsdienst e. V.
IBAN: DE90 6005 0101 0001 2706 88
BIC: SOLADEST600
Verwendungszweck: MMM Stuttgart

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