Begegnungstag

Mit brennendem Interesse am Menschen

Michael Schönball wird im Herbst 2024 Priester-Administrator in Ochsenhausen. Foto: DRS / Nelly Swiebocki-Kisling

Beim Begegnungstag der Priester im CVJM-Haus in Stuttgart am 26. Juni standen der Austausch und die Diversität der Menschen im Mittepunkt.

Es war ein schönes Wiedersehen zwischen den Kollegen, bei dem die Gespräche auf Augenhöhe im Mittelpunkt standen. Der Einladung der Priestervertretung waren über 180 Priester und Diakone aus der Diözese gefolgt – unter ihnen zahlreiche junge Priester und Geistliche aus anderen Ländern. Das Bedürfnis, sich erstmalig auch während der Sedisvakanz miteinander auszutauschen und vor allem ein großes Interesse an der Vielfalt und am Alltag der Menschen brachte sie im CVJM-Haus in Stuttgart zusammen.

Die Freude am Herrn ist unsere Kraft

In der Eröffnungsansprache von Dr. Clemens Stroppel fragt der Diözesanadministrator: „Was ist los?“ und spricht die aktuellen Herausforderungen in der krisengeschüttelten Welt und in der Kirche an. „Wir mühen uns mit dem Synodalen Weg. Mühen uns um Glaubwürdigkeit, gegen Misstrauen und auch gegen medial transportierte Kirchenbilder. Mühen uns um Augenhöhe und am Thema Macht und Gewaltenteilung ab. Ringen um die Frage der Gleichberechtigung und die Diakonen- oder Priesterweihe der Frau. Rudern um eine neue Koordinatenbestimmung in der Sexualethik und der sexuellen Identität. Alles wichtig, es sind die Themen, Fragen, die uns gestellt werden. Und sie binden vielfältig unsere Aufmerksamkeit, unsere Energie und Kraft.“ Stroppel erinnert die Anwesenden daran, wie schwer es wird, all den Herausforderungen, den priesterlichen Aufgaben und der Spannung zwischen den hohen Erwartungen und der Wirklichkeit gerecht zu werden und fragt: “Was wird uns tragen und halten, ermutigen und stärken, unserer Freude aufhelfen?“ Die Antwort, die er bietet, tröstet. Sie findet sich im Motto des Begegnungstages: Die Freude am Herrn ist unsere Stärke! Diözesanadministrator Stroppel sagt dazu: „Es muss wohl um Gott gehen. Und um das Wort Gottes, das uns in der Heiligen Schrift begegnet. Und darum, die Brücke zu schlagen dem Wort Gottes und heutigen Welten, zwischen Jung und Alt. Und um die inkarnatorische Präsenz in unserer heutigen Welt.“

Das können wir Gott überlassen

Auch im Impuls von Prof. Dr. Ottmar Fuchs zur „priesterlichen Identität“ geht es um Ermutigung und Vertrauen. Fuchs zitiert Papst Franziskus, der erklärt: „Er, Gottes Geist, wird es uns nicht an seiner Gnade fehlen lassen!“ Ottmar Fuchs mahnt. „Wir bekommen ein Charisma geschenkt, das uns in die Verantwortung nimmt!“ Dann erinnert er daran, dass Leistung zwar Kompetenz brauche, im Notfall und Ernstfall jedoch Unterbrechungen der starren Regeln notwendig seien: „Das können wir dann Gott überlassen!“ Es gäbe keine Grenze der Hingabe. Die Aufgabe der Priester sei es, so Fuchs: „Gott in die Welt zu bringen, dass die Liebe und Unendlichkeit als Gnade erfahren wird.“


„Wir wollen, dass heute alle zu Wort kommen, nicht nur die Spezialisten – es geht um den Austausch, nicht um Hierarchien.“
Mitorganisator des Begegnungstages Pfarrer Christoph Maria Schmitz


Um diese unendliche Gnade und geht es auch in den biblisch gegründeten Gruppengesprächen zu aktuellen Themen am späteren Vormittag und vor allem am Nachmittag bei den Begegnungsorten im Stadtzentrum Stuttgarts. Es geht um Themen wie Toleranz, Offenheit oder „Geistlich streiten“, wie es im gleichnamigen Gesprächskreis heißt, um das Zulassen anderer Meinungen und Lebensentwürfe, um schweigen und zuhören. Im Mittelpunkt stehen der Dialog mit und das Interesse an den Menschen in ihrer Diversität und ihre Menschenwürde – ein deutliches Zeichen an die vielen jungen anwesenden Priester. Auf dem Programm stehen beispielsweise der Besuch der russisch-orthodoxen Kirche, die Gefängnisseelsorge, die „Station S“, die Muslimische Gemeinde, die Alevitische Gemeinde sowie die Stuttgarter Synagoge. In Workshops setzen sich die Teilnehmenden mit der Seelsorge Queer und dem Synodalen Weg auseinander.

„Es ist unglaublich schön zu wissen, dass man gemeinsam unterwegs ist. Und dazu muss man sich auch treffen! Es ist wichtig, dass man gemeinsam im Gespräch bleibt und auf den Geist hört.“
Pfarrer Michael Schönball

Im gemeinsam gestalteten Gottesdienst in St. Fidelis mit Weihbischof emeritus Dr. Johannes Kreidler und Diözesanadministrator Clemens Stroppel fassen alle Beteiligten die Erkenntnisse des Tage zu Fürbitten zusammen und beten für die Menschen aller Religionen und Gemeinden, für die orthodoxen Geschwister, deren Beziehung durch den russisch-ukrainischen Krieg belastet wird, für die Einsamen und Hoffnungslosen, die in Gefangenschaft leben, für mehr Mut zu einer auch queeren Kirche sowie für alle Christen in Europa und in der Welt.

„Den Himmel offen halten – mit brennendem Interesse am Alltag des Menschen“ – der Untertitel des Begegnungstages erfüllte sich an diesem Tag in Stuttgart in sehr besonderer Weise.

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