Weil im Alltag oft zu wenig Zeit bleibt für die Pflege der Partnerschaft, soll das Treffen in Untermarchtal "ein Tag nur für uns und unser Paarsein sein": Barbara und Bernd Scheuhing aus Bietigheim-Bissingen begehen den zehnten Jahrestag ihres Eheversprechens beim Tag der Hochzeitsjubilare; just am Vortag konnten sie den ersten runden Hochzeitstag feiern. Sich neu bewusst zu machen, "was man aneinader hat" - diesen Gedanken, der schon in der Eucharistiefeier anklingt und den ganzen Tag prägt, möchte das Ehepaar mit nach Hause nehmen. Anni und Josef Seifried aus Zwiefaltendorf blicken bereits auf 50 Ehejahre zurück und erhoffen sich den Segen Gottes für die weiteren Jahre - so wie 75 weitere Paare aus der ganzen Diözese: vier silberne, 17 goldene, acht diamantene, sogar eine eiserne Hochzeit gibt es zu feiern; auch ein Paar ist dabei, das erst in diesem Jahr geheiratet hat, "und viele, die dazwischen liegen", wie Mechthild Alber, Referentin im Fachbereich Ehe und Familie eingangs sagt. 3500 Jahre gelebter Ehe sind in der Vinzenzkirche versammelt, so hat sie ausgerechnet, "3500 Jahre an gelebter Zuwendung und Liebe, an Zusammenhalt in guten und in schlechten Tagen". Auch wenn die Sonne draußen nicht scheine, "können wir alle die Sonne spüren, die Sie im Herzen tragen".
Mit Gottes Segen und Sonne im Herzen
Das sind wir. Schön, dass wir füreinander da sind. - Der Tag der Hochzeitsjubilare in Untermarchtal verbindet den Dank für den gemeinsamen Weg mit dem Segen für die Zukunft. Ein Foto als Erinnerung gehört zum "Parcours für Verliebte", den Dr. Ute Rieck vom Fachbereich Ehe und Familie (rechts) begleitet. Foto: drs/Jerabek

Sich von Gott begnadet wissen
"Schade eigentlich", sagt Weihbischof Dr. Gerhard Schneider in der Predigt, dass die Anrede "Ihr Heiligen" oder "Ihr Begnadeten", mit denen sich der Apostel Paulus an die Gemeinde in Kolossä wendet, heute anders verstanden wird und eher entrückt wirkt. Denn dass "jede und jeder von uns begnadet ist mit einzigartigen Gaben und Charismen", sei eine tiefe christliche Wahrheit. Und sich in der Ehe als Begnadete anzusehen, sei eine urchristliche Kunst.
Als einen Schlüssel (nicht nur) zu einem gelingenden Ehe-Alltag sieht Schneider die Weisheit, eine Gabe des Heiligen Geistes, an und nimmt auch hier Paulus zum Gewährsmann. Weisheit bedeute allerdings nicht, etwas besser zu wissen, klüger zu sein oder etwas besser zu können als andere. Weise Menschen zeichnen sich vielmehr durch eine innere Ruhe und Gelassenheit im Alltag aus, sehen die Dinge und ihre Zusammenhänge in einem anderen Licht, so der Weihbischof.
Wer sich von Gott begnadet wisse, könne weise leben und mit anderen weise umgehen, und zwar aus dem Schatz des Glaubens heraus. Das von Matthäus (Mt 13,44-46) im Gleichnis vom verborgenen Schatz im Acker verwendete griechische Wort thēsauros bedeute im übrigen nicht nur "Schatz", sondern auch "Schatzhaus", als Ort, an dem Schätze aufbewahrt werden, erläutert Schneider. Weil sich im Glaubensschatzhaus eines jeden Menschen ganz Unterschiedliches an Erfahrungen ansammeln könne, sei es für Ehepartner auch nach vielen Jahren noch lohnend, miteinander darüber zu sprechen. "Es ist eine der schönsten Erfahrungen, die wir Christen machen können, wenn wir andere Christen erzählen hören, was in ihren Glaubensschatzhäusern alles angesammelt wurde." Aus dem Wissen um den Glaubensschatz des jeweils anderen erwachse oft neue Glaubens- und Lebenskraft, sagt Schneider und lädt die Ehepaare dazu ein, die drei Worte und Gedanken dieses Tages in den nächsten Wochen und Monaten in den Alltag mitzunehmen: Wo erlebe ich uns als geheiligt? Wen erlebe ich weise und warum? Was füllt eigentlich mein Glaubensschatzhaus und dein Glaubensschatzhaus und warum ist das die Grundlage für all das, was wir gemeinsam erleben und glauben?
Begleitet durch gute und schlechte Tage
Beeindruckt von der Innigkeit, die die in der Kirche versammelten Paare ausgestrahlt haben, äußert sich Pia Dieterle aus Ravensburg. Mit ihrem Ehemann Johannes stellt sie das "dienstälteste" Hochzeitspaar des Tages. Mit Hobbys, die sie geteilt, und Aufgaben, die sie gemeistert haben, und mit Zufriedenheit, auch wenn Krankheit und Schicksalsschläge kommen, haben sie es zu 65 gemeinsamen Ehejahren gebracht.
Nach der Predigt lädt der Weihbischof alle Paare dazu ein, ihr Eheversprechen zu erneuern. Als "sehr berührend, wenn so viele Menschen die Liebe bezeugen und Gott mitnehmen", beschreiben Cornelia und Konrad Gießibl diesen Moment. Die Eheleute aus Schramberg, die in diesem Jahr Silberhochzeit feiern, empfinden "tiefe Dankbarkeit, dass Gott mit uns unterwegs ist und uns begleitet durch gute und schlechte Tage". An den Tag in Untermarchtal wollen sie noch einen Paartag anhängen und zum Blautopf wandern.
Das Lied "ZusammenWachsen" von Kathi Stimmer-Salzeder, einfühlsam dargeboten von Julia Dorn, die den Gottesdienst musikalisch gestaltet, spiegelt für viele wider, was das gemeinsame Unterwegssein ausmacht. "Ich fühle mich gestärkt und möchte Gedanken und Gebete aus dem Gottesdienstheft auch mit Freunden teilen", sagt Barbara Scheuhing später. Für die Einzelsegnung als Paar, die sich an die Eucharistiefeier anschließt, nehmen sich Weihbischof Schneider sowie Mechthild Alber und Dr. Ute Rieck, Referentinnen im Fachbereich Ehe und Familie, viel Zeit.
Auf Entdeckertour beim "Parcour für Verliebte"
An Zeit soll es an diesem schönen Tag nicht fehlen - das ist Fachreferentin Beate Gröne, bei der die organisatorischen Fäden zusammenlaufen, wichtig: Zeit, um noch etwas in der Kirche zu verweilen; Zeit, um mit anderen Paaren ins Gespräch zu kommen; Zeit, um das weitläufige Klosterareal zu erkunden. Zum siebten Mal, in der Regel alle zwei Jahre bietet der Fachbereich Ehe und Familie den Tag der Hochzeitsjubilare an.
Inspirierende Angebote stehen im Mittelpunkt des Nachmittags. Zur spirituellen Kirchenführung für Paare lädt Schwester Marlies Göhr in der Vinzenzkirche: An zwölf Stationen zwischen Eckstein und Osterfenster lernen die Teilnehmenden spannende Details dieses weiten und zugleich bergenden Raums kennen und spüren den Fragen und Gedanken nach, die er in ihnen ganz persönlich und als Paar zum Schwingen bringt. Andere Paare unternehmen mit Sängerin und Gesangspädagogin Julia Dorn eine musikalische Reise: In Liedern und Gedichten geht es um hörende und sehende Herzen, um bekannte und neu zu entdeckende Liebeserklärungen und um Gott, der in der Liebe wohnt. Eine weitere Gruppe ist derweil mit Schwester Marzella Krieg auf dem Untermarchtaler Friedensweg unterwegs und gestaltet eine Friedens-Tauben-Hand.
Spannende Anknüpfungspunkte an die Predigt bietet das Angebot von Mechthild Alber: In Kleingruppen ergründen die Hochzeitsjubilare die (vor allem geistigen) "Lebensschätze", die sie angesammelt haben und an ihre Enkel weitergeben möchten. Andere Paare gehen bei Dr. Ute Rieck auf Entdeckertour: Beim "Parcour für Verliebte", einer Art Postenlauf für Paare, gestalten sie mit Schnipsel und Kleister ein Styroporherz, testen mit verbundenen Augen ihre (Team-)Fähigkeit im Schiffbau (aus Papier), kommen ins Gespräch... Dieser Parcours ist ein Element in der großen Schatzkammer an Angeboten, Anstößen und Hinweisen, die der Fachbereich Ehe und Familie der Diözese für Paare zusammengetragen hat.
Zu den Paaren, die zwar kein rundes Jubiläum haben, aber trotzdem ihre Ehe feiern und entwickeln wollen, gehören an diesem Tag Wolfgang Weiß und Daniela Laufer-Weiß. Den Impuls des Begnadet-seins, gemeinsam durch die Welt zu gehen, nehmen die Eheleute aus Urbach im Dekanat Rems-Murr ebenso gerne mit wie den Gedanken, das Ja, das sie vor 29 Jahren einander zugesagt haben, immer wieder neu mit Leben zu füllen und wertzuschätzen - auch "weil es nicht selbstverständlich ist". Den dankbaren Blick auf den gemeinsamen Weg mit einer Stärkung für die Zukunft zu verbinden - "das genießen wir hier".





