Im Anschluss an eine IDZ-Studienkonferenz nahm der IDZ-Vorstand an einer Tagung des vatikanischen „Dikasteriums für den Klerus“ teil. IDZ-Vizepräsident Erik Thouet spricht im Zusammenhang mit den dort gemachten Erfahrungen von einem "neuen Frühling" des Diakonatszentrums nach der Corona-Pandemie.
Herr Thouet, wie blicken Sie auf die vergangenen Tage der Studienkonferenz zurück?
Mit großer Freude und Dankbarkeit. Es wurde in Englisch, Spanisch und Deutsch simultan übersetzt. Alles hat wunderbar funktioniert. Es war die erste Studienkonferenz in Präsenz seit Lourdes 2017. Die Konferenz 2021 in Barcelona konnte wegen der Corona-Pandemie nur via Zoom stattfinden.
Was waren für Sie die eindrücklichsten Momente?
Die gemeinsamen Gottesdienste und der lebendige Austausch mit Menschen aus so unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Die Beiträge von Kardinal Gracias aus Mumbai und Erzbischof Fortunatus Nwachukwu aus Nigeria. Cesare Zucconi, Generalsekretär von Sant' Egidio, sprach sehr engagiert zum hochaktuellen Thema ‚Frieden und die Rolle der Religionen‘.
Die Konferenz stand unter dem Motto ‚Diakone Frohe Zeugen der Hoffnung‘. Wie haben Sie erlebt, dass dieses Motto während der Veranstaltung mit Leben gefüllt wurde?
Wir durften eine frohe, hoffnungsvolle Atmosphäre erleben, bei den Mahlzeiten, bei den vielen Gesprächen in den Pausen oder bis spät in die Nacht. In kleinen Gesprächsrunden haben wir uns wie bei der Weltsynode zugehört und über unsere Herausforderungen und Hoffnungen ausgetauscht. Das war sehr bewegend.
Es kamen 140 Teilnehmer:innen aus 27 Ländern. Welche Bedeutung hat dieser weltkirchliche Austausch für Sie?
Es ist ein großes Geschenk, dass wir Teil einer Weltkirche sind. Wir können unsere Erfahrungen einbringen und gleichzeitig ganz viel von den Katholiken aus anderen Kontinenten lernen. Interkulturelles Lernen par excellence.
Bischof Dr. Klaus Krämer hielt die Eröffnungsrede der Studienkonferenz. Was bedeutete das für Sie?
Es ist ein großes Zeichen der Wertschätzung, dass unser Bischof als Protektor des IDZ die Studienkonferenz persönlich eröffnet hat und seine tatkräftige Unterstützung für die Zukunft des IDZ zusagte.
Die Einladung zur Tagung des vatikanischen Dikasteriums für den Klerus und die Teilnahme am dortigen Podium im Anschluss an die IDZ-Studienkonferenz werteten Sie als Zeichen der Anerkennung. Welche Themen wurden dort diskutiert?
Die Tagung fand im großen Auditorium Conciliazione statt. Es gab neben theologischen Überlegungen einen Überblick über die sehr unterschiedliche Situation des Diakonats in den einzelnen Ländern und Kontinenten. Dabei kamen sieben der 13 Beiträge von Delegierten des IDZ. Wir werden als Experten im Vatikan geschätzt.
Sie haben betont, dass der Diakon besonders für Menschen am Rand der Gesellschaft da sein soll. Gibt es in dem Zusammenhang etwas konkretes, das sich während der Woche ergeben hat?
Diakone aus Litauen, Indien, Australien, Ungarn und Argentinien haben die Situation des Diakonats in ihrem Land und konkrete Projekte vorgestellt. Durch den Austausch von Best-Practice-Beispielen haben sich viele persönliche Kontakte entwickelt, die Diakonen helfen können, noch entschiedener an der Seite der Armen zu stehen.
Wie hat sich das IDZ aus Ihrer Sicht im Laufe der Jahre entwickelt, und welche Rolle spielt es heute in der weltweiten Förderung des Diakonats?
Das IDZ wurde 1965 gegründet. Durch unermüdliche Bemühungen hat es sich Anerkennung erworben und wird als Gesprächspartner geschätzt und angefragt. Laien, Theologinnen und Theologen sind ebenso Mitglieder wie Diakone, Priester und Bischöfe aus aller Welt. Das IDZ fördert den weltweiten Austausch, veranstaltet Studienkonferenzen, fördert die Etablierung des Diakonats in verschiedenen Regionen, entwickelt Ausbildungskonzepte und trägt zur Theologie des Amtes bei. Wir unterhalten gute Kontakte zum Dikasterium für den Klerus im Vatikan.
Gibt es neue Kontakte oder Kooperationen, die sich ergeben haben?
In Afrika und Asien gibt es bisher sehr wenige Diakone. Es konnten neue Kontakte zu Teilnehmern geknüpft werden, zum Beispiel nach Pakistan, Namibia und Südafrika. Der IDZ-Vorstand wurde zu Konferenzen und Gesprächen eingeladen nach Italien, Litauen, Österreich, Argentinien und nach Indien.
Diese Tage sind überschattet von der Sorge um den Gesundheitszustand von Papst Franziskus. Wie nahmen Sie vor diesem Hintergrund die Stimmung in Rom war?
Die Gesundheit des Papstes war ein immer wiederkehrendes Thema. Beim Abschlussgottesdienst am Sonntag im Petersdom zum „Jubiläum der Diakone“ im Heiligen Jahr konnte er leider nicht dabei sein und wir haben ganz besonders für ihn gebetet. Seine Predigt wurde von Erzbischof Rino Fisichella vorgetragen. Die Menschen schätzen Papa Franceso und seinen Einsatz für die Menschen am Rand.
In Rom fand auch die Wahl des IDZ-Vorstands statt. Wie ist hier das Ergebnis?
Präsident ist Gerald DuPont aus den USA. Zu Vizepräsidenten wurden Tony Hoban aus Australien und ich gewählt. Die Vertreterin der Ehefrauen ist Marie Maincent-Hanquez aus Frankreich und Geschäftsführer ist Kilian Schadt. Die Delegierten kommen aus Litauen, Australien, Indien, Südafrika, Kolumbien, Italien und Hongkong.
Ein Ausblick: Was nehmen Sie persönlich für Ihre weitere Arbeit im IDZ mit?
Ein Teilnehmer hat gesagt, das IDZ erlebt nach der Corona-Pandemie einen „Neuen Frühling“. Ich teile diese Einschätzung und freue mich, als Vizepräsident weiter an der Entwicklung des IDZ mitwirken zu können. Der weltweite Austausch auf dieser Ebene ist auch für die Entwicklung des Diakonats in Deutschland und in unserer Diözese von unschätzbarem Wert.




