Jugend

Mit jungen Menschen auf Augenhöhe

Pater Alfred Tönnis OMI, Bischof Gebhard Fürst, Susanne Grimbacher von der diözesanen Projektstelle Junge Erwachsene sowie Benjamin und Martin (v.l.) von der Kanzach-Bude in Unlingen - Foto: DRS/Waggershauser

Bischof Gebhard Fürst hat zusammen mit Ortspfarrer Pater Alfred Tönnis Buden in der Seelsorgeeinheit Bussen bei Riedlingen besucht.

Pommesbuden oder Schießbuden bei Volksfesten kennen viele. Buden als Treffpunkte junger Menschen sind dagegen etwas Spezielles in den Dörfern rund um Riedlingen. Bischof Gebhard Fürst hat am Samstagabend nach Firmgottesdiensten in der Seelsorgeeinheit Bussen drei dieser Buden besucht und kam mit Jugendlichen ins Gespräch. Pater Alfred Tönnis sucht diese Orte regelmäßig auf und lud den Bischof ein, ihn zu begleiten. Dem Ortspfarrer ist eine Pastoral des Hingehens wichtig.

Die typischen Buden befinden sich in Bauwägen oder Containern, in Schuppen oder sonstigen Nebenräumen. In Möhringen haben einige Jugendliche vor einem Jahr einen LKW-Auflieger eingerichtet. „Das ist Wahnsinn“ von Wolfgang Petry schallte aus den Boxen, als die beiden Geistlichen und Susanne Grimbacher von der Projektstelle „Glaubenskommunikation mit Jungen Erwachsenen“ den Anhänger betraten. Sie interessiert sich dafür, was jungen Menschen im jeweiligen sozialen Umfeld wichtig ist.

Nicht alle sind kirchlich gebunden

„Was macht ihr denn hier so“, fragte Bischof Fürst interessiert. Felix und Magnus erzählten, wie sie in den letzten Monaten das Dach abgedichtet und die Außenwände gedämmt hatten. Zur Finanzierung organisierten sie Feste. Ansonsten gehe es aber einfach ums Zusammensitzen. Die beiden Möhringer sind kirchlich engagiert. Felix empfing erst am Nachmittag von Bischof Fürst das Sakrament der Firmung.

Auch in der Biberbau-Bude in Oberwachingen waren Neugefirmte dabei, aber nicht alle jungen Leute haben einen kirchlichen Bezug. Sie hören hier eher elektronische Musik. Auf dem Tisch in der Mitte stand eine Shisha, eine orientalische Wasserpfeife. Die beiden Container stehen erst seit wenigen Wochen auf der Rückseite eines landwirtschaftlichen Anwesens und sind mit einem Blechdach verbunden. In dessen Schutz stellte die Gruppe schnell weitere Sessel dazu und nahm die Gäste in ihre Runde im Freien auf.

Keine Angst mit dem Pfarrer zu sprechen

Pater Alfred hatten die Jugendlichen schon zur Einweihungsfeier und zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Er sucht die Menschen gerne dort auf, wo sie sich aufhalten. Vernetzt sind die jungen Leute untereinander und mit ihrem Pfarrer über WhatsApp. Neben Smalltalk kämen öfter auch religiöse Gespräche zustande, berichtete Tönnis.

Wenn man da präsent ist, kann man vielen die Angst nehmen, auch mal mit einem Pfarrer zu sprechen.

Daraus hätte sich auch schon mal eine Haussegnung bei jemandem ergeben, der nicht in die Kirche kommt.

Die Idee, den Bischof mitzubringen, entstand am Rande der Diözesanratssitzung Mitte Mai. Susanne Grimbacher und ihr Kollege Andreas Chucherko berichteten dort, dass die Lebenswelten Junger Erwachsener und der Kirche nicht identisch seien, aber dass es in einigen Bereichen Schnittmengen gebe. So eine Schnittmenge sah der Bischof beim Thema Bewahrung der Schöpfung und er bot an, die Zielgruppe ins Bischofshaus einzuladen, um ihr den Garten der Nachhaltigkeit auf seinem Flachdach zu zeigen. Pater Alfred regte an, umgekehrt dorthin zu gehen, wo die jungen Leute sind. Er erzählte von den Buden in seiner Seelsorgeeinheit.

Den Stallgeruch der Menschen annehmen

Und Bischof Fürst ließ sich darauf ein. Erste Station am Samstag war die Kanzach-Bude in Unlingen, die in einem ehemaligen Pferdestall seit fünf Jahren besteht. Somit waren einige der Anwesenden auch schon jenseits der 20. Martin und seine Freunde hatten bereits eingeheizt, als sie die Gäste durch die beiden Stockwerke führten. Die jugendliche Selbstverwaltung war früher nicht so gern gesehen. „Da hieß es: Die saufen nur“, berichtete Benjamin. Das habe sich inzwischen aber gebessert. Annette App, auf deren Grundstück die Bude steht, ist froh, dass es diese Treffpunkte gebe. Sie erzählte vom Traktorkonzert und von anderen Festen, die die Buden organisiert hätten und den Erlös fürs Kinderhospiz und andere wohltätige Zwecke gespendet hätten.

Dieses zwanglose Zusammensitzen habe ihn an seine Jugend erinnert, verriet der Bischof, bevor er Oberschwaben in Richtung Rottenburg verließ. Die Jugend sei heute aber pluraler als damals. Daher war er überrascht: „Da kommt so ein älterer Herr - auch noch Bischof - und die hatten wenig Berührungsängste mit einem zu sprechen“, freute er sich. „Sie waren sehr offen.“ Neben vielen Informationen hätten sich auch Gespräche über die Klimakrise ergeben. „Nur eine Wasserpfeife gab es zu meiner Zeit noch nicht“, stellte Bischof Fürst fest. Worauf Pater Alfred in Anlehnung an die Forderung von Papst Franziskus, die Kirche müsse den Stallgeruch der Menschen annehmen, erwiderte: „Den kann man nach einer Shisha besonders gut merken.“

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