Investitur

Mit Leidenschaft für Gott und die Gemeinschaft

Die symbolische Übergabe der Kirchenschlüssel durch die Gewählten Vorsitzenden der Kirchengemeinden an den neuen Ellwanger Stadtpfarrer Prof. Dr. Sven ven Meegen gehört zu den „ausdeutenden Zeichen" der Investitur. Rechts im Bild: Christine Eberle (St. Vitus). Foto: DRS/Jerabek

Prof. Dr. Sven van Meegen ist neuer Leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Ellwangen. Am Sonntag wurde er von Dekan Robert Kloker investiert.

Mit Leidenschaft will Sven van Meegen seinen Dienst am neuen Wirkungsort leisten, zu einem leidenschaftlichen Miteinander rief er die Mitglieder seiner vier Kirchengemeinden St. Vitus, Heilig Geist, St. Wolfgang und St. Patrizius auf. Mit Leidenschaft hatten zahlreiche Haupt-und Ehrenamtliche die Investitur des neuen Leitenden Pfarrers vorbereitet, um sie zu einem großen Fest zu machen. Rund 1500 Menschen kamen bei kühlem, aber sonnigem Wetter auf dem Marktplatz zusammen. Mehrere Musikkapellen und ein aus vier Chören eigens zusammengestelltes Gesangsensemble unter Leitung von Regionalkantor Benedikt Nuding begleiteten den Gottesdienst; die Bürgergarde sorgte für einen fulminanten Einzug.

In einer schwierigen und angestrengten Zeit – angesichts der vielen geflüchteten Menschen aus der Ukraine und angesichts der Corona-Pandemie – sei es umso schöner, ein fröhliches und freudiges Ereignis feiern zu dürfen, sagte der Dekan des Dekanats Ostalb, Robert Kloker, in seiner Einführung. Es werde dem neuen Pfarrer, der „ja nicht von weit her komme“, sicher nicht schwerfallen, in der Jagst-Metropole sehr schnell Fuß zu fassen.

Schlüsselquartett für den Pfarrer

Van Meegen wuchs in Gaishardt (Neuler) bei Ellwangen auf. Der promovierte Theologe und Sozialwissenschaftler wurde 2005 zum Priester geweiht und war seit 2009 Leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Lone-Brenz. Von 2010 bis zu seinem Wechsel nach Ellwangen war er Dekan des Dekanats Heidenheim. Seit 2011 lehrt er als Professor für Sozialethik und Sozialphilosophie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heidenheim.

Den Gewählten Vorsitzenden der Kirchengemeinderäte oblag es, die Gäste aus nah und fern zu begrüßen und die guten Wünsche der Kirchengemeinden zu überbringen (Christine Eberle, St. Vitus), Dankesworte zu sprechen (Christoph Romer, St. Wolfgang), den neuen Pfarrer vorzustellen (Sonja Fuchs, St. Patrizius) und das Ernennungsschreibens des Bischofs zu verlesen (Cornelia Mack, Heilig Geist). Anschließend legte der neue Pfarrer sein Dienstversprechen ab und sprach das Glaubensbekenntnis. Mit der Einnahme des Priestersitzes war Sven van Meegen als Pfarrer eingesetzt. Voller Symbolkraft und als „ausdeutendes Zeichen“ war die Übergabe der Kirchenschlüssel durch die Gewählten Vorsitzenden.

Gott leidet mit den Menschen mit

Der Passionssonntag (lat. passio = Leiden), wie der fünfte Fastensonntag auch genannt wird, bot die Steilvorlage für eine Predigt über drei Dimensionen von Leidenschaft – Leidenschaft für die Menschen, für Gott, für die Gemeinschaft.

In dem Ausspruch, dass man jemanden gut leiden kann, drückt sich nach den Worten van Meegens aus, „dass wir jemanden so sehr mögen, dass wir auch bereit sind, mit diesem Menschen zu leiden; dass es uns nahegeht, wenn dieser Mensch krank ist“. In der Pflege, die meist ganz uneigennützig geleistet werde, drücke sich diese Liebe aus. Sich einzusetzen für andere in der Pflege, aber auch in der Öffentlichkeit, im Miteinander, in Vereinen und in der Kirchengemeinde bedeute oft, Leid zu ertragen und Leid mitzutragen. Leidenschaft für die Menschen bedeute, „für sie da zu sein, ohne im Hintergrund gleich auszurechnen: was bringt mir das? Im Da-sein erfüllt sich die Liebe, mein Engagement, mein Dienst.“

Dass auch Gott mit den Menschen mitleide, daran erinnere die Fastenzeit, die das Leiden Jesu besonders in den Blick nimmt. „Er ist für uns Mensch geworden, hat gelitten und ist am Kreuz für uns gestorben und von den Toten auferstanden, um uns das ewige Leben zu schenken“, sagte van Meegen. Viele Menschen würden in diesen Kriegs- und Krisenzeiten fragen, wie Gott das alles zulassen könne. „Ich würde andersherum sagen: Gerade weil es Gott gibt, der an unserer Seite ist, können wir das Leid durchstehen und müssen eben nicht zugrunde gehen.“ Er selber habe in seinem persönlichen Lebensweg erfahren dürfen, dass Gott führt, dass er letzter Halt und Anker ist. „Gott selber ruft uns an den Ort, wo er uns haben will.“

Ohne die Auferstehung ist unser Glaube wertlos

Im Leid werde besonders deutlich: „Ohne die Auferstehung ist unser Glaube wertlos. Mit dem Glauben, der Hoffnung und dem Ziel der Auferstehung steht und fällt unser Glaube – und das ist die alles entscheidende Frage und zugleich die Lebenseinstellung: Glaubst du an ein Leben nach dem Tod? Glaubst du, dass es für dich ganz persönlich nach dem Tod weitergeht?“ Ohne das Leben nach dem Tod, so van Meegen weiter, „wäre vieles hier sinnlos und wirklich zum Verzweifeln. Denn das ist mein Halt: dass es weitergeht und dass es dort wirklich allumfassende Gerechtigkeit gibt.“

Viele engagierte Menschen wüssten nur zu gut, dass nicht immer alles klappt, nicht immer alles wertgeschätzt wird, nicht gesehen wird, was alles geleistet wird, sagte van Meegen mit Blick auf viele öffentliche Ämter und Dienste. Wenn immer erst gefragt würde, was das einem selbst bringe, würde niemand mehr einen Schritt vor den anderen setzen. „In unserem Tun, in unserem Dienst soll Leidenschaft dabei sein.“ Leidenschaft sei, „wenn man sich selber einen Schritt zurücknimmt und andere im Mittelpunkt stehen lässt“. Gerade in schwierigen Situationen gehe es nicht ohne die Gemeinschaft. „Wenn wir nicht mehr Gemeinschaft pflegen, werden wir zugrunde gehen.“

Für einen offenen und ehrlichen Umgang

Der Pfarrer beschloss seine Predigt mit der Bitte: „Halten wir nicht nur zusammen, sondern leben wir leidenschaftlich für Gott und von ihm her; leben wir leidenschaftlich für die Menschen, die uns jetzt besonders brauchen; leben wir leidenschaftlich unsere Gemeinschaft!“ sagte van Meegen und warb zugleich für einen offenen und ehrlichen Umgang miteinander.

Rund 60 Ministranten, eine kroatische Trachtengruppe und die Fahnenabordnungen rund um das Altarpodest sorgten für weitere Farbtupfer bei der festlichen Eucharistiefeier, an der auch zwei Dutzend Geistliche teilnahmen. In Vertretung für den erkrankten Schönenbergpfarrer P. Dr. Martin Leitgöb, der in der fünfmonatigen Vakanz das Amt des Pfarradministrators übernommen hatte, konzelebrierte sein Ordensbruder, Pater Jens Bartsch von der Landpastoral Schönenberg. Im Anschluss richteten der Landrat des Ostalbkreises, Dr. Joachim Bläse, Ellwangens Oberbürgermeister Michael Dambacher und eine evangelische Delegation Grußworte an die Festgemeinde.