Gelebter christlicher Glaube irritiert: „So, wie das Christentum am Anfang - in der Antike - eine große Irritation war, so irritieren Christen bis heute”, sagte Schavan in ihrer Predigt. „Abgestoßen und fasziniert zugleich” seien die Menschen davon gewesen, wie Jesus anderen begegnete - der Ehebrecherin, dem Zöllner, dem reichen Mann. Jesu Sicht auf den Menschen und die Sicht der Christenheit auf den Menschen „ist geschärft von der Überzeugung, dass allen Menschen die gleiche und unverwirkbare Würde zukommt”, die nicht von Menschen verliehen werde, „sondern von Gott gegeben wurde - wirklich allen Menschen!” Diese Sicht sei eine Revolution gewesen.
Was Jesus gelehrt hat und wofür er einstand - Barmherzigkeit, Freiheit, einen Blick für die Armen und für das, was sie brauchen -, bilde die Grundlage für eine zivilisierte Menschheit und sei „das Menschenbild, das Europa zu Größe und Attraktivität gebracht hat” und mit dem auch Deutschland seinen Weg zurück in die Völkergemeinschaft gefunden habe, sagte Schavan. Dieses Menschenbild drücke sich auch in Artikel 1 des Grundgesetzes aus: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.”





