Diözesanbibliothek

"Mit viel Liebe zum Detail"

Die Diözesanbibliothek verfügt über eine beachtliche Andachtsbildchensammlung. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart

Eine neue Ausstellung lädt zu einem Streifzug durch die Andachtsbildchen-Sammlung der Diözesanbibliothek Rottenburg ein.

Rund 60.000 Andachtsbildchen vereint die Sammlung der Diözesanbibliothek der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Nun wird erstmals ein repräsentativer Querschnitt der Sammlung öffentlich gezeigt. Ein Vortrag von Petra Neugebauer eröffnet am Sonntag, 16. April, um 15 Uhr die Andachtsbildchen-Ausstellung in der Bibliothek.

Petra Neugebauer hat seit Mai 2022 eine Projektstelle in der Bibliothek inne, um den Bestand festzuhalten und zu sortieren. „Dabei habe ich festgestellt, dass wir eine wirklich schöne und vielfältige Sammlung besitzen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, eine Ausstellung zusammenzustellen“, sagt sie. Die Ausstellung umfasse insgesamt zehn Vitrinen. Eine davon beschäftige sich mit der Darstellung von Heiligen und Wallfahrtsorten und andere legten den Fokus auf die Heilige Familie rund um Jesus, Maria und Josef. „Und es gibt auch eine Vitrine mit Arbeiten aus den Klöstern“, sagt Neugebauer.

Andachtsbilder aus verschiedenen Epochen

Da nur manche Bilder auf der Rückseite mit einem Datum beschriftet sind, sei die Datierung nicht so einfach gewesen. Manche Andachtsbilder ließen sich allerdings anhand ihrer stilistischen Merkmale einer Zeit zuordnen. „Wir haben im Eingang unten eine Vitrine mit Andachtskärtchen stehen, die mit Spitzenrändern versehen sind. Das war damals ein Trend: Diese Stücke stammen meist aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts“, sagt Neugebauer. Auch verschiedene Kunstepochen spiegelten sich in den Bildchen wider. „In einigen Bildern finden sich Jugendstilanklänge bei der Gestaltung von Blumen oder Engeln. Man orientierte sich daran, was gerade in war. So wird auch deutlich, was sich über die Jahre verändert hat. Wir haben beinahe alle Epochen und Kunstrichtungen vertreten“, sagt die Ausstellungsmacherin.

Aufwendige Klosterarbeiten

Auf einem typischen Andachtsbild finde der Betrachtende meist eine Szene aus dem Leben und Leiden Jesu Christi, Mariens und der Heiligen oder etwa eine Bibelstelle. Auf der Rückseite sei häufig ein passendes Gebet aufgedruckt. „Für viele Menschen ist ein Andachtsbild eine Möglichkeit, sich auf ein Gebet zu konzentrieren. Da die Bildchen oft ins Gebetsbuch reingelegt werden, sind sie größtenteils kleinformatig.“ Laut Neugebauer gibt es aber auch Bilder im DIN A4-Format wie beispielsweise die aufwendigen Arbeiten aus den Klöstern. „Die sind sehr beeindruckend, weil man dort sieht, mit wie viel Liebe zum Detail die Andachtsbilder gestaltet wurden. Bei den Arbeiten wurde oftmals mit Scherenschnitt gearbeitet oder auf Papier und Stoff etwas gestickt.“

Die meisten Bilder aus der Andachtsbildersammlung der Bibliothek stammten aus dem Nachlass von Sammlern: „Manche haben ihre Bildchen fein säuberlich in einem Album sortiert. Im schlimmsten Fall bekommen wir einen Schuhkarton und müssen uns erst einmal durchkämpfen. Das macht aber auch Spaß, weil man so auf versteckte Schätze trifft“, sagt Neugebauer. Der Großteil der Sammlung sei aus dem deutschsprachigen Raum, trotzdem gebe es auch Stücke aus anderen Ländern und in verschiedenen Sprachen wie beispielsweise französisch oder sogar chinesisch.

Somit stelle die Ausstellung dar, was die Menschen zu verschiedenen Zeiten glaubten. Ein Besuch lohne sich auch für diejenigen, die mit Andachtsbildern keine Berührungspunkte haben, ist sich Neugebauer sicher. „Es ist einfach etwas Schönes für das Auge. Viele Bilder sind so detailliert gestaltet und teilweise in Collagenform, dass man immer wieder etwas Neues entdeckt.“

Hinweise zur Ausstellung

Die Ausstellung „Andacht, Ablass, Angedenken“ wird mit einem Vortrag von Petra Neugebauer am Sonntag, 16. April, eröffnet. Dazu ist eine Online-Voranmeldung auf der Website des Diözesanmuseums notwendig. Der Eintritt kostet fünf Euro.Nach der Eröffnung kann die Ausstellung bis zum 13. Juli zu den Öffnungszeiten der Diözesanbibliothek kostenlos besucht werden. Diese sind montags, dienstags und donnerstags von 10 bis 13 Uhr und mittwochs von 10 bis 17 Uhr.

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