Veranstaltung

Mitten ins Herz

Seenotretter Friedhold Ulonska zu Gast. Bild: Blocher

Das Bild zeigt (von links): Friedhold Ulonska, Bertild Fechner vom Arbeitskreis Asyl und Integration, Monika Blocker von der keb, und Dekanatsreferent Achim Wicker. Bild: Blocher

Friedhold Ulonska, Kapitän eines Seenotretters, hielt vor etwa 50 Besuchern im Gemeindehaus Heilig-Geist in Balingen eine beeindruckende Präsentation.

Was Ulonska zu sagen und zu zeigen hatte, verschlug vielen Besuchern nicht nur die Sprache, sondern traf auch mitten ins Herz. Nachrichtenmeldungen, Zahlen und Statistiken sind das eine. Wenn aber der Kapitän eines Seenotretters persönliche Erlebnisse, Bilder, Video- und Funkmitschnitte zeigt, dann ist das etwas anderes, heißt es in einer Mitteilung des Dekanats Balingen. Eingeladen zu dem Abend hatten die Katholische Erwachsenenbildung (keb), das Dekanat und der Arbeitskreis Asyl und Integration Balingen.

Ulonska berichtete, dass er seit 2014 von mehr als 25.000 Menschen ausgeht, die auf dem gefährlichen Weg über das Mittelmeer ums Leben gekommen sind. Im laufenden Jahr seien  bereits 2093 solcher Fälle registriert, und die Dunkelziffer der Opfer dürfte noch höher liegen. Die Gründe für die Flucht seien vielfältig und reichten von Terrorismus und Verfolgung bis hin zu Hunger, Armut und fehlenden Zukunftsperspektiven, sagte Ulonska. „Wer es schafft, die gefährliche Reise bis an die Küsten von Libyen und Tunesien zu überstehen, sieht sich oft Gewalt, Folter und Vergewaltigung ausgesetzt oder landet als Ware auf dem Sklavenmarkt von Tripolis.“ Es gebe keinen Rückweg, und der Weg über das Meer bleibe die einzige Hoffnung.

Ulonska ist derzeit aktiv bei der Organisation Resqship und auf dem kleineren Schiff Nadir tätig. Er betonte, dass alle Helfer in der Seenotrettung ehrenamtlich arbeiten. Die Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden habe sich seit dem Regierungswechsel verschlechtert, und die Arbeit der Seenotretter werde häufig behindert oder zumindest erschwert, obwohl das Seerecht klare Vorgaben mache und die Regierung bisher alle juristischen Auseinandersetzungen verloren habe.

In Bezug auf die Frage aus dem Publikum, wie man den Menschen eine Perspektive in ihren Heimatländern bieten und die Zuwanderung reduzieren kann, gab Ulonska zu verstehen, dass er keine einfache Antwort auf diese Frage hat. Er betonte, dass Zäune und Abschottung nicht die Lösung seien und dass verzweifelte Menschen immer Wege finden würden. Die wirkliche Lösung bestehe darin, den Menschen in ihren Herkunftsländern die Aussicht auf ein menschenwürdiges Leben zu bieten, heißt es in der Mittteilung. Und Ulonska habe bereits seinen nächsten Einsatz geplant: Im Oktober werde er mit der Nadir wieder im Mittelmeer zwischen Lampedusa und der afrikanischen Küste Menschen in Seenot retten.

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