Im September 2022 war es soweit: Das neu erbaute Kinderhaus St. Jakobus in Seebronn wurde feierlich eingeweiht. Heute bietet die Einrichtung in dem zur Stadt Rottenburg gehörenden Ort Platz für vier Gruppen und kann bis zu 85 Kinder aufnehmen. Im Sommer soll die maximale Kapazitätsgrenze erreicht sein.
Betreuungsangebote zusammengeführt
Dr. Daniel Betz, stellvertretender gewählter Vorsitzender des Kirchengemeinderats St. Jakobus in Seebronn, der beim Bau die Projektleitung innehatte, erinnert sich: Die Entstehung des Kinderhauses sei ein komplexer Prozess gewesen, der die Zusammenführung bestehender Betreuungsangebote vor Ort ermöglichte. Birgit Joos, gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats St. Jakobus, ergänzt: Vor Inbetriebnahme des Neubaus habe es in Seebronn den eingruppigen städtischen Kindergarten gegeben, der heute als Bürgertreff genutzt wird, einen in die Jahre gekommenen zweigruppigen katholischen Kindergarten, dessen Sanierung sich nicht mehr gelohnt habe, und eine Kinderkrippe für unter Dreijährige, die von der privaten Initiative „Seestern“ gestemmt wurde. Heute organisiere dieser Verein die Nachmittagsbetreuung an der Grundschule und das Ferienprogramm in Seebronn.
Abkühlung in der Nacht
„Der Gedanke, die drei Standorte zu bündeln und eine nachhaltige Lösung für unseren ganzen Ort zu finden, entwickelte sich ab 2017“, sagt Dr. Betz. Vertreter:innen der bürgerlichen und der kirchlichen Gemeinde seien zusammengekommen auf der Suche nach einer zukunftsfähigen Lösung. Die katholische Kirchengemeinde übernahm die Trägerschaft für das Kinderhaus, die politische Gemeinde unterstützt sie. Heute sei das moderne und nachhaltige Kinderhaus für Seebronn ein Gewinn, stimmen Betz und Joos überein. „Es wurde in Holzständerbauweise mit Dachbegrünung errichtet, erfüllt hohe ökologische Standards und ist mit einer Wärmepumpe und einer Photovoltaikanlage ausgestattet“, sagt Betz. Um das Haus bei hohen Temperaturen im Sommer zu kühlen, gebe es eine Umkehrfunktion bei der Fußbodenheizung. Weiter sorgen umlaufende Laubengänge und ausfahrbare Markisen, die dem Laubengang vorgelagert sind, für Sonnenschutz. Auch die Stahlbetonkern-Massivbauweise sowie eine automatisierte Nachtentlüftung durch Ventilatoren verhindern, dass das Gebäude die Hitze speichert und sorgen für die nächtliche Abkühlung.
Neue gewinnbringende Lösungen
„Heute haben wir ein modernes, nachhaltiges und funktionales Haus, das den Bedürfnissen von Kindern, Eltern und Fachkräften gerecht wird. St. Jakobus ist ein Vorbildprojekt, das zeigt, wie durch Kooperation und Investition eine maßgeschneiderte Lösung für eine Gemeinde entstehen kann“, stimmen Joos und Dr. Betz überein.
Dass dies auch seitens der Diözese Rottenburg-Stuttgart so gesehen wird, zeigt sich daran, dass der Seebronner Bau zum Start des diözesanen Gebäudereduzierungsprozesses „Räume für eine Kirche der Zukunft“ als Modellprojekt vorgestellt wurde. In dem Entwicklungsprozess sollen die beheizten und nichtsakralen Gebäudeflächen im Kirchenbesitz diözesanweit um 30 Prozent reduziert werden. Neben Gemeinde- und Pfarrhäusern sowie Wohngebäuden stehen dabei auch immer die katholischen Kindergärten mit im Fokus und einer der Kerngedanken des Projekts ist es, in Kooperation mit unterschiedlichen Akteuren des kommunalen Lebens vor Ort neue und der Gemeinschaft gewinnbringende Lösungen zu finden.
Keine Straße zum Überqueren
Dass dies in Seebronn vorbildlich gelungen ist, bestätigt auch Kinderhaus-Leiterin Stephanie Vogt. Dies zeigt sich für sie vor allem an der durchdachten Raumaufteilung: „Ein zentrales Atrium verbindet bei uns die Gruppenräume, die jeweils über eigene Garderoben und Zugänge zum Garten verfügen“, lobt sie. Es gebe getrennte Speiseräume für die Jüngsten in der Krippe und die größeren Kinder sowie einen Werkraum, eine Küche, ein Elternsprechzimmer und moderne Personalräume. „Die Barrierefreiheit ist mit einem Aufzug und einer speziellen Toilette für Menschen mit Behinderung ebenfalls vorbildlich umgesetzt.“ Außerdem liege das Kinderhaus in direkter Nachbarschaft zur Grundschule, was die Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen erleichtert. Auch die nahegelegene Sporthalle könne genutzt werden. „Die kurzen Wege sind ideal“, freut sich Vogt. Und schließlich biete die Ortsrandlage den großen Mehrwert, dass Kinder und Erzieher:innen schnell auf dem Feld und im Wald sind, ohne dabei eine Straße überqueren zu müssen. Und sie berichtet von noch weiteren Pluspunkten: Auf dem Gelände sei Platz für einen Nutzgarten, alte Apfelbäume und Johannisbeersträucher wurden erhalten und aus den selbst geernteten Früchten hätten Kinder und Erzieher:innen im vergangenen Jahr leckere Bratapfelmarmelade hergestellt, die sie stolz an die Eltern verschenkt haben.







