Der noch amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat am gestrigen Dienstag (17.3.) mit dem katholischen Bischof Dr. Klaus Krämer und dem evangelischen Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart über eine zukunftsfähige Kirche diskutiert. Einleitend hielt der renommierte Dogmatik-Professor und Leibniz-Preisträger Michael Seewald einen Vortrag. Unter dem Titel „Anschluss verloren? Wie die Zukunft der Kirchen in Gesellschaften der Zukunft gelingt“ bildete das ökumenische Spitzengespräch den Auftakt zum 75-jährigen Akademiejubiläum im Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim.
"Solange Christen Salz der Erde und Licht der Welt sind"
Eigentlich müssten sich die Kirchen am wenigsten Sorgen um die Zukunft machen, erklärte Kretschmann vor dem Horizont der fundamentalen christlichen Zukunftshoffnung und sagte: „Solange Christen Salz der Erde und Licht der Welt sind, werden sie wirksam bleiben“. Die großen biblischen Metaphern von der Vertreibung aus dem Paradies oder der Arche Noah seien immer noch kulturprägend und die bundesdeutsche Verfassung sei „durch und durch christlich imprägniert“. Gerade in Zeiten fundamentaler Umbrüche könnten die Kirchen ihre Stärke dadurch zeigen, dass sie einen „klaren Kompass an Grundwerten und Grundüberzeugungen“ und eine „Relevanz in existenziellen Situationen“ bieten. Und auch „religiös unmusikalische Menschen“ im Sinne des jüngst verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas könnten „das offene Ohr und die stützende Hand der Seelsorge“ erfahren.
„Verwechslung von Hierarchie und Monarchie“
Kritik äußerte der Katholik Kretschmann an einer schleppenden Resonanz des Synodalen Weges im Vatikan und bemängelte eine Haltung von „mehr Dekret als Dialog“ und eine „Verwechslung von Hierarchie und Monarchie“. Eindrücklich plädierte der Ministerpräsident für eine „sehr ernsthafte Art des Miteinander-Sprechens im Sinne des Dialogs als Durch-Sprechen“. Fazit Kretschmanns: „In Zeiten großer Umbrüche und Verunsicherung braucht es Kirchen, die die Menschen in dieser säkularen Gesellschaft als Impulsgeber begleiten: Mit einem klaren Wertekompass, als Anwälte für Freiheit, Gleichheit und Rechte, für Toleranz und Frieden. Und mit einer Haltung, die Respekt und Vertrauen auch selber lebt. Als Raum der Nähe und Begegnung werden Kirchen für unsere Gesellschaft, unsere Demokratie und die Politik bedeutsam und bewahren sich so eine gute Zukunft.“






